Prantl behauptet: Unternehmer sind nicht automatisch auch gute Chefs

Es gibt drei mögliche Gründe, dass ein KMU-Unternehmer die Führung abgeben sollte.
 
Selten sind Unternehmer – einfach so kraft Ihres Status – auch automatisch gute Chefs. An diese Tatsache kann ich mich noch zu gut aus meiner eigenen IT-Unternehmer- und Chefzeit erinnern, andererseits sehe ich es aber auch täglich in meiner Beratungspraxis. Schon zweimal habe ich in meiner Kolumne eng verwandte Themen beleuchtet. Im Mai letzten Jahres hiess es "KMU brauchen mehr Leadership als Management" und gerade kürzlich behauptete ich, "Unternehmer beschäftigen sich (zu oft) mit den falschen Dingen". Dort verwies ich auch auf das Rollen-Konzept "Fachspezialist – Manager – Unternehmer". Der Vollständigkeit halber will ich heute einige Gedanken zur dritten – extrem wichtigen Rolle – in erfolgreichen KMU ausführen.
 
Denn, neben der Treiber- und Visionsrolle des Unternehmers und der Organisations- und Ordnungsrolle des Managers braucht es in erfolgreichen Firmen immer auch Leute, die führen können. Gerade in unserer IT-Branche, die so stark von den persönlichen Leistungen der dort arbeitenden Menschen lebt, wird mir da mit Sicherheit niemand widersprechen wollen.
 
Was ist überhaupt ein guter Chef? Wenn die Firma (einigermassen) läuft, sollte ein guter Chef seine Mitarbeiter nicht in irgendeiner Weise behindern (mit permanenter Kontrolle, Mikromanagement, Bürokratie, irgendwelchen ausgeklügelten Management- und Führungssystemen etc.), gleichzeitig sollte er sie als Mentor und Coach dort unterstützen, wo sie es brauchen und wollen. Läuft die Firma nicht gut, dann sind als Krisenbewältigung durchaus auch mal eine striktere Führung über Aufgaben und Prozesse oder gar Führung über Zwang angebracht.
 
Sobald die Krise aber überwunden ist und die Firma wieder läuft, sollte der Führungsstil sogleich auf "aus dem Weg gehen und coachen" zurückgefahren werden. Dass ein solcher Führungsstil einer entsprechenden strategischen Grundlage mit einer klaren Vision bedarf, versteht sich von selbst. Wer dazu mehr wissen möchte, dem sei das dediziert für Unternehmer geschriebene Führungsbuch "Dein Wille geschehe" sehr empfohlen. Es ist eines der wenigen Führungsbücher, das sich direkt an Unternehmer richtet und deren Herausforderungen als Führungskräfte aufgreift und verarbeitet.
 
Was Unternehmer von guten Chefs unterscheidet
Aber wieso sind Unternehmer nicht automatisch auch gute Chefs? Primär aus drei Gründen. Erstens ist ein Unternehmer etwas anderes als eine Führungskraft und hat damit auch andere Aufgaben, zweitens waren die meisten Unternehmer in ihrem vorherigen Leben selten (gute) Manager und drittens beobachte ich, dass erfolgreiche Unternehmer oft alles selbst tun wollen und dabei mehr Einzelgänger als Teamplayer sind. Von ihrer Grunddisposition her eigenen sie sich damit gerade weniger zum Führen und Coachen im klassischen Sinne. Versuchen sie es trotzdem, geht es nicht selten auf Dauer schief. Oft mit dem Ergebnis, dass das davon betroffene Unternehmen weit unter seinem Potential bleibt oder – im "worst case" – sogar deswegen scheitert.
 
Glücklicherweise wissen wir aber spätestens seit Fredmund Maliks Klassiker "Führen Leisten Leben", dass gutes und richtiges Management und damit auch Führung "bloss" ein Beruf ist, der wie jeder andere erlernt werden kann. Unabdingbare Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Lernende bereit ist, sich selbst und seine Überzeugungen zu reflektieren und nötigenfalls auch zu ändern und sich dabei aktiv zu entwickeln.
 
Gerade für Unternehmer, die fest und unverrückbar an ihre Sache glauben müssen, ist das ein hartes Brot. Viele scheitern daran. Fällt ihnen die Transformation hingegen einfach, dann ist das gelegentlich ein Zeichen dafür, dass sie als Manager mehr taugen denn als Unternehmer.
 
Glücklicherweise gibt es für Unternehmer noch eine zweite Lösung für das Etablieren guter Führung in ihrem Unternehmen. Sind Sie kein Naturtalent und wollen Sie es auch nicht selbst lernen, so schlage ich vor, Sie engagieren einen guten externen Chef und lassen diesen führen.
 
Erfahrungsgemäss wäre dies in vielen Fällen ohnehin die beste Lösung. Denn dann könnte sich jeder im Unternehmen auf das konzentrieren, was er am besten kann. Der Unternehmer auf seine Vision und Strategie, der externe Manager auf gute und richtige Führung und die Fachspezialisten auf einen guten Job. Allerdings höre ich schon das Killerargument gegen meinen Vorschlag: "Ein externer Manager ist viel zu teuer, der rechnet sich bei uns nie". Das mag für Kleinstunternehmen so sein, spätestens ab 15 bis 20 Mitarbeitern stimmt es aber nicht mehr. Denn die Wachstumsgrenze infolge schlechter Führung kommt immer irgendwann. Beim einen früher, beim anderen etwas später. Aber sie kommt mit Sicherheit.
 
Natürlich muss auch der externe Manager geführt werden. Und zwar direkt vom Unternehmer selbst. Allerdings wird ein guter Manager gegenüber schlechter Führung wesentlich resistenter sein (müssen) als der Rest des Teams. (Urs Prantl)
 
Urs Prantl (55) arbeitete über 20 Jahre als Softwareunternehmer. Mit seiner Mission „wir kreieren zukunftssichere Unternehmen“ begleitet er als Strategiementor seit Ende 2011 KMU-Unternehmer aus der ICT auf ihrem Weg in eine selbstbestimmte und erfolgreiche unternehmerische Zukunft. Er äussert als Kolumnist für inside-channels.ch seine persönliche Meinung.