"Jetzt wollen wir zeigen, was wir können"

Nach der Keynote am Cisco Partner Summit 2017. Foto: hc
Der Netzwerk-Hersteller in der Multicloud-Welt. Ciscos Cloud-Stratege Fabio Gori im Gespräch.
 
Was macht ein Netzwerk-Hardware-Hersteller wie Cisco, wenn Netzwerke vornehmlich aus Software bestehen und Anwender Rechenleistung und Speicher aus den Clouds der Hyperscaler beziehen? Cisco hatte in den letzten Jahren sichtbar Mühe, eine kohärente Cloud-Strategie zu entwickeln. 2014 lancierte der Hersteller "Intercloud" als "Cloud der Clouds". Das Projekt lebte aber nur bis Ende 2016. Seither spricht Cisco von "Multicloud" und will den Partnern Software zur Verfügung stellen, mit der sie ihren Kunden helfen können, in einer Welt der vielen Clouds zu existieren.
 
Kurz vor dem Partner Summit Anfang November kündigte Cisco eine enge Partnerschaft mit Google an. Cisco-Chef Chuck Robbins holte am Partner Summit in Dallas im November Diane Greene von Google auf die Bühne und versuchte so, etwas "Tech-Glamour" ins dröge Dallas zu holen. Greene ist Mitgründerin von VMware und Mitglied des Verwaltungsrats von Google.
 
Ist damit die Cloud-Strategie von Cisco gebacken? Wir haben die Gelegenheit genutzt und uns an Ciscos Partner Summit in Dallas mit Fabio Gori, der als Head of Cloud Marketing bei Cisco die Strategie mitverantwortet, exklusiv unterhalten.
 
Cisco hat die Cloud-Strategie mehrmals geändert. Intercloud wurde eingestellt und jetzt die Partnerschaft mit Google angekündigt. Aber Google ist ja nur ein Player von vielen. Was ist die Cloud-Strategie von Cisco?
 
Fabio Gori: Für die Antwort müssen wir etwas zurück schauen. Cisco ist nur dann erfolgreich, wenn wir uns an der Nachfrage orientieren. Wir entwickeln Lösungen entsprechend der Nachfrage und bringen sie mit den Partnern auf den Markt.
 
Wir hatten mit Intercloud keinen Erfolg, weil wir nicht von der Nachfrage, sondern vom Angebot ausgingen. Während wir Intercloud entwickelten, hat sich der Markt verändert und die Gewinner haben sich herauskristallisiert. Die Hyperscaler entwickelten rasch eigene Technologie. Sie waren schneller als zum Beispiel die Open-Stack-Community. Als wir mit Intercloud begannen, dachte jedermann noch, Open Stack sei das nächste "big thing".
 
Im letzten Jahr haben wir intensiv, aber unter dem Radar der Öffentlichkeit daran gearbeitet, die Bedürfnisse der Kunden zu analysieren. Wir hatten hunderte von Meetings, machten Umfragen und vieles mehr.
 
Die Resultate dieser Arbeit sind klar: Fast alle Kunden wollen verschiedene Clouds benützen. Dies weil "one size fits all" eben nicht gilt. Unsere Kunden wollen von uns vier Dinge: Netzwerke, Security, Analytics und Management. Und zwar für alle Umgebungen, in denen Kunden arbeiten. Der Grund ist einfach. Die Hyperscaler können ihren Kunden immer nur bezüglich der eigenen Cloud helfen.
 
In den letzten Monaten hat Cisco eine ganze Reihe von Übernahmen getätigt, um die Bedürfnisse der Kunden zu decken. Es gab grössere Firmenkäufe im Security-Umfeld und wir haben OpenDNS übernommen, das nun Umbrella genannt wird. Weiter akquirierten wir CloudLock für SaaS-Application-Security, Viptela für Cloud-Reporting und AppDynamics. Nun haben wir die zugekauften Assets zusammengefügt und daraus unser Multi-Cloud-Portfolio entwickelt.
 
Ob On-Premise-Infrastruktur, Hybrid-Cloud oder Private Clouds: Wir können nun immer die gleiche Technologie einsetzen.
 
Die Anwender haben heute das Problem, dass ihre Applikationen in verschiedenen Clouds betrieben werden und interoperabel bleiben oder werden sollen. Cisco hat für diese zentralen Aufgaben keine Lösungen. Oder täusche ich mich?
 
Fabio Gori: Sie sprechen ein wichtiges Thema an. Es war für Kunden wie auch für Partner sehr schwierig, herauszufinden, wie Cisco und unser riesiges Portfolio helfen kann. Wir konnten unser Portfolio nicht deutlich erklären. Jetzt wollen wir zeigen, was wir können. Wenn der Kunde zum Beispiel in eine AWS-Cloud geht, können wir einen Cloud-Service-Router anbieten, der identisch zur Vor-Ort-Routing-Plattform des Kunden ist. Man braucht also nichts mehr zu ändern, um in eine Cloud zu gehen.
 
