Digitalisierung zum Anfassen soll der Bevölkerung die Ängste nehmen

Informatik-Professor und inside-it.ch-Kolumnist Abraham Bernstein erklärt im HB Zürich die Digitalisierung.
Am ersten nationalen Digitaltag werben Bundesräte, Konzerne und Promis für die Chancen der Digitalisierung.
 
Das Virtuelle fassbar machen und die Chancen der Digitalisierung kennenlernen können – das sind die Ziele des ersten Digitaltages, der schweizweit durchgeführt wird. Die Initianten wollen der Bevölkerung damit die Angst vor der Digitalisierung nehmen.
 
"Der Digitaltag ist ein Schulterschluss, den es in Europa so noch nicht gegeben hat", sagte Marc Walder, Ringier-CEO und Initiant der umtriebigen Standortinitiative Digitalswitzerland während der Fahrt eines "Digitalzugs" von Bern nach Zürich. Dieser brachte Bundespräsidentin Doris Leuthard sowie zahlreiche Chefs von Unternehmen und Vertreter von Organisationen nach Zürich zur Eröffnung des Digitaltages. In allen Landesteilen erhält die Bevölkerung einen Einblick in den Stand und die Zukunft der Digitalisierung.
 
Der Wunsch nach einem solchen Tag geht auf die Bundespräsidentin zurück. "Sie hat gewünscht, dass wir etwas für die Bevölkerung machen, damit die Ängste – die zweifellos vorhanden sind – thematisiert werden", sagte Walder.
 
Ängste bestehen tatsächlich. Es besteht beispielsweise die Gefahr, dass sich eine Zweiklassengesellschaft aus Gewinnern und Verlierern herausbildet. Bundespräsidentin Doris Leuthard gibt zu: "Es ist klar, dass es Unternehmen geben wird, die verschwinden oder sich stark verändern müssen. Es ist dann in der Verantwortung der grossen Firmen, dass sie für die kleineren einstehen. Die Solidarität wird wichtig sein", sagte sie im Zürcher Hauptbahnhof im Gespräch.
 
Cyber-Illusionist im Zürcher Hauptbahnhof
In Zürich fanden sich bereits vor dem Mittag viele Interessierte ein, die an den verschiedenen Ständen von Unternehmen wie der Swiss, Migros, dem SRF oder PriceWaterhouseCoopers in die digitale Welt eintauchen wollten. Zuvor konnten sie bei der Eröffnung durch Bundespräsidentin Leuthard dem Cyber-Illusionisten Marco Tempest mit seinem "Drohnenballett" zuschauen.
 
Der Anlass wird nicht nur von Bundespräsidentin Doris Leuthard patroniert, sondern auch von den Bundesräten Schneider-Ammann und Alain Berset.
 
Organisiert wurde der Tag von vierzig Unternehmen, die Einblick in den Stand ihrer digitalen Entwicklungen ermöglichen und von Digitalswitzerland. Bei den Unternehmen handelt es primär um Grossfirmen wie die Banken oder die Post, aber auch diverse Hochschulen und einzelne Kantons- und Behördenvertreter.
 
Dies im Unterschied zum "Vorbild", den Zürcher Informatiktagen, bei dem Software-Schmieden und Startups, also KMU, ihre Tore öffnen.
 
Während des ganzen Tages liefen im Zürcher HB Interviews, Talks und aufwändige Reportagen. Dabei kamen Konzerne, Politiker, Startups, Künstler wie eine Gewerkschafterin zu Wort. 'SRF' zeichnete die Sendung "Club" auf.
 
Diese Zürcher Auftritte wurden, wie auch die Events in Chur, Genf und im Tessin auch live gestreamt. Ein unsystematischer Blick auf die Einschaltquoten via YouTube zeigte, dass jeweils etwa 2000 Personen den Zürcher Stream im Browser laufen liessen, in Chur rund 30 Interessierte, in der Romandie ein Dutzend und im Tessin vier bis fünf Menschen.
Mit einem Gratiskonzert in Zürich soll der Tag ausklingen. Zu den Besucherzahlen an diesem normalen Arbeitstag oder den Kosten des ersten Digitaltages war bis Redaktionsschluss nichts bekannt.
 
Der Publikumsanlass folgte einen Tag nach einer grossen Konferenz Digitale Schweiz, bei der geladene Gäste die Digitalisierung in der Schweiz debattierten. (mag/sda)
 
~Update: Laut Medienmitteilung von Digitalswitzerland, die nach Redaktionsschluss eintraf, haben über 150’000 Personen vor Ort die Digitalisierung "erlebt". "Mindestens ebensoviele haben den Tag digital miterlebt."