Infomaniak will den Deutschschweizer Markt aufmischen

Der Deutschschweizer Hosting-Markt steht vor einer Konsolidierungswelle. Und der Genfer Hoster Infomaniak will der Konsolidierer sein.
 
"Wir sind erstaunt, wieviele Hoster es in der deutschen Schweiz noch gibt", so Infomaniak-Gründer Boris Siegenthaler zu inside-channels.ch. Er und sein COO Marc Oehler sind überzeugt, dass es zu einer heftigen Konsolidierung unter den Deutschschweizer Hostern kommen wird. Und dass Infomaniak, so wie es in der Romandie bereits passiert ist, mit nur noch wenigen Konkurrenten übrig bleiben wird.
 
Dabei seien nicht etwa die heftigen Preiskämpfe unter den Hyperscalern die Treiber, so Siegenthaler. Vielmehr würde viele den Wettkampf auf technischer Ebene nicht mehr mithalten können. Dass Siegenthaler dies so sieht, ist klar, denn Infomaniak ist eine Ingenieur-getriebene Firma. Der Genfer Hoster beschäftigt nach eigenen Angaben zurzeit 78 Mitarbeitende, wovon mehr als die Hälfte in Forschung und Entwicklung. Alle Produkte, wie etwa Webhosting, E-Mail-Services oder virtuelle Server hat Infomaniak selbst entwickelt. "Unsere Newsletter-Lösung ist eine sehr gute Alternative zu MailChimp und sehr erfolgreich", so Siegenthaler. Die Expansion ist gemäss Siegenthaler eigenfinanziert. Infomaniak wird im laufenden Jahr rund 19,5 Millionen Franken umsetzen.
 
Nun will Infomaniak in die Offensive und weitere 40 (!) Entwickler anstellen, teilen die äusserst selbstbewussten Genfer mit. Seit März 2017 konzentriert sich Siegenthaler auf die Entwicklung von neuen Produkten und die Expansion in neue Märkte. Marc Oehler, der vor 14 Jahren als Supporter bei Infomaniak begonnen hat, leitet als COO das operative Geschäft.
 
Niederlassung in Zürich?
Um im Deutschweizer Markt rasch expandieren zu können, überlegt sich Siegenthaler auch eine Niederlassung in der Deutschschweiz. Es sei schwierig, Supporter mit Schweizerdeutsch als Muttersprache in Genf zu finden, so der welsche Internet-Unternehmer.
 
Seitdem Switch.ch Domainnamen nicht mehr direkt verkauft, sie die Nachfrage aus der deutschen Schweiz stark gestiegen, so Marc Ohler in einem Telefonat mit inside-channels.ch. Die wichtigsten Kunden von Infomaniak sind Web-Entwickler, die die Seiten ihrer Kunden bei den Genfern betreiben.
 
Dropbox-Alternative aus Genf
Die 40 zusätzlichen Entwickler sollen neue Cloud-Services (PaaS, IaaS) für KMU und Webentwickler aufbauen. Zudem sollen sie helfen, eine Schweizer Alternative zu Dropbox fertig zu bauen. Infomaniak reagiere damit auf Nachfrage aus Belgien, Frankreich und der Romandie – und eben der Deutschschweiz, so Siegenthaler. Die Konkurrenz durch Swisscom, die seit längerem ein Dropbox-Konkurrenzprodukt anbietet, fürchtet der Infomaniak-Chef nicht. "Swisscom war nie wirklich am Hosting-Geschäft interessiert." (hc)