ICT-ReSeller Index: Der Nebel lichtet sich

Der ICT-ReSeller Index sinkt im Monatsvergleich um fünf Prozent.
Der Übergang in das Sommerloch war in den vergangenen Jahren deutlich härter. Der ICT-ReSeller-Index liegt im Juli 2017 leicht über dem Vorjahr.
 
Auch der Juli 2017 bestätigt die in den Vormonaten angedeutete Beruhigung: Mit einem Fixing von 66 Punkten liegt der Juli 2017 mit einem Prozent leicht über dem Vorjahresergebnis. Als typischer Sommermonat überrascht nicht, dass der Juli als Einstieg in das Sommerloch klassisch verläuft und der Vormonat Juni um fünf Prozent besser war. Was aber aufhorchen lässt, ist der eher moderate Rückgang. Die Übergänge in das Sommerloch waren bislang deutlich härter: -18 Prozent von Juni auf Juli 2016, -20 Prozent im Jahr 2015 oder -12 Prozent in 2014. Der Rückgang von fünf Prozent in diesem Jahr sieht im Vergleich also sehr gut aus.
 
Der Indexverlauf in 2017 verläuft auch im Juli stabiler und weniger sprunghaft als in früheren Jahren. Mit nun vier Monatswerten von insgesamt sieben über dem Vorjahr bleibt der kumulierte Verlust mit bislang drei Prozent weiter eher gering.
 
Der Channel kann zwar insgesamt auch 2017 kein Wachstum verbuchen, der massive Rückgang der letzten Jahre scheint aber nun zumindest abgebremst worden zu sein.
 
Ein Blick in die Details zeigt kleine, erfreuliche Lichtblicke
Die Preise zum Vorjahr steigen um über sieben Prozent. Der Durchschnittspreis der gehandelten Artikel steigt von 568 Franken im Juni auf 574 Franken im Juli. Dies ist besonders erfreulich, weil diesbezüglich sonst immer von Juni auf Juli ein Rückgang zu beobachten war.
 
Mit einem Wachstum von zehn Prozent im Jahresvergleich schlägt der Computerverkauf beim ICT-Reseller erfreulich gut. Hierdurch konnte sich der Umsatzanteil im Monat für diesen Sortimentsbereich auch auf 35 Prozent leicht erhöhen.
 
Wo Licht ist, da ist auch Schatten
Verbrauchsmaterial, Peripherie und ICT-Zubehör können immer mehr nur noch über den Preis verkauft werden. ICT-Reseller haben aber gegen die grossen Retailer mit ihren Volumenvorteilen auf diesem Gebiet kaum eine langfristige Chance.
 
Mit nun noch zwei Prozent Anteil am Gesamtumsatz kann der Sortimentsbereich Software fast schon zur Ausmusterung antreten. Direktgeschäft, Online-Applikationen und der Trend zur Cloud machen es dem Reseller auf diesem Gebiet schwer, beziehungsweise sorgen dafür, dass Software kaum noch über den Distributor als Ware gehandelt wird. Dieses digitale Produkt verkürzt also die Supply Chain und geht zunehmend direkter in Richtung Kunde. Bücher und Musik haben es im B2C-Bereich bereits lange vorgemacht. Die Frage lautet nur noch, wann und wer für Software
Umsatzanteile beim Reseller: Aktueller Monat 2017 (aussen) vs. Dezember 2014 (innen). Bild: ProSeller AG
die Flat-Rate-Plattform á la Spotify für Musik oder Amazon für Bücher anbieten wird.
 
Fakten akzeptieren und die eigene Transformation einleiten
Die Zeichen der Zeit werden immer deutlicher sichtbar: Was digital möglich ist, das wird über kurz oder lang auch digital passieren. Und – wer früher bei "lang" noch in Jahrzehnten gedacht hat, der muss heute mit Jahren oder eher Monaten rechnen. Der Kunde lernt schneller als erwartet und er wird immer mündiger. Er sucht echte Partner, von denen er Flexibilität aber auch Professionalität erwartet.
 
Wer "IT-as-a-Service" bis zum Ende durchdenkt, kann erkennen, dass nur noch "Service" übrig bleibt. Alle hierfür nötigen Prozesse müssen soweit wie möglich digitalisiert werden, um sich so viel Zeit für den Kunden zu verschaffen, wie möglich. Wer weiter manuell Schnittstellen pflegt, Aufträge manuell erfasst oder Bestellungen manuell auslöst und verfolgt, dem fehlen wertvolle Stunden im Kundenkontakt.
 
Wer selber nicht das isst, was er für andere kocht, der kann nicht mehr ernst genommen werden und verschwindet. Wer diesen Weg alleine gehen will, hat ebenfalls verloren. Selbst grosse Firmen haben begriffen, sich passende Vollprofis für technische Nischen zu suchen, weil heute keiner mehr gross genug ist, um alles zu können.
 
Welche Fallstricke, Optionen und Fähigkeiten mit dieser Veränderung verbunden sind haben wir mit den Proseller-Kunden ausführlich diskutiert. Gerne verweise ich an dieser Stelle auf unsere Kommentarserie zur Digitalen Transformation "Weg oder Ziel", in der die Ergebnisse dieser Diskussionen in übersichtlichen Häppchen aufbereitet vorliegen. (Thomas Czekala)
 
Der Autor: Thomas Czekala ist Verwaltungsrat der ProSeller AG.
 
Zum ICT-Reseller-Index:
Der Index wird täglich ermittelt und einmal monatlich für den laufenden Monat fixiert. Er basiert auf den anonymisierten Suchaktivitäten der ICT-Reseller bei Verwendung der Concerto-Software-Suite und repräsentiert damit ein jährliches Einkaufsvolumen von ca. 1,1 Milliarden Franken beziehungsweise rund 20'000 Abfragen pro Tag.