Jetzt aber: Allianz für E-ID in der Schweiz steht

Das SwissID Ökosystem der neuen Swiss Sign Group. (Source: SwissSign)
Staatsnahe Betriebe, Banken und Versicherungen wollen gemeinsam eine rechtsgültige E-ID entwickeln, anbieten und betreiben. Ein weiteres Konzept kommt von der Swiss Data Alliance.
 
Im Rahmen des nationalen Digitaltags sassen heute die CEO grosser Schweizer Firmen an einem Tisch im Au Premier am Hauptbahnhof Zürich. Es handelte sich um die Chefs der staatsnahen Betriebe Post, SBB und Swisscom, der Banken Credit Suisse, Raiffeisen, UBS, ZKB, des Infrastrukturbetreibers SIX sowie der Versicherung Mobiliar. Sie sprechen von "Durchbruch", "Meilenstein" und "Quantensprung". Der Grund: Gemeinsam wollen die Unternehmen eine Schweizer E-ID aufbauen. Sie haben nach "intensiven Verhandlungen" gestern ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, das die Gründung eines gemeinsamen Unternehmens zum Ziel hat.
 
Das neue Unternehmen, die Swiss Sign Group AG, soll Anfang 2018 gegründet werden. Die Tätigkeiten der heutigen SwissSign AG, ein Joint Venture von Post und SBB, werden in die neue Gruppe überführt. Das neue Unternehmen soll digitale Identitäten ausstellen und eine nationale wie auch internationale Verwendung dieser ermöglichen, wie Post-CEO Susanne Ruoff an der Medienkonferenz erklärt.
 
Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe geplant
"Together we go further", glaubt SwissSign-CEO Markus Naef, der auch designierter CEO des neuen Unternehmens ist. Gemeinsam habe man das nötige Know-how und könne für eine weite Verbreitung der SwissID sorgen.
 
Die neue AG ist zu 45 Prozent in den Händen der staatsnahen Betriebe, weitere 45 Prozent liegen bei den Banken inklusive SIX und zehn Prozent Aktienanteile bei der Mobiliar-Versicherung. Gemeinsam investiere man einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in das Vorhaben. Die Beteiligten betonen aber, dass keine Gewinnabsichten dahinter stünden. Eine weit verbreitete E-ID sei die Grundlage für die Digitalisierung der Schweiz. Der Aufbau einer SwissID sei mit dem Bau einer Autobahn zu vergleichen, so UBS-Schweiz-Chef Lukas Gähwiler. Es handle sich um grosse Investitionen, diese seien aber notwendig und das Ergebnis treibe die Volkswirtschaft an.
 
Für die Anwender soll das System kostenlos sein. Den Relying Parties, also etwa einem Onlineshop oder auch einer Bundesbehörde, werde ein gewisser Betrag in Rechnung gestellt, um eine Authentifizierung via SwissID zu ermöglichen.
 
Wie die Firmenchefs an der Pressekonferenz immer wieder betonen, soll das System einfach anzuwenden sein. Die Usability ist wohl einer der Knackpunkte für eine weite Verbreitung.
 
Man sei auch in engem Austausch mit dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) gestanden und lasse seinen Input einfliessen. Die Daten bleiben in der Schweiz und die Anwender sollen jederzeit wissen, wer welche Daten wann und für was verwendet, führt Ruoff aus.
 
Private Herausgeber, staatliche Hoheit
Vor rund einer Woche hat sich der Bundesrat dafür ausgesprochen,
So stellt sich die Swiss Data Alliance die Struktur einer Schweizerischen E-ID vor. (Source: Swiss Data Alliance)
dass eine elektronische ID nicht von einer staatlichen Stelle, sondern von anerkannten privaten Anbietern herausgegeben werden soll. Auch wenn der Staat nicht Herausgeber der Schweizer E-ID ist, kommt ihm eine wichtige Rolle zu. Der Bund definiert nicht nur die rechtlichen Rahmenbedingungen. Er zertifiziert auch die Herausgeber und überwacht das E-ID-System. Darüber hinaus sollen Bund, Kantone und Gemeinden als Leistungsanbieter zur Nutzung der digitalen Identität anregen.
 
Das Gesetz über die Schweizer E-ID soll etwa 2019 oder 2020 in Kraft treten. Swiss Sign Group erwartet, dann entsprechend staatlich zertifiziert zu werden. Aber auch bis es soweit ist, könne die E-ID für verschiedenen Online- oder E-Government-Dienste genutzt werden.
 
Post-Kunden sind die ersten, die die SwissID erhalten. Erste Kunden werden jetzt migriert, sagt Ruoff. "Wir sind überzeugt, dass die SwissID sich gut etablieren wird." Auch über zwei Millionen SBB-Kunden sollen auf die neue ID migriert werden.
 
Unterstützung gibt es von der Swiss Data Alliance
In einer separaten Mitteilung begrüsst der überparteiliche Think Tank Swiss Data Alliance den Vorschlag der neun Unternehmen als wichtigen Schritt. Die Entwicklung und flächendeckende Ausbreitung einer staatlich anerkannten digitalen Identität in der Schweiz sei dringend.
 
Die Swiss Data Alliance stellt gleichzeitig ein erweitertes Lösungskonzept für eine E-ID vor. Insbesondere soll damit aufgezeigt werden, wie die Rollen zwischen Staat und Privaten aufgeteilt werden und die Rechte der Nutzer geschützt werden können, schreibt die Allianz.
 
So stellt sich die Data Alliance eine E-ID vor:
Das Konzept beziehe die bisherigen im E-ID-Bereich engagierten privaten Akteure ein, will aber gleichzeitig den Anspruch auf eine rein hoheitliche Identitätsbestätigung.
 
Nach Ansicht der Data-Allianz soll eine staatlich anerkannte digitale Identität in der Schweiz (CH-ID) folgenden Ansprüchen genügen: Sie müsse auf der hoheitlichen Bestätigung der Identität einer Person anhand der Daten in den amtlichen Personenregistern beruhen; Nutzer müssen sie von einem dazu berechtigten Unternehmen oder einem öffentlichen Amt beziehen können; sie soll einfach und sicher für zahlreiche Online-Dienstleistungen in der Schweiz und im Ausland benutzt werden können und insbesondere der Behördenverkehr soll künftig auf Basis der CH-ID abgewickelt werden können; Die CH-ID stelle zudem sicher, dass Personendaten nur unter Einwilligung der betroffenen Person und unter Einhaltung des Datenschutzes weitergegeben werden.
 
Die Empfehlungen der Swiss Data Alliance seien in enger Zusammenarbeit mit Vertretern von Unternehmen wie IBM und UBS, verschiedenen Politikern, dem EDÖB sowie mehreren Beratern, Rechtsexperten und Vertretern von Hochschulen sowie Verbänden wie Swico entstanden. (Katharina Jochum)