Umsatz von Ricoh Schweiz stagniert

Marktentwicklung von Ricoh von 2013 bis 2017: Multifunktionsgeräte (MFP), Printer sowie Production Printing (PP). Bild: Ricoh
Ricoh fokussiert künftig auf die wachstumsträchtigen Bereiche Printing-as-a-Service und Workstyle Innovation.
 
Zuerst zu den nackten Zahlen. Daniel Tschudi, CEO von Ricoh Schweiz, nannte in Wallisellen vor versammelter Pressemannschaft einführend die globalen Zahlen des Herstellers: Mit 105'600 Mitarbeitern in 226 Ländern und Gebieten erzielte der Konzern im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 18,2 Milliarden Dollar. Zwölf Länder hätten dazu gewonnen werden können. Ricoh sei laut Gartner der Marktführer bei den Managed Print Services, so Tschudi.
 
Schweizer Zahlen gibt es bloss in Prozentangaben
Auch für die Schweiz gab es einige Zahlen zu hören. Nach wie vor beschäftigt Ricoh hierzulande rund 400 Mitarbeiter, von denen 150 im Service und Support tätig sind. Umsatzzahlen konnte Tschudi wie bei globalen Konzernen üblich für die Schweiz keine ausweisen, er bestätigte aber Branchengerüchte, in denen von einem Umsatz von "über 150 Millionen Franken" die Rede ist. Der Schweizer CEO hatte eine Erfolgsmeldung zu präsentieren: Das Volumen der Vertragsmaschinen konnte im letzten Jahr um zwölf Prozent gesteigert werden. Laut Tschudi werden rund 90 Prozent aller Geräte von Ricoh unter einem Service-Vertrag betrieben.
 
Letztes Jahr an derselben Stelle wies Ricoh noch ein Umsatzwachstum von elf Prozent aus. Auf Nachfrage sagte Tschudi, dass aufgrund von Marktdruck der Umsatz im Vergleich zum vorherigen Zeitraum flach war. "Wir haben mit mehr Geräten den gleichen Umsatz gemacht", so Tschudi. An schrumpfenden Marktanteilen kann die Entwicklung also nicht liegen. Dies lässt sich auch aus der Marktentwicklung lesen: Bei den Multifunktionsgeräten (MFP) konnte Ricoh von 2013 bis 2017 kontinuierlich um 10,5 Prozent zulegen und hat heute einen Marktanteil von 25 Prozent. Ähnlich sieht es bei Printern aus, wo der Konzern im selben Zeitraum von 2,4 auf 11,1 Prozent Anteil am Kuchen zulegen konnte. Uneinheitlicher präsentiert sich lediglich die Sparte Production Printing, wo der Anteil von 25,7 Prozent nach Berg-und-Talfahrt im ersten Quartal 2017 bei 23,6 Prozent steht.
 
47 Prozent des Umsatzes macht Ricoh mittlerweile mit Dienstleistungen, davon 20 Prozent alleine mit Printing-as-a-Service (PaaS). Dies war dann auch eines der dominanten Themen an der heutigen Pressekonferenz.
 
Der neue Dreijahresplan seit dem 1. April
Seit dem 1. April dieses Jahres hat Ricoh einen neuen Dreijahresplan, einen sogenannten Mid Term Plan. Dieser umfasst vier Schwerpunkte. So sollen die Support-Strukturen nach Marktkriterien transformiert werden. Im Core-Bereich Office Printing will Ricoh die Marktanteile erhöhen, eine profitablen Geschäftstätigkeit verfolgen und die Produktivität verbessern. Im Commercial und Industrial Printing investiert das Unternehmen weiterhin in "vielversprechende Märkte". Es legte dabei einen Fokus auf Geschäftsfelder mit wiederkehrenden Erträgen. Im Office Services schliesslich will man "Value Added Services" anbieten; unter anderem Managed Document Services und Printing-as-a-Service.
 
Letzteres ist ein ambitioniertes Unterfangen. Die Mission geht dahin, dass man die ganze Office-Infrastruktur betreuen will. Man wolle sich als Generalunternehmer für PaaS etablieren, so Tschudi. Eigentlich sei man dabei schon relativ weit. Der nächste grosse Durchbruch würde nicht über die Technologie erfolgen. Der Schweiz-Chef nannte stattdessen in der Präsentation die "Virtualisierung" der Hardware als nächsten Schritt in diese Richtung.
 
Wie kann man sich das im Printing-Bereich vorstellen? Letztlich geht es darum, dass Kunden nur noch für bedrucktes Papier bezahlen wollen statt für Druckergeräte. Schon heute bezahle ein grossteil der Kunden pro Print. Die "Virtualisierung" besteht nun schlicht darin, dass Ricoh die Geräte flexibler zur Verfügung stellen kann: Wenn ein Grosskunde heute 1000 MFPs braucht, morgen 1500 und übermorgen nur noch 800 dann will Ricoh das ermöglichen.
 
Die zweite grosse Baustelle präsentierte Reto Sube-Neumann, Teamleader Business Consulting: Workstyle Innovation. Grob gesprochen geht es dabei darum, die Geschäftsprozesse zu vernetzen und zu vereinfachen; um die Modernisierung des Büros. Dabei setzt Ricoh auf verschiedene Elemente: Zugang zu MFPs und Daten über mobile und smarte Devices, Unterstützung von bereits genutzten Applikationen, Anbindung an eine Cloud – Ricoh betreibt eine eigene Cloud in Japan, nannte aber weitere Anbieter als mögliche Umgebungen –, Vernetzung des Büros sowie flexiblen, smarten Support. Damit reagiert Ricoh auf den erwarteten demographischen Wandel in den Unternehmen hin zu sogenannten Digital Natives; zugleich entwickelt der Konzern aber Lösungen zur Kombination von jenen, die nach wie vor Papier bevorzugen und jenen, die ganz in der digitalen Welt arbeiten.
 
Im Channel den Status Quo beibehalten
Für den Channel hatte Ricoh im Vergleich zum Vorjahr nicht viele Neuigkeiten im Köcher. Direkt bedient werden weiterhin nur Neukunden ab 50 Mitarbeitenden – ausser im Production-Printing. Das Channel-Programm baut auf den bekannten Säulen auf: Projekt- und Sales-Support, Marketing-Unterstützung, Trainings, Bonusprogramm und Zugang zur Serviceorganisation.
 
Vor diesem Hintergrund dürfte der Kundenfokus auf KMUs interessant sein. Ricoh will sein Geschäft mit diesem Kundensegment im Bereich PaaS ausbauen. Aber auch bei den Grosskunden soll es vorwärtsgehen und eine internationale Kundenbasis geschaffen werden. Man habe hier einige dazugewinnen können: Als PaaS-Kunden nennt Rico unter anderem Siemens, Migros, Axa, die Thurgauer Kantonalbank sowie die Universität St. Gallen und den Kanton Bern. (Thomas Schwendener)
 
(Bild Startseite: Chia Ying Yang unter Creative Commons Lizenz.)