"Weltgrösste Websites wollen Netz-Neutralität retten"

Nicht erst seit Donald Trumps Präsidium, aber auch wegen seiner Administration, wird das Thema "Netzneutralität" in den USA heiss diskutiert. Sie soll nämlich im heutigen Sinne abgeschafft werden.
 
Und die Befürworter der Netzneutralität werden nicht nur zahlreicher, sondern auch lautstärker: Heute Mittwoch US-Zeit findet ein Aktionstag statt, an welchem 80'000 Befürworter-Firmen teilnehmen sollen.
 
Darunter sind ziemlich alle Giganten der Internetwelt: Twitter, Amazon, Facebook, Google, Reddit, Netflix, Airbnb, Snapchat und Spotify. Auch die sehr populäre Porno-Website PornHub geht unter die Demonstranten. "Die weltgrössten Websites vereinen sich, um die Netzneutralität zu retten", titelt 'The Independent'.
 
Was die Website-Betreiber genau am Aktionstag tun werden, weiss man noch nicht: Von Pop-Ups auf Startseiten, Interstitials über spezielle Designs und schwarzen Startseiten ist alles möglich. 'Reddit' ändert sicher sein Logo und wird eine Botschaft des CEOs unübersehbar aufschalten, Twitter will dem Hashtag #NetNeutrality zu ungeahnter Popularität verhelfen.
 
Zuviel Macht für ISPs oder Investitionsbremse?
Die Botschaft der Internet-Industrie: Die Trump-Administration, speziell das zuständige FCC, sei mit der geplanten Abschaffung der Netzneutralität daran, das Web in seiner heutigen Form zu zerstören: "ISPs erhalten zuviel Macht zu entscheiden, was Konsumenten online sehen können und was nicht und zu welchem Preis", argumentieren sie.
 
Die meisten ISPs ihrerseits sehen sich wegen der bestehenden Netzneutralität gezwungen, den Content von Netflix und Co. zu streamen, welche die Netze auslasten, ohne dafür Geld verlangen zu dürfen (oder diesen zu blockieren). Sie sehen sich zudem in der Entwicklung neuer Geschäftsfelder behindert und die aktuelle Regulierung bremse Investitionen in die Netzwerkinfrastruktur. Und sie wollen, nach einem seit Monaten dauernden Hickhack, einen klaren Entscheid der zuständigen Behörde: "Wir brauchen klare und beständige Regeln, kein Hin und Her", fordern sie in Inseratekampagnen. Sie wollen auch Social-Media-Kanäle für ihre Argumente nutzen.
 
Beim Ziel ihrer Aktionen sind sich die Kontrahenten einig: Möglichst viele US-Konsumenten sollen entsprechende Briefe an den Kongress senden. Ob sich die FCC und ihr von Trump eingesetzter neuer Chef davon beeindrucken lassen, ist offen. Die öffentliche Meinung sei nicht verbindlich, liess die Behörde bereits jetzt sinngemäss verlauten. (Marcel Gamma)