Leider Tschüss

Und hier noch unsere Freitagabend-Hausmitteilung.
 
Dass unsere Firma Huron AG heisst und im Zürcher Kreis 4, aka Chreis Cheib, zuhause ist, hat zu nicht wenig spöttischen Bemerkungen geführt. Dabei wüssten gebildete Leute, dass Huron der Name eines Volkes der nordamerikanischen indigenen Bevölkerung ist, das in den heute gottseidank nicht mehr gelesenen Romanen von James Fenimore Cooper gar nicht gut wegkommt. Die Mohikaner ("Der letzte Mohikaner") sind bei Cooper die Guten, die Huronen die Bösen und erst noch lauten, denn im deutschen Sprachgebrauch hat sich die Metapher "mit Huronengebrüll" erhalten. Dies wiederum hat uns gefallen, als wir im Sommer 2004 das Akronym Huron (aus Hu genschmidt und Ma ron) zum Firmennamen unseres Verlags gemacht haben, denn wir gedachten, die Schweizer ICT-Szene mit ebensolchem Gebrüll zu erschüttern, was uns ja auch nicht ganz misslungen ist. Über Mohikaner reden wir Huronen nicht.
 
Ebenfalls im Sommer 2004 bezogen wir als Untermieter unsere kleine Fabrikhalle an der Kanzleistrasse im Zürcher Kreis 4 und dachten keine Sekunde daran, dass jemand unseren schönen Firmennamen mit den Damen in Beziehung bringen könnte, die sich die Füsse an der Langstrasse in den Bauch stehen. Besagte Damen sind heute eher der Folklore zuzurechnen, die bei den Aargauern, Solothurnern und Schwyzern, die an warmen Wochenendnächten um ein Uhr Nachts für Stau an der Langstrasse sorgen, für einen wohligen Schauer von Rotlicht, Gefahr und Verruchtheit sorgt. Das hilft, die absurden Preise in den vielen Hipster-Bars, die anstelle der früher tatsächlich etwas verruchten Knellen an jeder Ecke im Kreis 4 anzutreffen sind, zu rechtfertigen.
 
Aus. Vorbei. Basta. Tschüss, bye-bye, adjö-messi. Unsere schöne kleine Fabrikhalle wird zum coolen Loft für coole, sehr gut verdienende Google-Ingenieure, die viel Platz brauchen, denn sie braucht Raum für ihre aus Bio-Reisstroh geflochtene Jogamatte während er daneben Craft-Beer braut.
 
Ab morgen Samstag verlegen die Huronen ihr Tipi nach Zürich Altstetten an die Albulastrasse 55. Wobei: Huronen wohnten nicht in Tipis, sondern in Langhäusern, was auch viel besser zu unseren neuen, grösseren, besseren, wärmeren, sonnigeren und schöneren Büros passt.
 
Ob wir traurig sind? Gewiss: Wir werden Massimo und seine grossartige Küche vom Baracca ebenso vermissen wie den netten Surprise-Verkäufer vor der Migros, das Feierabendbier vor dem Kino Xenix oder in der Sportbar, den kleinen Park an der Pflanzschulstrasse, in dem wir Köstliches vom tamilischen Take-Away verzehrten, den besten Schumacher Zürichs an der Kanzleistrasse, die GL-Sitzungen mit Ceviche im Piccolo Giardino und jenen Kreis-4-Notar, der die schnellste ausserordentliche GV aller Zeiten abhielt, in der er die geänderten Statuten der Huron AG in gefühlt 48 Sekunden vorgelesen hat und damit jede TV-Spot-Sprecherin, die ihr Sprüchlein von der Packungsbeilage schnell, aber niemals so schnell wie besagter Notar es gekonnt hätte, herunterrattert, vor Neid erblassen liesse, wäre sie an besagter GV dabei gewesen.
 
Altstetten wir kommen! (Christoph Hugenschmidt)