Wegen BSI und Generali: Avaloq plant Stellen­abbau

Maximal 60 Stellen werden bei Avaloq Sourcing in Lugano, Nyon und Adliswil abgebaut.
 
Avaloq Sourcing muss Stellen abbauen. Heute Mittwoch informiert der Banken-IT-Dienstleister die Mitarbeitenden und beginnt das bei Massenentlassungen vorgeschriebene Konsultationsverfahren mit der Personalvertretung. Es geht um maximal 60 Stellen, wie Avaloq gegenüber inside-it.ch heute bestätigte.
 
Grund für den geplanten Abbau ist der Wegfall von zwei Grosskunden, heisst es am Avaloq-Hauptsitz in Zürich. Schon im März 2016 gab die Privatbank BSI bekannt, von der Bankenlösung von Avaloq auf die Kernbankenlösung von Temenos zu migrieren. BSI war im Februar 2016 von EFG International übernommen worden. EFG arbeitet mit der Genfer Lösung. Die Migration soll per Ende 2017 abgeschlossen sein. Avaloq Sourcing verliert mit BSI einen wichtigen Outsourcing-Kunden.
 
Zudem wird Avaloq den historischen IT-Outsourcing-Kunden Generali verlieren. Generali wird zum Badener Axpo-Spinoff Avectris wechseln.
 
Bei Avaloq hat man lange geglaubt, man könne den Wegfall des Grosskunden BSI durch den Gewinn von Neukunden völlig kompensieren. Dies war auch die Aussage von Avaloq-Deputy-CEO Jürg Hunziker im Gespräch mit inside-it.ch im letzten Dezember. Weil nun aber auch der IT-Outsourcing-Kunden Generali wegfallen wird, scheint die optimistische Prognose nicht mehr ganz zu halten sein. Avaloq gewinnt aber auch Neukunden, so etwa die Privatbank Edmond de Rothschild sowie die Bank of Asia.
 
Die maximal 60 Stellen, die nun Avaloq Sourcing im Tessin, in Nyon und in Adliswil abbauen will, entsprechen rund sieben Prozent der Arbeitsplätze von Avaloq Sourcing. Bereits diesen Juni wurde bekannt, dass Avaloq Sourcing einzelne Stellen im Tessin abbaut.
 
Hintergrund: BSI, B-Source, Avaloq
Mit dem Wegfall der beiden Grosskunden BSI und Generali nabelt sich Avaloq Sourcing von seiner Geschichte ab. Die heutige Avaloq Sourcing wurde 1995 als B-Source von BSI gegründet. BSI gehörte damals der Versicherungsgruppe Generali. B-Source wollte ursprünglich als Konkurrent von Avaloq eine eigene Banken-Lösung entwickeln, scheiterte aber spektakulär. B-Source gab das Projekt auf und setzte ab 2007 auf Avaloq als Kernbankenlösung.
 
Um selbst im BPO-Geschäft stark zu werden, übernahm Avaloq 2011 51 Prozent von B-Source, 2016 dann auch die restlichen 49 Prozent.
 
Mit dem Verkauf von BSI an EFG wurde klar, dass die einstig enge Verflechtung von BSI, B-Source und Avaloq ein Ende haben würde. (Christoph Hugenschmidt)