FHNW: IT-Abteilungen müssen näher ans Business rücken

In welchen Bereichen sind die befragten Schweizer Firmen wie reif? Grafik: FHNW
Eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz zeigt Schwächen und Stärken der IT von Schweizer Unternehmen.
 
Die Firmen-IT hätte sich von der technikzentrierten Dienstleistungseinheit zum Service-Broker und Business-Partner gewandelt. Damit verändere sich auch die Rolle des CIO vom klassischen IT-Supporter hin zum Unterstützer und Impulsgeber bei digitalen Veränderungen sowie bei der Umsetzung der digitalen Strategie in den Fachbereichen. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Die qualitative Studie beruht auf Daten von Gesprächen mit 57 Schweizer CIOs.
 
Viele firmeninterne Informatik-Bereiche würden in ihrem Kerngeschäft zunehmend unter Kostendruck kommen, da immer mehr Leistungen ausgelagert beziehungsweise aus der Cloud bezogen würden. Wolle die interne IT ihre Existenzberechtigung behalten, müsse sie sich aktiv in die Entwicklung des Business einbringen und sich eng ans dieses binden.
 
Die Kunden in Unternehmen hätten hohe Ansprüche an die IT und würden häufig selber über entsprechendes Wissen verfügen. Dies führe zu einem Risiko der Schatten-IT, wenn die Kunden die IT-Abteilung aufgrund mangelndem Tempo umgehen. Das Problem verschärfte sich zudem, wenn Cloud-Anbieter mit ihren Angeboten direkt an die Geschäftsführung gelangen.
 
Ergo führt laut FHNW kein Weg an der Transformation der Unternehmens-IT vorbei. Die Stichworte dafür lauten: Agilität, Innovationsfähigkeit und Einfachheit. Die Handlungsdevise dürfe entsprechend nicht mehr "Plan-Build-Run" lauten, sondern "Innovate-Design-Transform". Konkreter heisst dies, schnell neue Geschäftsideen mitzuentwickeln, schnell Ideen in Konzepte für Lösungen umzuwandeln und zu realisieren sowie die Firmen zur Anwendung neuer Ideen zu bewegen. Bei der digitalen Transformation sei es wichtig, sich nicht auf einzelne Projekte zu konzentrieren, sondern eine einheitliche und unternehmensweite Strategie zu entwickeln in der die IT eine zentrale Rolle spielt.
 
Cloud-Orientierung und Reife der Firmen-IT
Die Studienteilnehmer gaben zu grossen Teilen zu Protokoll, dass wesentliche Punkte der Forderungen bereits in Umsetzung begriffen oder schon umgesetzt sind. So sagte die Mehrheit der befragten IT-Chefs, dass sie in die Skills ihrer Mitarbeiter investieren würden, damit diese das Business besser unterstützen könnten; eine Kompetenz, die immer wichtiger zu werden scheint. Zudem ist in der Mehrheit der Unternehmen die IT in enger Zusammenarbeit mit dem Business verantwortlich für die Definition der Anforderungen sowie die Auswahl und Integration der Services. Wenig verbreitet sind allerdings agile Organisationsstrukturen.
 
Etwa die Hälfte der Unternehmen hat laut Studie eine definierte und umgesetzte IT-Strategie, die von der Geschäftsstrategie abgeleitet wird – die Mehrheit davon hat eine Cloud-Strategie oder ist zumindest dabei, eine zu entwickeln. Die Ergebnisse zeigen auch deutlich, dass die Reife der Unternehmens-IT stark mit der Cloud-Reife der Firmen zusammenhängt. Dies ist wenig erstaunlich, spielen doch bei der Transformation der Firmen-IT Cloudservices eine zentrale Rolle. Unternehmen mit einer hohen Reife in Sachen Cloud, also Unternehmen, welche Cloud als geeignetes Instrument für die Digitalisierung erachten, kennzeichnen sich durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Business und Unternehmens-IT, so die FHNW.
 
Die Gründe für den Cloudeinsatz bei Schweizer Unternehmen gehen dann auch über Kostenersparnisse hinaus. Vielmehr soll auf den Kunden fokussiert werden sowie neue Businessmodelle und eine agilere IT geschaffen werden. Dies gilt vor allem für Unternehmen, in denen die Digitalisierung von der Geschäftsleitung aktiv gefördert wird.
 
Cloud-Reife: Viele "Erfahrene" und "Optimierer"
Generell sieht es laut Studie in Sachen Cloud in Schweizer Firmen nicht schlecht aus: Mehr als 50 Prozent der Firmen gehören in die beiden besten Kategorien "Erfahrene" und "Optimierer" bei der Cloud-Anwendung. "Erfahrene" verfolgen eine klare Cloud-First-Strategie, während sich die "Optimierer" bereits um die Optimierung und Erweiterung der aktuellen Cloud-Nutzung kümmern. Lediglich 18 Prozent sind "Interessierte" und damit in der schlechtesten Kategorie zu finden, also bei jenen, die erst einzelne Dienstleistungen aus der Cloud beziehen und erste Erfahrungen sammeln. Sowohl bei den kleinen wie bei den ganz grossen Unternehmen ist der Anteil der "Erfahrenen" und der "Optimierer" bei 65 Prozent. Nur die mittleren Unternehmen hinken hier hinterher, so konnten sich nur 35 Prozent von ihnen in diesen Kategorien platzieren.
 
Für die Studie wurden von Ende 2016 bis Juli 2017 57 Schweizer CIOs aus unterschiedlichen Branchen und allen Unternehmensgrössen befragt, wobei fast die Hälfte der Firmen der Befragten über 1000 Angestellte beschäftigen. Die Teilnehmer konnten jeweils auf Fragen aus vorformulierten Kommentaren jenen auswählen, der ihnen am besten entsprach.
 
Der Studienbericht mit vielen Details kann gegen Angabe einer E-Mail-Adresse bestellt werden. (ts)