Kanton Bern sucht ERP-Alternative zu SAP

Für sein millionenschweres ERP-Projekt geht der Kanton Bern ungewöhnliche Wege bei der Suche der Software und des Intergrationspartners. In einer Produktanalyse will der Kanton Bern herausfinden, ob die Einführung einer ERP-Gesamtplattform mit Dienstleistungszentren (Shared Service Centers) für die Verwaltung des Kantons auch ohne SAP-Basis möglich ist. Man wolle wissen, "ob eine Ausschreibung für die ERP-Plattform und die notwendigen Intergrationsleistungen basierend auf SAP-Produkten erfolgen soll oder ob auch noch andere Produkte dafür in Frage kommen", heisst es in der soeben vom kantonalen Amt für Informatik und Organisation (KAIO) auf Simap vorgelegten Veröffentlichung.
 
Wer daran teilnehmen möchte, kann bis zum 24. Oktober einen Request for Information (RFI) beantworten. Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass es sich lediglich um ein RFI handelt und keine Angebote erwünscht sind. Es gehe nicht um eine Ausschreibung und die Beantwortung des RFI wir auch nicht bezahlt. Dass man beim KAIO den Weg über ein RFI wählt, dürfte neben der Absicherung der anstehenden Ausschreibung auch damit zusammenhängen, dass man mögliche blinde Flecken bei der Evaluation ausschliessen möchte.
 
Widerspruch erwünscht
Denn beim KAIO geht man zwar davon aus, dass "aufgrund einer internen Einschätzung nur eine ERP-Lösung auf Basis von SAP-Produkten die fachlichen Anforderungen erfüllen kann". Doch soll potenziellen Anbietern die Gelegenheit geben, der These "nur ERP-Lösungen auf Basis von SAP-Produkten erfüllen die Anforderungen des Kantons Bern" zu widersprechen. Adressiert werden mit dem RFI also mögliche Implementierungspartner, "die dem Kanton Bern basierend auf nicht SAP-Produkten eine ERP-Lösung bereitstellen können". Laut Publikation müssen sie plausibel darlegen, dass sie "mit ihren Produkten in der Lage sind, die Anforderungen an die künftige ERP-Lösung für den Kanton Bern zu erfüllen".
 
Erst nach der RFI-Auswertung wird beim Kanton entschieden, ob an der Absicht festgehalten wird, "sich in einer öffentlichen Ausschreibung für die ERP-Plattform und den damit verbundenen, notwendigen Integrationsleistungen auf SAP-Produkte zu beschränken".
 
Umsetzung ab Frühling 2018
Konkret soll im Frühjahr 2018 damit begonnen werden, die ausgewählte ERP-Lösung bis 2022 für die Bereiche Personal, Finanzen, Reporting und Data-Warehous sowie Zeitwirtschaft und in einer weiteren Stufe bis 2024 Logistik und Materialwirtschaft, Portfolio-Management sowie die Migration der Anlagebuchhaltung und der Immobilienverwaltung umzusetzen. Später sollen zudem Fachanwendungen in die Standard-Software implementiert werden. (vri)