Lenovo, die PCs und der Reis

Lenovo-Schweiz-Chef Patrick Roettger erklärt die Strategie.
Statt "Attack & Protect" heisst die neue Strategie von Lenovo nun "Three Wave Strategy ".
 
Eine missglückte Schlagzeile des deutschen 'Handelsblatt' brachte den chinesisch-amerikanischen PC-Hersteller Lenovo vor wenigen Tagen in Verlegenheit. "Lenovo verabschiedet sich vom PC-Geschäft" titelte ein Redaktor, der offensichtlich nicht mal den Text seines eigenen Korrespondenten gelesen hatte. Die Story wurde herumgereicht und schwappte bis in die Schweiz, sagte Lenovo-Schweiz-Chef Patrick Roettger an einem gut besuchten Medienanlass heute Morgen in Zürich.
 
"Nein, wir steigen nicht aus dem PC-Geschäft aus", versicherte Roettger den rund zehn Medienvertretern. Richtig ist hingegen, dass Lenovo sich nach zehn Jahren eine neue Strategie gegeben hat. Statt "Attack & Protect" heisst sie nun "Three Waves". Mit drei Wellen will der chinesische PC-Riese sein Business voranbringen. Die erste Welle ist das klassische PC-Geschäft und die zweite das (verlustreiche) Datacenter- und Mobiltelefon-Geschäft. Mit der dritten Welle sind Produkte gemeint, die man noch gar nicht kennt. Geräte, die das künftige Internet der Dinge bevölkern werden.
 
Roettger zitierte seinen obersten Chef Yang Yuanqing, der die neue Strategie mit einem schönen Bild illustriert hat: "Die erste Welle ist der Reis, den wir heute essen. Die zweite Welle ist der Reis, den wir jetzt kochen und die dritte Welle ist der Reis, der noch auf den Feldern steht."
 
Server mit neuen Intel-Prozessoren
Gemäss Roger Müller, der bei Lenovo Schweiz für das Datacenter-Business verantwortlich ist, ist der Hersteller mit den am 20. Juni in New-York vorgestellten neuen Server-Linien nun wesentlich besser aufgestellt, als zuvor. Lenovo verbaut in den "ThinkSystem" und "ThinkAgile" genannten Servern, die neueste Generation von Intel-Chips. Unter anderem wird es die ThinkAgile-SX-Serie geben, die für Azure-Stacks vorbereitet sind.
 
Wie Müller sagt, will sich Lenovo auch im lukrativen aber schwierigen Markt des High-Performance-Computings breit machen. Es gebe durchaus Schweizer Kunden im HPC-Bereich. Müller nannte die ETH Zürich, das Paul Scherrer Institut und Nestlé.
 
Mobiltelefone "nebenbei"
Das Geschäft mit Mobiltelefonen von Lenovo wird in der Schweiz hingegen nicht forciert. In diesem Bereich fokussiere Lenovo auf Märkte, die global eine wichtige Rolle spielen. Dazu gehört die Schweiz eindeutig nicht. "Wir lassen das Geschäft in der Schweiz mitlaufen", sagte Roettger. (Christoph Hugenschmidt)