Wie gefährlich ist "Smart ICT" für den Channel? (Kommentar)

"Wenn die einen guten Job machen würden, wäre Swisscom ein gefährlicher Konkurrent. Aber das KMU-IT-Business verstehen die nicht, Gottseidank." So ähnlich schilderte mir vor einigen Monaten ein etablierter ICT-KMU-Spezialist sein Verhältnis zu Swisscom.
 
In der Tat: Swisscom experimentiert seit vielen Jahren mit Cloud- und IT-Outsourcing-Angeboten für KMU und hat damit gewiss viele Millionen verbrannt. Wir erinnern uns an die unrühmlichen, aber schön kommunizierten Experimente mit der KMU Business World und dem Nachfolge-Produkt Marketplace, auf dem Swisscom KMUs mit Business-Software-als-Service versorgen wollte.
 
Doch "Smart ICT" ist anders. In dem Produkt stecken Services, die Swisscom gut kann. IP-PBX, Standorte verbinden, Backup-as-a-Service und Connectivity. Ob "Smart ICT" für den auf KMU-Channel gefährlich wird, hängt von der Frage ab, ob es Swisscom gelingt, zusätzliche Services KMU-gerecht zu entwickeln. PCs, Notebooks, LANs und WLANs installieren und managen und vor allem, KMU-gerecht zu agieren.
 
Es gibt einige Hinweise, dass Swisscom nun besser begriffen hat, wie Schweizer Kleinfirmen funktionieren. So ist "Smart ICT" modular. Man kann jene Services herauspicken, die man braucht. Und man kann bestehende Hardware einbringen und so seine Investitionen schützen. Ausserdem scheint Swisscom seine Telefoniepartner sorgfältiger für den Verkauf und Betrieb von "Smart ICT" auszuwählen und zu schulen.
 
Doch noch hat der klassische Channel einige Vorteile. Er hat Branchenkompetenzen und kennt sich mit branchenspezifischen Lösungen aus. Oder hat sogar selbst solche entwickelt. Und er weiss, dass nicht alle KMU Telefonmusik an der Hotline mögen, wenn kritische Infrastruktur den Geist aufgegeben hat.
 
Ob es dem staatsnahen Betrieb gelingt, ICT-Dienstleister, die sich auf bestimmte Branchen oder Geografien spezialisiert haben, an Bord zu holen, wird entscheidend für den Erfolg von "Smart ICT" sein.
 
Bedroht also "Smart ICT" den Channel? Wenn Swisscom alles richtig macht, dann wird "Smart ICT" genauso zur Bedrohung, wie es Microsofts 365-Produkte und die Angebote von Amazon schon lange sind. Microsoft sagt es, Cisco sagt es und Canalys sagt es auch: Reseller, die keine eigene "Intellectual Property" entwickeln, haben ein Problem. Dies wird umso wahrer, je mehr Teile der IT-Infrastruktur (Netzwerk, PCs, Kommunikationsoftware) zur Commodity werden. (Christoph Hugenschmidt)
 
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