Der nächste RZ-Versuch im Glarner Land

Der künftige RZ-Standort auf dem malerisch gelegenen Legler Areal (Foto: HIAG Immobilien)
Unter dem Namen Data Center Light sollen bis zu 7700 Quadratmeter RZ-Fläche in den nächsten Monaten in Glarus Süd verfügbar sein.
 
Nach dem Flop des hochfliegenden Densitas-Projektes (DeepGreen) mit einem wassergekühlten Rechenzentrums (RZ) am Walensee, ist kürzlich "Data Center Light" an den Start gegangen. Es handelt sich um einen Brand der Firma Ungleich von Nico Schottelius. Die finanziellen Dimensionen sind diesmal aber nicht nur viel bescheidener, sondern auch für ein Rechenzentrum ziemlich gering. Mit drei Millionen Franken will der 2005 in die Schweiz gekommene Schottelius mit VM-Hosting (Virtual Machine) zunächst in der Schweiz, dann in Deutschland und ganz Europa ins Geschäft einsteigen.
 
Der erste Kunde aus Bern, den Namen will Schottelius im Gespräch mit inside-it.ch (noch) nicht nennen, werde nächste Woche mit zehn VMs die Arbeit aufnehmen. Geplant ist mit ihm der Ausbau auf 70 bis 80 VMs. Derzeit stünden 200 Quadratmeter in Au in Schwanden in einem Einfamilienhaus zur Verfügung, in denen aktuell das RZ im Prototypen-Massstab betrieben wird.
 
Von hier aus führt Schottelius die von ihm 2013 gegründete Firma Ungleich, die das Design, die Konfiguration und Pflege von Linux-Infrastrukturen anbietet. Schottelius, der sich auch im Steuerungsausschuss von NüGlarus engagiert, sieht Glarus bereits als Swiss IT Valley und hat auch Digital Glarus im sogenannten Digital Chalet Schwanden initiiert. Das bietet Coworking-Spaces für Freiberufler, Startups oder Kreativen an, also Arbeitsplätze inklusive der nötigen Infrastruktur.
 
Richtig losgehen mit dem RZ soll es dann mit einem zweiten Standort auf dem Legler-Fabrik-Areal des Gebäudeentwicklers HIAG in Diesbach in der Gemeinde Glarus Süd. Dort sollen in den nächsten drei bis sechs Monaten weitere bis zu 7700 Quadratmeter RZ-Fläche hinzukommen, wie ein Zuversicht verbreitender Schottelius ausführt. Allerdings sind die grossen Flächen auch nötig, denn die Rechner sollen nur luftgekühlt werden, wie er ausführt. Das heisse, statt der üblichen 40 Server auf einem Quadratmeter steht nur ein Server auf fünf Quadratmetern, führt er aus.
 
Die breite Masse im Blick
Die Notstromversorgung sei durch die fabrikeigenen Stromaggregate sichergestellt. Abgesehen davon soll sich der gesamte Bereich rund um das Thema Sicherheit agil entwickeln und sukzessive ausgebaut werden. Der Standort in Schwanden werde dann für das Backup und als Vorführort möglicher Business-Cases genutzt. Hochsicherheitsansprüche etwa der Finma (Eidgenössische Finanzmarktaufsicht), so Schottelius, seien derzeit und auch auf absehbare Zeit nicht erfüllbar. Es gehe darum RZ-Kapazitäten auf einem sehr realitätsnahen Level einer breiten Masse günstig verfügbar zu machen.
 
Das ist die nächste Herausforderung die dem Data Center Light mit seinem Geschäftsmodell bevorsteht. Schottelius will den Massenmarkt adressieren und insbesondere mit günstigen Preisen trumpfen. Profitieren könne man dabei nicht zuletzt von den billigen Mieten im Glarnerland, sagt er. Man trete in Konkurrenz zu grossen und grössten Anbietern wie Amazon, Microsoft und Rackspace, erklärt der Initiator.
 
Insbesondere die mit NüGlarus verfolgte Einführung einer schnellen Internetverbindung im gesamten Kanton bis Anfang 2018 ist für das internationale Geschäft natürlich eine Voraussetzung, sagt Schottelius. Der Standort Schwanden soll noch heute angeschlossen werden und das Legler Areal wird es dann auch sein, sagt er. Die drei Millionen Franken sollen übrigens vor allem ins Marketing fliessen. Zur Finanzierung äussert sich der Gründer derzeit nicht. (Volker Richert)