Prantl behauptet: Die Cloud ist definitiv da

Seit gut einer Woche sind auch die Huronen mit inside-it.ch und inside-channels.ch in der Cloud. Mit diesem historischen Ereignis sind nun alle Schutzdämme gebrochen. Die Cloud ist definitiv da. Und zwar auch (wenigstens mental) flächendeckend bei den sonst eher IT-konservativen KMUs. Und sie geht auch nicht mehr weg.
 
Daher hier und heute mein (ich verspreche es) letzter Aufruf an alle in der IT tätigen Anbieter: Geht in die Cloud und baut eure Geschäftsmodelle so schnell wie möglich um. Weg vom "Einmal-Deal" hin zum serviceorientierten "Abo-Geschäft". Bereits Mitte 2012 hatte ich in meinem Blog festgestellt, dass der Nutzen für Cloudkunden wahrlich gigantisch werden wird und die damals noch hitzig diskutierten Sicherheitshindernisse daher einfach hinwegzufegen droht. Jetzt, fünf Jahre später, wurden bereits riesige Cloud-Kapazitäten geschaffen, die – so das Gesetz der freien Marktwirtschaft – entsprechend auf den Preis gedrückt haben. Cloudservices werden immer billiger, besser und sicherer und damit für die Kunden immer interessanter. Kein unter starkem Wettbewerbsdruck stehendes Unternehmen kann sich diesem Reiz zur signifikanten Kostenreduktion noch entziehen.
 
Tatsache ist aber auch, dass ich 2017 mit IT-Unternehmern noch immer viel zu oft über den Sinn von Cloud-Angeboten diskutieren muss. "Unsere Kunden fragen kaum nach Cloud-Lösungen, sie bestellen nach wie vor einen eigenen Server als Ersatz der alten Maschine. Und ihre Business-Software wollen Sie ohnehin inhouse behalten" sind häufige Aussagen, die ich so und ähnlich höre. Einzig Office 365 scheint sich durchgesetzt zu haben. Der Kapitalfehler in dieser Überlegung: Man orientiert sich auch strategisch nur am Heute und vergisst dabei, dass die Kunden morgen eventuell ihre Meinung ändern.
 
Angesichts des Konzentrationsprozesses und der massiven Wachstumsraten im Cloudgeschäft könnte nun manch klassisches IT-Unternehmen allerdings zum Ergebnis kommen, dass es für den Gang in die Cloud schon (fast) zu spät ist. Dem ist definitiv nicht so, im Gegenteil.
 
Erstens, die IT der Zukunft spielt sich zu 99 Prozent in der Cloud ab. Wer also seine IT-Produkte und -Lösungen nicht auch in die Cloud bringt, der wird ganz einfach vom Markt verschwinden.
 
Zweitens gilt es zwischen den Anbietern von Cloud-Infrastruktur und Cloud-Software zu unterscheiden. Bei den ersteren frage ich mich ernsthaft, ob die meisten nicht ein Opfer der massiven Anbieterkonzentration und dem dazugehörigen Prinzip "the winner takes it all" werden. Denn mal ernsthaft: Was haben kleinere Cloud-Anbieter den internationalen und nationalen Preisführern wie AWS, MS Azure oder Swisscom noch entgegen zu setzen? Die Nähe und Beziehung zum Kunden? Ich zweifle daran, dass diese im Geschäft mit (austauschbarer) IT-Infrastruktur noch eine massgebliche Rolle spielen wird. Ich kann mir nämlich gut vorstellen, dass Kunden in zehn bis 15 Jahren ihre IT einfach "aus der Steckdose" beziehen wollen. Von wem sie kommt, ist dann völlig egal. Auch wenn der momentane Trend "Cloud-Anbieter brauchen Hilfe vom Channel" noch in eine andere Richtung laufen könnte. Auf alle Fälle wird im Infrastrukturgeschäft die Entwicklung von mehrwertstiftenden Differenzierungs-Strategien über das Thema Cloud hinaus zur Herkulesaufgabe werden. Denn der Kostenvorteil bei den Grossen wird möglicherweise jegliche Unterscheidung innert kurzer Zeit wieder obsolet machen.
 
Bei den Anbietern von Cloud-Software bin ich hingegen optimistischer. Einerseits, weil der Software ohnehin die Zukunft gehört. Andererseits, weil dort auch künftig das Verständnis des Kunden und seines Geschäfts ein entscheidender Wettbewerbsvorteil bleiben wird. Voraussetzung ist jedoch, dass sich auch der Integrator einer cloudbasierten Business-Software mit dem Geschäftsmodell und den Prozessen seiner Kunden auseinandersetzt, diese versteht und sie dann zusammen mit den Kunden individuell verbessert und optimiert. Das ist eine Leistung, die ein zentraler Cloudsoftware-Hersteller à la Microsoft alleine nicht wird bieten können. Für komplette (Business) Software-Lösungen "aus der Steckdose" ohne jegliche Integrations-Dienstleistungen sehe ich daher eher schwarz. Zum gleichen Ergebnis muss übrigens auch kommen, wer sich die Konfigurations-Möglichkeiten eines aktuellen Office-365-Accounts ansieht. Diese stehen an Komplexität nämlich denjenigen On Premise in nichts nach.
 
Urs Prantl (54) arbeitete über 20 Jahre als Softwareunternehmer. Seit Ende 2011 begleitet er Unternehmer aus der IT- und Softwarebranche auf ihrem Weg in eine selbstbestimmte und erfolgreiche unternehmerische Zukunft. Er äussert als Kolumnist für inside-channels.ch seine persönliche Meinung.