Softwarehersteller BBT nach Kanada verkauft

BBT Software geht an die weltweit aktive Beteiligungsgesellschaft Volaris. Volaris verspricht Langzeit-Strategie. BBT will weiter investieren.
 
BBT Software ist ein bekannter Player im attraktiven Markt der Lösungen für Krankenkassen und Versicherungen. Nun wurde der Hersteller mit Sitz in der Innerschweiz und im Wallis an die weltweit operierende kanadische Beteiligungsfirma Volaris Group verkauft.
 
Wie Christoph Ammann, CEO und einer der ehemaligen Besitzer von BBT sagt, hat man sich den Verkauf der Firma reiflich überlegt. Ammann: "Der Verkauf erfolgt nicht aus der Not heraus." Und er sei an Bedingungen geknüpft. So wird der Name BBT erhalten bleiben. Auch die etwas "exotischen" Standorte der Firma im Wallis bleiben mit Sicherheit bestehen. Und BBT werde weiterhin in Software und in die Internationalisierung investieren, betonte Ammann in einem kurzen Telefonat mit inside-channels.ch. Die Volaris Group habe BBT die operative Unabhängigkeit garantiert.
 
Komplettes Management bleibt. Verkauf ist nur bedingt eine Nachfolgelösung.
Naheliegend wäre, dass der Verkauf von BBT als Nachfolgelösung betrachtet wird. Doch der Effekt, dass mit dem Verkauf eine Nachfolgelösung zumindest am Horizont steht, sei nur ein Nebeneffekt. In der Tat bleibt das aktuelle Management mit Christoph Ammann als CEO, Dominik Bardenhofer (CCO), Peter Giger (COO) und Malte Bögershausen (CTO) im Amt. Selbst der heute 65-jährige Mitgründer Hermann Biner wird noch einige Zeit für BBT arbeiten, so Ammann.
 
Vielmehr gehe es darum, den Investitionskurs der Firma langfristig zu sichern, betont der CEO des Softwareunternehmens. BBT beschäftigt heute über 70 Mitarbeitende und hat sich aus dem ursprünglichen Krankenkassenmarkt hinaus entwickelt. Volaris habe die gestellten Bedingungen erfüllt und sei an der langfristigen Entwicklung von BBT interessiert. Und bei Bedarf auch durchaus bereit zu investieren, sagt Ammann.
 
Wie Ammann sagt, war der Besitz an BBT relativ breit gestreut. Verkauft haben nicht nur die fünf Partner, sondern auch beteiligte Mitarbeiter und Kunden.
 
Expansionsstrategie
Man habe im Verwaltungsrat schon seit einiger Zeit diskutiert, wie die Firma das Wachstum in der Schweiz und im internationalen Markt bewältigen könne, sagt Ammann. BBT sei immer wieder von Private-Equity-Firmen angefragt worden, habe aber alle Offerten abgelehnt.
 
BBT ist heute nach eigenen Angaben im Bereich Software für Schadensmanagement in der Schweiz Marktführer und ist seit 2013 auch im Geschäft mit Lebensversicherern aktiv. Die Lösungen der Innerschweizer werden unterdessen in Liechtenstein, Belgien, Holland, Deutschland und ab nächstem Jahr in Italien und Irland eingesetzt.
 
Wie Ammann betont, sind mit dem neuen Besitzer zwar keine Synergien bei der Softwareentwicklung zu erwarten. Wohl aber Know-How bei der internationalen Expansion und Vermarktung.
 
Wer ist Volaris?
Die kanadische Beteiligungsfirma Volaris übernimmt weltweit auf vertikale Märkte spezialisierte Softwarehersteller. BBT wird bei Volaris in den Bereich Financial Services gehören. Dort besitzt Volaris nun fünf Firmen.
 
Anders als klassische Beteiligungsfirmen hat Volaris keine Exit-Strategien, verkauft also übernommenen Software-Hersteller "nie" (Ammann). Volaris seinerseits gehört zur kanadischen Constellation Software. Diese ist börsenkotiert. Sie besitzt über 300 akquirierte Firmen, die einen konsolidierten Umsatz von über zwei Milliarden Franken machen. (hc)

Unser Kommentar:

Die Ausnahme von der Regel?
 
"Eine Software-Firma, die verkauft wird, stirbt." Vielleicht ist diese "ICT-Bauernregel" etwas übertrieben formuliert. Doch in der Tendenz ist sie richtig: Der mehrmalige Verkauf von Solvaxis (Pro-Concept) hat in Sonceboz, wo mehrmals Stellen abgebaut worden sind, für böses Blut gesorgt. Auch Soreco-Software gibt es noch, doch die Firma wurde filetiert und einige Partner haben sich von der HR-Lösung abgewandt.
 
Der Verkauf von BBT dürfte die Ausnahme sein. Denn die Ausführungen von Ammann scheinen uns stichhaltig und glaubwürdig. Das aktuelle Management bleibt an Bord und der Investor sucht nicht das schnelle, grosse Geld, sondern will offenbar wachsende Software-Firmen, die sich weiterentwickeln. Für Mitarbeitende und Kunden soll die Volaris Group "ein sicherer Hafen" sein, versprechen die ehemalige Besitzer und heutigen Manager. Hoffen wir für die Schweizer Software-Industrie, dass sie recht behalten. (Christoph Hugenschmidt)