Altice verkauft Green für 214 Millionen Franken

Das Rechenzentrum von Green.ch in Lupfig
Erleichterung in Lupfig. Altice-Gruppe verkauft Green an französische Beteiligungsgesellschaft, die auf langfristiges Infrastruktur-Business spezialisiert ist.
 
Man hat es kommen sehen: Die französische Telekommunikations- und Kabel-TV-Gruppe Altice vekauft den Schweizer RZ-Betreiber und Internet-Provider Green. Altice musste unlängst schlechte Zahlen verkünden, der Aktienkurs stürzte ab und Firmengründer Patrick Drahi wechselte das Top-Management aus. Ausserdem ist Altice nach einer jahrelangen Übernahmekampagne hoch verschuldet.
 
Green.ch geht für 214 Millionen Franken an die französische Beteiligungsfirma InfraVia Capital Partners. InfraVia ist auf langfristige Beteiligungen an Infrastrukturfirmen spezialisiert. Green.ch passt damit besser zu InfraVia als zu Altice, wo der Aargauer RZ-Betreiber immer etwas ein Fremdkörper war. Der Deal soll "early 2018" abgeschlossen werden.
 
InfraVia hat insgesamt Beteiligungen im Wert von 1,7 Milliarden Euro an 26 Firmen in zehn europäischen Ländern. Die Franzosen besitzen Autobahnen, Stadien, Immobilien, die Metro von Malaga und die Strassenbahn von Nottingham, drei Containerhäfen in Norditalien, Windkraft- und Solaranlagen aber eben auch Rechenzentren.
 
So besitzt InfraVia den RZ-Bauer und -Betreiber Etix Everywhere. Etix bietet Colocation in den USA, Europa und Afrika an und nennt Kunden wie Atos und Societe Generale.
 
Altice-Besitzer Patrick Drahi hat in den letzten Jahren mit gepumptem Geld unter anderem den französischen Mobilfunkprovider SRF gekauft und kündigte vor wenigen Tagen an, er wolle den US-Kabelkonzern Cablevision für 18 Milliarden Dollar übernehmen. Ausserdem munkelt man seit Jahren in der Branche, Drahi habe Green.ch ursprünglich nur übernommen, weil er glaubte, er könne auch Sunrise seinem Konzern einverleiben. Als dies nicht gelang, habe er das Interesse an Green.ch verloren.
 
Erleichterung in Lupfig: Neuer Besitzer ist auf langfristige Investitionen spezialisiert
In Lupfig ist man erleichtert. Wie Green-Sprecherin Susanne Felice zu inside-channels.ch sagte, seien aktuell bei Green.ch keine Veränderungen geplant. Das Management mit Frank Boller an der Spitze bleibt gemäss Felice an Bord.
 
Felice: "Wir haben eine Wachstumsstrategie. Für uns ist der Verkauf von Green an InfraVia positiv." In der Tat ist InfraVia als Besitzer von langlebigen Infrastrukturen wie Häfen, Windkraftanlagen und Rechenzentren auf langfristige Investitionen spezialisiert.
 
Auch Green-Verwaltungsratspräsident Franz Grüter, der nicht mehr an Green beteiligt gewesen ist, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur sda, der Verkauf bedeute für Mitarbeiter und Kunden Kontinuität. (hc)

Unser Kommentar:

Bei jeder Übernahme verkündet man routinemässig, für Kunden und Mitarbeitende ändere sich nichts. Meistens stimmt das nicht.
 
Doch im Fall von Green ist die Aussage, man werte den Verkauf positiv, glaubwürdig. Ein Infrastruktur-Investor wie InfraVia verfolgt langfristige Strategien. Green.ch dürfte damit für lange Zeit einen stabilen Besitzer haben. Und, dass InfraVia schon einen weltweit operierenden RZ-Betreiber besitzt, könnte sich für Green zum Vorteil entwickeln.
 
Allerdings dürfte der Kaufpreis von 214 Millionen Franken den Druck auf das Green-Management, für konstant hohe Erträge zu sorgen, nicht verkleinern. Gemäss Altice hat Green in den letzten 12 Monaten einen EBITDA (Gewinn vor Steuern, Abschreibungen, Zinsen und Amortisationen) von knapp zehn Prozent des Kaufpreises, also rund 20 Millionen Franken erzielt. (Christoph Hugenschmidt)