SBB und Post preschen bereits jetzt mit neuer E-ID voran

Kurz bevor ab 2018 ein neues Konsortium die SwissID pushen wird, kauft die SBB noch eine E-ID-Lösung ein.
 
Erst vor zwei Tagen wurde der Aufbau einer neuen Schweizer E-ID verkündet. Sie heisst SwissID und soll ab 2018 mit einem hohen Millionenbetrag (weiter-) entwickelt werden. Die Federführung liegt dann bei einem Konsortium von neun Unternehmen, die die SwissSign Group AG bilden werden. In die Gruppe wird unter anderem das heutige Post- und SBB-Unternehmen SwissSign AG überführt und dessen heutiger Chef, Markus Naef, wird ab 2018 auch das neue Unternehmen führen.
 
Gestern dann eine auf den ersten Blick als Überraschung erscheinende Auftragsvergabe. Die SBB publizierte auf Simap die freihändige Vergabe eines Auftrags an die SwissSign AG für einen "digital gesicherten Identitätsnachweis gemäss Geldwäschereigesetz (GwG) und digitale Authentifizierung".

Es handelt sich also um eine E-ID-Lösung, in deren Entwicklung ab nächstem Jahr dann via SwissSign Group ohnehin bis zu 100 Millionen Franken fliessen sollen. Hat also die SBB kurz vor dem Start des neuen Konsortiums noch eine veraltete E-ID-Version bei der hauseigenen Tochter eingekauft?
 
Die Frage drängt sich auf, zumal SBB-Pressesprecher Daniele Pallecchi auf Anfrage von inside-it.ch den Freihänder ohne Preisangabe damit begründet, dass als Anbieter allein SwissSign AG zur Verfügung gestanden sei.
 
Die SBB betont, dass es sich um eine moderne Lösung handelt, die erst seit kurzem von der Post in einem produktiven Pilot getestet wird. Ein Preis wird nicht genannt. Das bestätigt auch Naef, der auf Anfrage erklärt, die Frage sei falsch gestellt. Denn der Auftrag umfasse bereits eine State-of-the-Art-Lösung, die seit drei Wochen schon bei der Post in einem kleineren Pilotprojekt getestet werde.
 
Ab Januar 2018 beginne dann die Skalierung auf immer mehr Anwender, so dass diese E-ID voraussichtlich im dritten Quartal des nächsten Jahres für potentiell 1,8 Millionen Nutzer verfügbar sei und auch bei der SBB ausgerollt werden könne.
 
Die geplanten Investitionen des neuen Konsortiums hingegen würden in Weiterentwicklungen und neue Funktionalitäten der SwissID fliessen, so Naef. Neben einer mobilen ID- und einer Fingerprint-Variante verweist er insbesondere auf die hohen (Sicherheits-)Anforderungen und speziellen Bedürfnissen der Banken und Versicherungen, die künftig Teil der SwissSign Group sein werden.

Der SBB-Sprecher ergänzt, dass der jetzt vergebene Auftrag bereits künftige Anforderungen der SwissID wie den Identitätsnachweis gemäss Geldwäschereigesetz erfülle. Konkret würden damit etwa die rund zwei Millionen SwissPass-Besitzer in die Lage versetzt, sich sicher digital zu identifizieren und authentifizieren. Die SBB mit ihren vielen Kundenkontaktpunkten biete nach der Einführung seinen Karten-Nutzern die Möglichkeit, freiwillig eine E-ID auch über die SBB-Grenzen hinaus zu nutzen. (vri)