Wer nervt IT-Freelancer am häufigsten? Die Internen!

Aber insgesamt regen sie sich am meisten über Organisationsprobleme auf.
 
IT-Projekte laufen selten reibungslos, und dies führt zu Stress und strapazierten Nerven bei den beteiligten IT-Leuten. Wenn sich allerdings freie IT-Mitarbeitende nerven, dann sind meistens nicht technische Gründe die Ursache, sondern die "lieben Kollegen". Und zwar am Häufigsten die internen Kollegen, gefolgt von unmittelbaren Vorgesetzten, sprich Projektleitern und -Managern.
 
Dies ist das Resultat einer Umfrage zum Thema "Aufreger im Projektalltag", die der Personaldienstleister Gulp durchgeführt hat. Teilgenommen haben 99 IT-Freelancer aus dem deutschsprachigen Raum.
 
"Wir wollen keine Externen – brauchen sie aber."
Die grösste Kategorie der Aufreger sind demnach "menschliche Faktoren" (siehe Illustration oben). Genannt wurden laut Gulp zum Beispiel Gegenwind von den internen Kollegen, persönliche Anfeindungen aus Neid oder Missgunst sowie mangelnde Skills von Führungspersonen und Projektmitgliedern. Auch von der häufig herrschenden Meinung der internen Unternehmensmitarbeiter, man sei "nur" der externe Kollege, wurde laut Gulp berichtet. Dies gehe bis hin zur Diskriminierung. Kritisiert wurde auch "die Meinung, Externe könnten 24 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche arbeiten."
 
Wenn es um menschliche Reibungen geht, regen sich die befragten Freelancer denn auch am häufigsten über interne Kollegen auf. Knapp dahinter folgen die Projektleiter. Aber auch viele andere geben Freelancern Grund, Anstoss zu nehmen, von Auftraggebern über Personalabteilungen und Ansprechpartner aus den Fachbereichen bis zu Dienstleistern und anderen externen Mitarbeitern, um nur einige zu nennen (siehe Illustration 2).
 
"Was ich Ihnen letzten Monat noch sagen wollte: Nächste Woche ist Messe. Schaffen wir bis dahin einen Homepage-Relaunch?"
Man sollte aber nun nicht den Eindruck erhalten, dass sich Freelancer nur über ihre Kollegen aufregen. Immerhin macht die Kategorie "menschliches" doch nur knapp über ein Viertel der Fälle aus. Von den anderen Kategorien, die zusammen also fast drei Viertel der Fälle ausmachen, haben viele mit
der Projekt- oder Unternehmensorganisation zu tun.
 
An zweithäufigsten wurden Ärgernisse gemeldet, die in die Kategorie "Projektinhalte/-ziele" fallen. Laut Gulp wurden hier oft unrealistische Erwartungen oder Deadlines und fehlende, unklar formulierte oder im Nachhinein veränderte Ziele genannt.
 
Dahinter folgt die Kategorie "Projektmanagement". Unter anderem gab es Klagen über fehlende, bzw. unklare Zuständigkeiten, mangelnde Planung oder generell unübersichtliche Strukturen.
 
Gleichauf liegen die "Rahmenbedingungen": Hier ging es oft um technische Aspekte wie veraltete Hard- und Software, aber zumindest in einem Fall auch schlicht um: "Kein Kaffee."
 
Zum Stressfaktor "mangelnde oder verwirrende Kommunikation" gehört laut Gulp auch, wenn die Einarbeitung unzureichend ist oder Informationen fehlen. Unter "Firmenpolitik" fallen interne politische Spielchen, Umstrukturierungen nach Projektstart, lange Entscheidungswege bzw. gar keine Entscheidungen oder eine mangelnde Offenheit gegenüber Veränderungen.
 
Erst dahinter folgt die Kategorie "Vertrag und Finanzielles". Dabei ging es gemäss Gulp hauptsächlich um die (mangelnde) Zahlungsmoral mancher Auftraggeber oder einseitig zugunsten der Projektanbieter formulierte Verträge. (hjm)