Gartners Technologietrends 2018

Edge Computing, digitale Zwillinge und andere Technologien, an denen man im nächsten Jahr nicht vorbei kommt.
 
Die Entwicklung und Durchsetzung von technologischen Trends ist eine ziemlich komplexe Angelegenheit, die von vielerlei Faktoren beeinflusst wird. Da fällt es oftmals schwer den Hype vom realen Potential einer technologischen Innovation zu scheiden und sich auf letzteres zu konzentrieren. Um ein wenig Orientierung zu bieten, veröffentlicht Gartner jährlich eine Vorhersage über die Top Zehn der strategischen Technologietrends. Die Liste für das Jahr 2018 haben die Analysten nun publiziert.
 
Sie erklären darin, welche Technologien im kommenden Jahr die Experimentalphase langsam überwinden und ihren Einfluss in der breiteren Anwendung entfalten. Oder – und damit wird die Kategorie wieder etwas unschärfer – welche neuen Trends in den nächsten fünf Jahren ihren Höhepunkt erreichen. Im Folgenden werden die Trends dargestellt und die teils originelle Sprache im indikativ – also wie wenn alles in Tat und Wahrheit stimmt – wo möglich ins Deutsche übersetzt.
 
Die Basis: Künstliche Intelligenz
Ein wichtiges Feld für Technologieanbieter bis mindestens 2020 wird die Schaffung von lern- und anpassungsfähigen Systemen sein, die potentiell eigenständig handeln können. Wer es schafft, künstliche Intelligenz zu nutzen, um Entscheidungsfindungen zu verbessern, Geschäftsmodelle und Ökosysteme umzuformen sowie die Kundenerfahrung neu zu gestalten, wird dafür auch belohnt. Als Investitionsfelder gelten Datenaufbereitung, Integration, Algorithmen- und Trainingsmethodik sowie Modellerstellung.
 
Intelligente Apps und Analytics
In den nächsten Jahren wird jede Applikation und jeder Service ein bestimmtes Level an KI beinhalten – entweder offensichtlich oder unterstützend im Hintergrund. Dies erzeugt eine Vermittlungsebene zwischen Menschen und dem technischen System und hat das Potential, die Art und Weise unseres Arbeitens sowie der Arbeitsplätze grundlegend zu verändern. Dienstleister – gerade im ERP-Bereich – müssen skizzieren, wie sie KI verwenden wollen, um Geschäftsprozesse bezüglich Analytik, intelligenter Prozesse sowie Benutzererfahrung umzugestalten.
 
Intelligente Dinge: Roboter, Drohnen, Autos
Die KI wird auch im Bereich der intelligenten Dinge wie autonome Fahrzeuge, Roboter oder Drohnen Fortschritte erzielen. Zudem wird sie etwa die Fähigkeiten von IoT, vernetzten Verbrauchern und industriellen Systemen massgeblich erweitern. Bis 2022 werden zum Beispiel zwar noch hauptsächlich autonome Autos mit Kontrollpersonen verkehren, aber neben weitreichenden Tests sind in den Bereichen Regulation, gesetzlichem Rahmen und kultureller Akzeptanz Entwicklungen zu erwarten.
 
Digitale Zwillinge: Den Stadtplaner freut's
Digitale Zwillinge, also digitale Kopien realer Objekte oder Systeme, werden gerade im Bereich von IoT-Projekten an Wichtigkeit gewinnen. Sie werden die Entscheidungsfindung in Unternehmen verbessern, da sie Aufschluss über Status und Veränderungen der realen Objekte und Systeme ermöglichen. Erst relativ simpel werden die digitalen Zwillinge dank ihrer Weiterentwicklung zunehmend Vorteile etwa für Stadtplaner, digitale Verkäufer, medizinische Fachkräfte oder Industrieplaner bringen.
 
