Exklusiv: Entlassungswelle bei Crypto

Der High-Security-Experte baut am Schweizer Hauptsitz ab und richtet sich neu aus.
 
Der Security-Markt ist in Bewegung. Im Bereich AV- und "Next Gen"-Security wird aus dem Verdrängungsmarkt ein Wachstumsmarkt. Ganz anders ist die Lage offenbar im Segment Hochsicherheitslösungen für Regierungen, Armee oder Banken.
 
Aus gewöhnlich sehr gut unterrichteter Quelle hören wir, dass Crypto Stellen abbaut. Crypo bestätigt dies. "Es werden 18 Stellen abgebaut. Ein Teil davon hängt mit der Schliessung des Personalrestaurants zusammen. Betroffen sind auch Funktionen in Produktmanagement und -entwicklung, Projektmanagement, Fertigung, Verkauf, Marketing und Kundenschulung."
 
Wenn in der Produktentwicklung gespart werden muss, dann also auch am Hauptsitz Steinhausen? "Der Stellenabbau betrifft hauptsächlich den Unternehmensstandort in Steinhausen," so die Crypto-Sprecherin.
 
Was ist denn los bei den High-Security-Verschlüsselungsgeräten mit proprietären Verschlüsselungsalgorithmen? "Der Crypto AG machen sowohl konjunkturelle wie strukturelle Rahmenbedingungen zu schaffen. So hat der tiefe Ölpreis viele Kunden zu Budgetkürzungen gezwungen, aber auch der teure Franken und das schwierigere regulatorische und politische Umfeld belasten das Ergebnis."
 
Dazu muss man wissen, dass Crypto Niederlassungen in Brasilien, Malaysia, im Sultanat Oman und in den Vereinigten Arabischen Emiraten hat.
 
Konkurrenz preislich überlegen?
Zudem seien die massgeschneiderten Crypto-Lösungen nicht mehr so leicht verkäuflich. Sie seien viel teurer und technisch nicht unbedingt überlegen, meinen Security-Experten. Im Gegenteil: Produkte von Atmedia, Senetas sowie von Rohde & Schwarz würden im High-Security-Bereich immer öfter evaluiert, zertifiziert und gekauft. Weil dies Off-The-Shelf-Produkte sind, seien die Preisunterschiede zu den Crypto-Lösungen beträchtlich.
 
Wie begegnet nun Crypto den genannten Konkurrenten? "Zusätzlich zu den kurzfristigen Kostensenkungen haben wir einen Strategie-Entwicklungsprozess angestossen mit dem Ziel, das Geschäftsmodell so anzupassen, dass die Firma nachhaltig profitabel wird."
 
Aktuell zählt man bei Crypto rund 250 Mitarbeitende und betont: "Der Stellenabbau erfolgt soweit wie möglich durch Frühpensionierungen. Die Kündigungen werden sozial abgefedert."
 
Crypto, 1952 gegründet, wurde in Medien immer wieder verdächtigt, der NSA und anderen Geheimdiensten Backdoors zur Verfügung zu stellen, bestritt dies aber immer oder verweigerte den Kommentar. Wem Crypto genau gehört, bleibt ebenfalls verschlüsselt. Offenbar steht eine Stiftung hinter dem Unternehmen. (Marcel Gamma)