Berner Kantonal­bank löst Verträge mit HPE auf

Nun ist offen, ob das Core-Banking-System IBIS3G weiterlebt. Auch ein neues Kernbankensystem steht bei der BEKB zur Debatte.
 
Die Berner Kantonalbank bezieht aktuell einen Grossteil der IT-Dienstleistungen von HPE Schweiz, darunter das Management des Corebanking-Systems IBIS3G inklusive RZ-Dienstleistungen, Netzwerk- und Workplace-Management sowie weitere Infrastruktur- und Application-Services. Nun aber hat die Bank die bestehenden Verträge mit HPE gekündigt, wie sie gestern Abend mitteilte.
 
HPE hat im Frühjahr die Überführung des für die Banking-Dienstleistungen verantwortlichen Bereichs Enterprise Services zu CSC bekanntgegeben, schreibt die Bank zum Hintergrund der Vertragskündigung. Die Bank müsste der Übertragung der Verträge zustimmen. Nun prüfe man mehrere Optionen auch auf ihre Wirtschaftlichkeit.
 
Konkret stehen vier Optionen zur Debatte, sagt BEKB-Sprecher Alex Josty auf Anfrage von inside-it.ch. Erstens werde die Ablösung von IBIS3G und die Einführung eines neuen Kernbankensystems geprüft. Möglichkeit zwei und drei wäre es, IBIS3G zu behalten und von einem Dienstleister betreiben und weiterentwickeln zu lassen, sei es der alte oder ein neuer Partner. Als vierte Möglichkeit nennt die Bank, IBIS3G selbst zu betreiben. Wann der Entscheid gefällt werde, konnte uns die Bank auf Anfrage nicht sagen. Der Weiterbetrieb wird in der Zwischenzeit von HPE sichergestellt.
 
Wie sich die Vertragskündigung auf DXC Technologies – aus dem Zusammenschluss von HPE Enterprise Services und CSC entstanden – auswirkt, wollte man auf Anfrage nicht beantworten. Man äussere sich "zum Schutz der Kunden nicht über laufende Geschäftsbeziehung", schreibt DXC.
 
Eine der letzten IBIS3G-Banken
In einem Outsourcing-Deal hat HP im Jahr 2010 den Betrieb und die Weiterentwicklung von IBIS3G sowie den Betrieb von zwei RZs vom IBIS-Hersteller RTC übernommen. Zuvor hatte der IBIS-Hersteller fast alle Kunden ausserhalb der ehemaligen Grossaktionärin BEKB verloren. Die Berner Kantonalbank kaufte den Banken ihre Anteile an RTC ab und führte, ebenfalls 2008, IBIS3G ein. 2013 schliesslich haben die BEKB und HP einen direkten Vertrag abgeschlossen.
 
RTC ist heute eine "stillgelegte Gesellschaft", erklärt die BEKB, hält aber noch die Rechte an IBIS3G. (kjo)