Cloud to Edge: Aber als Ergänzung…
Edge Computing, die Verschiebung von Datenverarbeitung vom Zentrum an die Ränder eines Systems, wird wichtiger werden. Es ist aber kein Gegenstück zur Cloud, sondern eine Anpassung der Art, wie man Cloud Computing liefert. Die Cloud wird weiterhin als serviceorientiertes und zentral kontrolliertes Modell verwendet, während die Edge-Bereiche – das können etwa kleinere RZs oder einzelne Server sein – als Ergänzung für nicht angeschlossene Bereiche oder für verteilte Prozessausführungen des Cloud-Dienstes betrachtet werden müssen.
 
Dialogplattformen: User-Interaktion
Die sogenannte Conversational Platform ist der nächste Paradigmenwechsel in der Interaktion zwischen Mensch und digitaler Welt; die Plattformen werden immer wichtiger. Sie nehmen Fragen oder Befehle von Usern entgegen und führen entsprechende Funktionen aus, zeigen gewünschte Inhalte oder Fragen nach weiterem Input. Dabei ist die Anforderung an eine sehr strukturierte Kommunikation von Seiten der User die grosse Herausforderung, die noch gemeistert werden muss. In den nächsten Jahren werden solche Interfaces zu den primären Design-Zielen im Bereich User-Interaktion und in dedizierter Hardware, Kernfunktionen von Betriebssystemen sowie Plattformen und Applikationen zur Anwendung kommen.
 
Immersive Experience: User-erfahr… lebnisse
Virtual, Mixed und Augmented Reality werden die Art und Weise, wie Menschen die digitale Welt erleben und mit ihr interagieren, grundlegend verändern. Bislang ist dies vor allem auf den Bereich Gaming und Entertainment fokussiert. Um ausserhalb jener Bereiche geschäftsrelevante Vorteile zu erzielen, müssen VR- und AR-Anwendungen entwickelt werden, die Mitarbeiter produktiver machen. Dabei wird Mixed-Reality, die in Brille aber auch Smartphones oder Tablets genutzt wird, eine wesentliche Rolle spielen.
 
Darf nicht fehlen: Die Blockchain
Die Blockchain entwickelt sich von einer Infrastruktur für digitale Währungen zu einer Plattform für die digitale Transformation. Dabei kann sie sowohl für Startups als auch für alteingesessene Unternehmen die Grundlage für disruptiven Wandel im digitalen Business sein. Als Anwendungsgebiete gelten unter anderem die Finanzindustrie, Regierungsinstitutionen, das Gesundheitswesen, die Produktion, der Medienbereich, die Identitätsbestimmung sowie Lieferketten. Allerdings sind viele der Blockchain-basierten Technologien für die nächsten zwei bis drei Jahre noch unausgereift.
 
Eventgetrieben: Jederzeit businessbereit
Zentral für das digitale Geschäft ist es, Businessmöglichkeiten zu erkennen und sie jederzeit nutzen zu können. Dabei kann alles als Geschäftsmöglichkeit gelten, was digital vermerkt wird: Vom Abschluss einer Bestellung bis zur Flugzeuglandung. Mit der Anwendung der neuen Technologien können Geschäftsereignisse schneller erkannt und detaillierter analysiert – und natürlich entsprechend rascher und adäquater reagiert werden. Die Technik alleine genügt aber nicht, dies muss durch einen kulturellen Wandel ergänzt werden.
 
Continuous Adaptive Risk and Trust
Dafür erstmal keine Übersetzung, das klingt auf Deutsch einfach zu wenig catchy. In einer Welt von ausgeklügelten gezielten Attacken müssen Sicherheits- und Risikoverantwortliche in Echtzeit angepasste Entscheidungen bezüglich Risiko und Vertrauen treffen. Eben: Continuous Adaptive Risk and Trust. Dazu müssen Unternehmen die Barrieren zwischen Security- und Applikations-Teams überwinden und den Schritt von DevOps zu "DevSecOps" wagen. (ts)