ETHs wollen Schweizer Firmen auf die Data-Science-Sprünge helfen

ETH, EPFL und der Maschinenbauer Bühler erklären, wie Schweizer Firmen das SDSC nützen können.
 
Das Swiss Data Science Center (SDSC) wurde nicht von heute auf morgen geboren. Wie Martin Vetterli, Präsident der ETH Lausanne an einer Veranstaltung in Bern ausführte, begannen die Vorarbeiten vor rund vier Jahren. Im Februar wurde dann der "offizielle Startschuss" gegeben. Was damals allerdings in den Medienberichten noch etwas unterging: Das Joint Venture zwischen der ETH Zürich und der ETH Lausanne soll nicht nur die Kommunikation und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den beiden Hochschulen fördern. Eine seiner Hauptmissionen ist es, den Know-how-Transfer in Sachen Data Science von der akademischen Welt in die Schweizer Privatwirtschaft zu fördern, wie Vetterli betonte.
 
Das Interesse in der Schweizer Industrie an Inputs aus der akademischen Welt sei eigentlich gross, so Lino Guzzella, Präsident der ETH Zürich. Das zeigten auch die rund 140 Vertreter von 45 Unternehmen, die an der Veranstaltung "SDSC-CONNECT: Empowering Industry" in Bern anwesend waren.
 
Vom Zufallskontakt zur einheitlichen Anlaufstation
Bisher seien die Kontakte aber von einer "gewissen Zufälligkeit" geprägt gewesen, so Guzzella. Das SDSC soll nun eine neue, einheitliche Kontaktstelle schaffen. Dabei soll es zudem nicht nur um Kontakte und Wissenstransfer zwischen einzelnen Unternehmen und den ETHs gehen, auch die Firmen selbst sollen sich untereinander austauschen können. Denn ein Phänomen, dass den Fortschritt auf dem Gebiet der Datenwissenschaft – und damit den Fortschritt in der Digitalisierung insgesamt – ausbremst, sei die sogar eher zunehmende Isolation der Akteure, die auf dem Gebiet arbeiten. Alle werkeln in ihren Silos und haben keine Ahnung, was andere bereits herausgefunden haben. Salopp zusammengefasst: Der Fortschritt werde durch die immer wiederkehrende Neuerfindung des Rads behindert.
 
Ambitionierte Softwareplattform
Das SDSC soll nun Unternehmen eine Chance bieten, aus ihrer Isolation auszubrechen. Eine wichtige Grundlage ist dabei die äusserst spannende, von den beiden ETHs entwickelte Kollaborationsplattform "Renga". Mehr dazu, was Renga kann, ist und dereinst sein soll, werden wir in einem späteren Artikel berichten.
 
Was ist eigentlich "Data Science"? Einfach gesagt: Man hat Daten. Man glaubt, dass in diesen Daten eine wichtige Information steckt. Nun muss man versuchen, diese Information auch herauszufiltern. Beziehungsweise wie es Wikipedia formuliert, aus Daten Wissen gewinnen. Dazu verwendet man Methoden aus der Mathematik, der Statistik und anderen wissenschaftlichen Disziplinen.
 
"Aus Daten Wissen gewinnen" ist aber oft leichter gesagt als getan. Spezialisten auf dem Gebiet sind zudem ein rares Gut, und bei Unternehmen hoch begehrt. Und trotzdem sei Datenanalyse ein Knackpunkt bei der Digitalisierung, wie Ian Roberts, CTO der Bühler Group, erklärte. Das weltweit tätige Schweizer Maschinenbauunternehmen ist sozusagen einer der "Pionierkunden" des SDSC, und hat sich schon bei einigen konkreten Digitalisierungsprojekten durch Inputs des SDSC helfen lassen.
 
Das frühere Businessmodell eines Maschinenbauers sei eigentlich sehr gemütlich gewesen, scherzte Roberts. Man habe ein paar Tonnen Metall in eine Maschine umgewandelt, diese geliefert und dafür Geld gekriegt. Für Bühler gehe es heute aber darum, seine Maschinen mit "Data Driven Services" zu ergänzen. Und nach der Sammlung der Daten, zum Beispiel durch Sensoren und ihrer Übertragung, ermögliche erst eine geeignete Datenanalyse die Schaffung eines Businessmodells. Genau dies sei der Punkt, wo ein Mehrwert geschaffen werden könne. Und ein Schweizer Maschinenbauer sei auf eben diesen Mehrwert angewiesen, um heute seine Produkte noch verkaufen zu können. (Hans Jörg Maron)