Ist es wichtig, die "Nummer 1" zu sein?

Es gibt wohl keinen anderen Event, an dem die Chefs von Dell EMC, HPE, Lenovo und HP im Viertelstundentakt und nacheinander auf die Bühne gerufen werden. Der Vergleich der Auftritte der Top-Manager am Canalys Channels Forum ist aufschlussreich.

 
Als erster trat gestern Marius Haas, President und Chief Commercial Officer von Dell EMC auf. Seine Botschaft an an die anwesenden Vertreter der europäischen Channel-Player war einfach. "Wir sind die Nummer 1 und wir sind gross." Und dann schmiss er der Zuhörerschaft Zahlen an den Kopf: "Wir sind ein 74-Milliarden Powerhaus. Wir machten letztes Jahr 35 Milliarden Dollar Umsatz mit dem Channel und 2017 werden es mehr als 40 Milliarden sein. Wir sind die Nummer 1 in Flash-Speicher, Server, Data Protection."

Auf die Frage, ob es denn überhaupt eine gute Sache sei, die Nummer 1 zu sein, antwortete Haas mit weiteren Zahlen. Dell gebe 4,5 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung aus und wachse im B2B-Geschäft um 20 Prozent. Der Frage, warum es denn möglich sei, dass es immer noch Channel-Konflikte zwischen Dell und Resellern gebe, wich Haas hingegen aus. Es gebe eben viele Deal-Registrierungen und da könne es schon mal sein, dass eine Registrierung verweigert würde.

Gianfranco Lanci, einst der starke Mann bei Acer und heute bei Lenovo, machte ein Witzchen über seinen Vorredner. Lenovo sei die Nummer 1 bei Kundenzufriedenheit. Statt mit Zahlen um sich zu werfen, sprach Lanci von Geräten und versprach, dass es nach der Einführung von 5G-Mobilfunknetzen Notebooks geben werde, die immer im Netz sind und deren Batterien drei Tage durchhalten.

Und überhaupt: Lenovo sei die Nummer 1 im Verkauf von Client-Devices in Europa und verkaufe erst noch 100 Prozent über den Channel. Noch sei Lenovo nicht bereit, Device-as-a-Service anzubieten, doch das Angebot werde kommen.

Wie schon letztes Jahr trat HP-Chef Dion Weisler, übrigens der einzige CEO, der grossen Player im IT-Geschäft, der nach Venedig kam, am glaubwürdigsten auf. Mit der Bemerkung, am meisten Angst habe er vor Arroganz in der eigenen Firma, erntete er Szenenapplaus. HP müsse auf Partner und Kunden hören.

 
HP jage die Position als Nummer 1 nicht. Die Nummer 1 zu sein, sei ein Resultat der Tätigkeit, nicht das Ziel. Ziel sei es vielmehr, die Produkte besser und vor allem nützlicher zu machen.

Auf die Frage, wo HP im Jahr 2020 stehen wolle, sprach Weisler, ursprünglich ein Ingenieur, weder von Prozenten noch von Dollars oder Ranglisten, sondern von Technologie. Er sprach über 3D-Printer und was alles noch aus der Inkjet-Technologie entstehen werde. Und kam damit gut an.

Der Auftritt von HPE war schwierig, denn anstatt wie vorgesehen die Nummer 2 des Konzerns, Antonio Neri, mussten drei Manager der zweiten oder dritten Ebene antreten. Darunter neben Marketing-Chef Jim Jackson und Channel-Manager Denzil Samuels, der künftige HPE-Schweiz-Chef Carlo Giorgi. Er trat als Vice President Channel EMEA der Enterprise Group auf.

 
Giorgi war erstaunlich offen. Sprach von einem schwierigen Start ins Jahr mit einem schrumpfenden Markt im Business mit Datacenter-Ausrüstungen und unzufriedenen Partnern. HPE habe die Beschwerden ernst genommen, am Thema Price Protection gearbeitet und neue Kompensations-Modelle für Reseller erarbeitet. HPE biete nun die höchsten Reseller-Rabatte in der Branche. (Christoph Hugenschmidt, Venedig)
 
Foto v.l.n.r. Jim Jackson, Carlo Giorgi, Denzil Samuels