Und wir können integrierte, homogene Lösungen für Threat-Protection bieten. Und mit Cloudcenter können unsere Kunden den Lifecycle ihrer Applikationen in der Cloud oder on-premise managen.
 
Wir können nun unsere Technologien direkt in die Angebote von Cloud-Providern, zum Beispiel Google, integrieren. Daraus wird eine ausgereifte Lösung.
 
Warum stellt Cisco hier am Partner Summit in Dallas die Partnerschaft mit Google so sehr ins Rampenlicht? Google ist ja nur einer der Hyperscaler und auch nicht die Nummer eins oder zwei.
 
Fabio Gori: Wir müssen natürlich mit allen grossen Cloud-Providern zusammenarbeiten. Unsere Kunden sprechen über AWS, Azure, Google und in China auch über Alibaba. Wir arbeiten sehr viel mit AWS zusammen und brachten die Amazon-Leute hier auch auf die Bühne. Und natürlich verkaufen wir auch den Microsoft Azure Stack. Dass wir die Partnerschaft mit Google hier am Partner Summit hervorheben, hat damit zu tun, dass sie neu ist.
 
Also will Cisco ähnliche Partnerschaften mit allen Cloud-Providern?
 
Fabio Gori: Ja. Die Partnerschaft mit Google ist für uns vorbildlich. Wir können das Beste aus der Entwicklung für Public Clouds in die On-Premise-Welt nehmen. Wir können homogene, auf Kubernetes aufbauende Umgebungen bauen. Wir glauben, das ist ein besseres Modell, als zu versuchen, einen Enterprise-Software-Stack in eine Cloud zu bringen.
 
Also sollen Cisco-Partner die Google-Cloud-Lösungen nehmen und damit eigene Lösungen bauen?
 
Fabio Gori: Unsere Partner machen mehr und mehr Umsatz mit eigenen Lösungen. Sie entwickeln sich von Resellern, die Produkte verkauften und daraus Service-Business generierten, zu Herstellern von eigenen Produkten. Dafür gibt es die APIs, die wir zur Verfügung stellen.
 
Cisco betont, die neue Welt sei eine Multi-Cloud-Welt. Aber ist Cisco auch in der Lage, den Partnern all die unterschiedlichen Technologien zu vermitteln?
 
Fabio Gori: Kunden benützen verschiedene Cloud-Services, weil die Clouds unterschiedliche Stärken haben. Sie benützen die Google-Cloud, wenn es um Machine Learning geht, in anderen Fällen nutzen sie Azure oder AWS, wenn sie Alexa einsetzen wollen. Wir wollen es einfacher machen, diese Clouds einzusetzen. Und wir wollen dafür sorgen, dass wenigstens das Networking mit jeder dieser Clouds auf die gleiche Art funktioniert. Das gleiche gilt für Security, Analytics und Management.
 
Wir versuchen auch nicht, unsere Partner selbst auszubilden, sondern bilden Partnerschaften mit den Webscalern. Gestern ist zum Beispiel ein Team von AWS hier am Partner Summit aufgetreten. Unsere Partner sprechen ganz unterschiedliche Branchen an. Unsere Technologie hingegen ist nicht branchenspezifisch. Die Partner nehmen sie und bauen Lösungen für die Branchen, die sie ansprechen. Ich denke, unsere Partner wollen ein Framework, das sie für alle Clouds benützen können.
 
Welche Rolle wird Cisco in drei Jahren im Cloud-Business spielen?
 
Fabio Gori: Jetzt kommt die Zeit, in der wir unsere Strategie umsetzen müssen. Wir haben einige Firmen übernommen, nun ist Umsetzung alles. Ausserdem werden wir unser Portfolio weiter ausbauen. Wir werden selbst Software entwickeln und wohl auch Firmen übernehmen.
 
Viele Cisco-Partner versuchen, eigene Clouds zu bauen oder vertrauen auf lokale Cloud-Anbieter. Ich bin aber nicht sicher, ob diese nicht früher oder später von den Hyperscalern erdrückt werden. Wie sieht Cisco den Cloud-Markt?
 
Fabio Gori: Die Kunden lagern heute vermehrt Infrastrukturen aus. Man muss nur die Aktienkurse der RZ-Betreiber anschauen, um zu sehen, was läuft. Es gibt das Phänomen Multicloud und rundherum sehr viel Dynamik.
 
Applikations-Entwicklung wird beschleunigt wachsen. Wer die neue Welt der Microservices ernst nimmt, wird konkurrenzfähiger sein als eine Firma, die das nicht tut. Einige Partner werden profitieren, einige nicht. (Das Gespräch führte Christoph Hugenschmidt am Cisco Partner Summit in Dallas.)