Fujitsu auch in der Schweiz auf dem Weg zum Service-Anbieter

Unter dem Titel "Digital Co-Creation" fand die Fujitsu-Hausmesse statt. Der Hersteller fordert vom Channel, sich mit der Cloud neu zu erfinden und beklagt den Preiskampf in der Schweiz.
 
Mit einem klaren Bekenntnis zum Channel und dem Hinweis, dass man sich noch stärker als Service-Anbieter positionieren werde, begrüsste der Schweiz- und Österreich-Chef von Fujitsu, Wilhelm Petersmann, die zur diesjährigen Hausmesse nach München eingeladenen Journalisten. Inzwischen würden bereits rund 60 Prozent des hiesigen Umsatzes mit Services erwirtschaftet, führte er aus. Gleichwohl bleibe das Hardware-Business ein starkes Standbein, zumal man sich nach wie vor als Gesamtlösungsanbieter verstehe. Petersmann betonte aber, dass das Hardware-Business auch weiterhin zur DNA von Fujitsu gehören werde.
 
Gleichwohl sei das gesamte Business erheblich unter Druck, sagte er im Gespräch mit inside-channels.ch. Hierzulande sei man mit rund 200 Mitarbeitern unterwegs, wobei 40 davon Externe sind. Produkt- und Channel-Chef Martin Nussbaumer konkretisierte, dass nahezu der gesamte Produktumsatz über den Channel erwirtschaftet werde. Neben einigen hundert lokalen Partnern arbeite man mit zwölf Schweizer Partnern zusammen, so Nussbaumer. Direkt würde nur etwa eine handvoll Kunden betreut, zumeist im Mainframe-Business.
 
Dem Lenovo-Deal messen beide kaum Bedeutung für die Schweiz zu, zumal man sich aus dem Consumer-Geschäft zurückgezogen habe. Allenfalls könnten die Hardware-Preise etwas sinken.
 
Der Schweizer Channel ist stark in Bewegung
Derzeit sei der hiesige Channel allerdings auch personell stark in Bewegung und insbesondere seien die Preise unter Druck. So könne man steigende Hardware-Preise wie etwa für SSDs, die um 30 Prozent teurer geworden seien, nicht an den Channel weitergeben, und habe weiterhin mit Währungsschwankungen zu kämpfen.
 
Zudem sei man mit neuen Playern im gleich gross bleibenden Markt konfrontiert, die mit aggressiven Preismodellen Marktanteile zu gewinnen versuchten. Weder Nussbaumer noch Petersmann nennen zwar den Namen, doch sprechen sie damit wohl Huawei an. Die Situation sei jedenfalls angespannt und greife laut Petersmann inzwischen auch auf einzelne Bereiche des Service-Geschäftes wie die Managed-Workplaces über.
 
Es verwundert daher nicht, wenn Petersmann sagt, dass man sich bei einzelnen Ausschreibungen inzwischen schon genau überlege, ob es überhaupt noch sinnvoll ist, mit zu offerieren.
 
Gleichwohl, so Petersmann weiter, sei Fujitsu in der Schweiz gut unterwegs. Man habe ein sehr gutes Jahr 2016 hinter sich und werde auch in diesem Jahr wieder über dem Durchschnitt des Konzerns wachsen. Doch während man 2015 mit 26 Prozent und im letzten Jahr mit 35 Prozent bei den Neuabschlüssen noch zweistellig gewachsen sei, erwartet er in diesem Jahr nur ein einstelliges Wachstum. Präzise Umsatz- und Gewinnzahlen für die Schweiz nennt der Konzern allerdings genauso wenig wie Kundennamen. Bekannt ist, dass Fujitsu hierzulande besonders stark im Banken- und Versicherungsumfeld sowie in der öffentlichen Verwaltung unterwegs ist.
 
Der Channel muss sich via Cloud neu erfinden
Um die Margenerosion aufzufangen, ist Fujitsu nicht erst seit heute dabei neue Bereiche zu erschliessen. Zentral am diesjährigen Forum war das Thema IoT und die Open-Stack-basierte Cloud-Plattform K5, die bereits im letzten Jahr angekündigt worden ist. Laut Nussbaumer ist die Virtualisierung inzwischen so weit verbreitet, dass heute die Channel-Partner vor der Aufgabe stünden, sich auf irgendeine Weise als Cloud-Provider neu zu erfinden. Als Beispiele nennt er Security, Support, die Bereitstellung von Rechenleistung oder auch Speicher- oder Backup-Lösungen. Und über die K5 können man ihnen entsprechende Module anbieten, wie er ausführt.
 
Petersmann denkt zudem laut darüber nach, die derzeit in Frankfurt, London, Helsinki und Madrid betriebene K5 gleichsam als verlängerte Werkbank in die Schweiz zu bringen. Dazu werde man zwar sicher kein eigenes Rechenzentrum bauen, aber Colocation-Angebote seien durchaus denkbar, fügt er an. Der Markt frage das nach. Und da Fujitsu zu den Wenigen gehöre, die über eine echte Open-Stack-Basis verfügen, den Provider-Wechsel also sehr einfach mache und entsprechende Edge-Konzepte dafür liefere, sehe man sich diesbezüglich gut aufgestellt.
 
Während Fujitsu am Forum in Sachen IoT den allgemeinen Trend aufnimmt, sieht man in künstlicher Intelligenz (KI) und Quantencomputing die kommenden Hoffnungsträger. Als IoT-Kunde in der Schweiz wurde einmal mehr ein Lebensmittelbelieferer genannt, der in 14 Ländern tätig ist und über die K5 in London seine entsprechende Infrastruktur betreibt.
 
Einen Ausblick in die Zukunft wagte übrigens Fujitsus hauseigener Technikguru: CTO Joseph Reger glaubt, dass in fünf Jahren Quantencomputer soweit sein könnten, dass mittels KI die Grenzen des heutigen Machine-Learning überwunden werden könnten.
 
Jedenfalls lägen erste dafür nötige Algorithmen bereits vor und die Entwicklungen würden auf Hochtouren laufen. Reger hielt auch fest, dass die damit verknüpften Hoffnungen durchaus eintreffen könnten und eine neue technische Ära einläuten könnten. Zurück hielt er sich aber, bei den damit möglicherweise heraufziehenden Auswirkungen, da bewege man sich im Bereich der Philosophie, er sei aber Techniker. (Volker Richert)
 
inside-channels.ch war einen Tag in München und Fujitsu bezahlte den Flug.