Mit 17'000 Microsoft-Partnern in Washington DC unterwegs

Der Channel marschiert durch Washington (Foto: hc)
Was der Microsoft-Channel an der Konferenz "Inspire" präsentiert kriegt und wofür man applaudiert.
 
Um elf Uhr wälzte sich in der brütenden Sommerhitze Washingtons eine Flut von rund 17'000 Microsoft-Partnern, -Mitarbeitenden und -Kunden vom riesigen Verizon Stadion zum naheliegenden Kongresszentrum und brachte den Verkehr zum erliegen. Eine Heerschar ungeheuer freundlicher Helferinnen und Helfer dirigierte die sich langsam bewegende Masse durch die Strassen, stoppte den Autoverkehr, hielt violette "hier durch" und "Bitte warten Sie geduldig" Täfelchen in die Höhe und lächelt jede und jeden persönlich an. Die Amerikaner sind gute und vor allem freundliche Organisatoren – auch an der Microsoft Partner-Konferenz "Inspire", die in diesen Tagen in der US-amerikanischen Hauptstadt über die Bühne geht.
 
Die Botschaft, die Microsoft-CEO Satya Nadella in seiner Keynote heute Morgen an die Partner aus der ganzen Welt richtete, war einfach und durchaus glaubwürdig: Die Digitalisierung, der Neubau der Wirtschaft durch den massiven Einsatz von künstlicher Intelligenz, Machine Learning und Cloud stellt eine riesige Chance für IT-Firmen dar. Microsoft will die Software und (künstliche) Intelligenz, die es für die Digitalisierung braucht, seinen Partnern zur Verfügung stellen und ihnen ermöglichen, vom Megatrend zu profitieren. Nadella sprach davon, dass der weltweite Markt auf 4,5 Trilliarden Dollar wachsen werde.
 
Man hatte von ihm nichts Anderes erwartet: Der Schlussapplaus im fast vollen Hockey- und Basketball-Stadion war laut und freundlich, aber nicht überbordend.
 
Verkäufer auf den Channel eingeschworen
Früher sagte man, die Microsoft-Welt sei eine Sekte. Wer bei oder mit Microsoft arbeitete, war gelassen und doch fanatisch für die Firma unterwegs. Und das war das Erfolgsrezept: Microsoft hat vielleicht nicht die beste Software gemacht, aber die Redmonder haben die Erträge mit Entwicklern und IT-Dienstleistern geteilt und sie auf sich eingeschworen.
 
So hatte den auch die Inszenierung des Auftritts des CEOs heute Morgen im Hockey-Stadion einen leicht religiösen Touch. Microsoft-Partner kleideten sich teilweise in eine Art Uniform ihres Landes ein, Microsoft "Partner des Jahres" sassen einheitlich ausstaffiert ganz nahe an der Bühne und die Dänen waren sich nicht zu blöde, Landesfahnen zu schwenken. Kein überlautes Rock-Gedöns wie bei anderen US-Herstellern, sondern sanfte Musik aus aller Welt, eine Live-Band mit grossem Frauenanteil und das Versprechen, man sei nun nicht mehr nur "Partner led", sondern ab sofort heisse es "Partner first".
 
Microsoft Channel-Boss Ron Huddleston, den man vor einem Jahr von Salesforce geholt hat, beschwor das Versprechen, immer zuerst an Partner zu denken, mit der Aussage, der Support würde künftig am Wachstum der Partner gemessen. Und Verkäufer würden auch für die Umsätze mit Drittprodukten, die in der Azure-Cloud laufen, provisioniert werden.
 
"Demokratisierung der künstlichen Intelligenz"
CEO Satya Nadella war es dann überlassen, mit der ganz grossen Kelle anzurühren: Microsoft werden "künstliche Intelligenz demokratisieren." Was er meinte: Microsoft wird seinen Partnern (noch mehr) Werkzeuge zur Verfügung stellen, mit denen sie hochkomplexe Services relativ einfach für ihre eigenen Anwendungen und für ihre Kunden einsetzen können. So werden Partner Machine-Learning auf Azure einsetzen können oder die erstaunlichen Übersetzungsfähigkeiten aus Skype nutzen können.
 
Dem Microsoft-Channel gefiel es: Die KI-Demos in Nadellas Vortrag wurden mit dem meisten Applaus bedacht.
 
Microsoft Schweiz: Wer ist noch da?
Dass man auch in der Schweiz Willens ist, Microsoft-Technologie einzusetzen und damit Geld zu verdienen, war am Empfang für die 150 Partner aus der Schweiz gestern Abend gut zu spüren. Die Stimmung war gelassen und optimistisch.
 
Und doch zeigte sich einmal mehr, wie schwierig es sein kann, mit dem US-Software-Riesen zusammenzuarbeiten. Man vermisste den einen oder anderen Ansprechpartner aus Wallisellen, der offenbar der jüngsten Reorganisation bei Microsoft zum Opfer gefallen ist und entweder einen anderen Job hat oder gar nicht mehr dabei ist. Man quittierte den Umstand mit Schulterzucken. (Christoph Hugenschmidt, Washington DC)
 
Interessenbindung: Der Reporter wurde von Microsoft eingeladen. Microsoft bezahlte den Flug (Economy), das Hotel und die Konferenzgebühr.