"Lieber stark in der Schweiz, als schwach in Europa"

Erna Bieri-Hunkeler, Roland Brack und Robert Küng mit Einweihungsscheren (v.l.n.r)
Die Competec-Gruppe weiht neue Logistikanlagen ein und Chef Roland Brack zeigt seinen Maschinenpark und seine Strategie.
 
"Der E-Commerce-Markt ist nach wie vor dynamisch und schnell wachsend". Das klingt gut und fast wie eine Binsenwahrheit. Die Aussage ist auch wahr, doch in der Praxis ist es nicht immer einfach, mit dem Markt zu wachsen. Das zeigte sich bei der Einweihung der neuen Anlagen im Competec-Logistikzentrum Willisau.
 
Die Competec-Gruppe, zu der unter anderem Alltron und Brack.ch gehören, hat wiederum viel Geld in die Hand genommen, um dem Markt zu folgen: 20 Millionen Franken hat man in Willisau in leistungsfähigere Logistik-Anlagen investiert. Und die braucht es, wenn man das Ziel, die Verdoppelung der Paketanzahl, erreichen will.

Unter Führung von Gründer und CEO Roland Brack konnten geladene Besucher heute diese Anlagen besichtigen. Dazu zählt die zweite Autostore-Anlage, die kürzlich in Betrieb genommen wurde. Sie soll die Kapazitäten und die Effizienz erhöhen, dient aber auch als redundante Anlage bei einem Ausfall des ersten, bestehenden automatischen Kleinteilelagersystems. Das neue wird im Wesentlichen von 92 Robotern bewirtschaftet, die jeder zwei Radsätze hat und horizontal in vier Richtungen fahren kann.

So sausen die Wägelchen mit E-Book-Readern oder Adaptern herum, aus den Lagertiefen werden Produkte in einem der 124'000 Behälter nach oben befördert, wo sich die Wägelchen schliesslich brav einreihen, bis Menschen den letzten Arbeitsschritt übernehmen: Erst zum Schluss, beim Verpacken, kommen nämlich die wesentlich leistungsfähigeren menschlichen Hände zum Einsatz.

Hinter den Hochregallagern, den beiden Autostores und den Schnellverpackungsanlagen verbirgt sich ordentlich Informatik. Zum Einsatz kommt unter anderem im Autostore ein Standardprodukt aus Norwegen, die Anlagensteuerung kommt von Swisslog und im ERP steckt viel Software Marke Eigenbau.
 
1,5 Millionen Pakete werden heute jährlich aus Willisau versandt, 15'000 sind es täglich an Spitzentagen. Im Endausbau will man bei Competec 180 bis 200 Roboter einsetzen.

Mehr Roboter führen zu mehr Arbeitsplätzen
Die Kapazitäts- und Effizienzsteigerung verbunden mit hoher Automatisierung führe aber nicht zu Arbeitsplatzabbau, erläuterte Brack beim Rundgang. Der Anteil "Handarbeit" bleibe gleich, und da man mehr ausliefern will und kann, beschäftige man mehr Leute in der Kommissionierung.
 
150 Mitarbeiter beschäftigt die Gruppe inzwischen in Willisau und weil dies wertvolle Arbeitsplätze seien, waren sowohl Gemeindepräsidentin Erna Bieri-Hunkeler als auch der Luzerner Regierungsrat Robert Küng am Medienanlass des Lobes
Roland Brack vor seiner zweiten Autostore-Anlage
voll und vergassen auch nicht, das Sponsoring lokaler Sport- und Kulturvereine zu würdigen.
 
In Mägenwil ist das Lager Geschichte. Es verbleiben im aargauischen aber weitere 380 Mitarbeiter, vom Marketing bis hin zu den Inhouse-IT-Teams, welche die Eigenentwicklungen im ERP und den Online-Shop vorantreiben sowie für Support da sind. Warum diese "Make-statt-Buy"-Philosophie? Das gehöre zur Firma, sagt der ?Gruppenleiter Redaktion und PR, Daniel Rei, man habe immer viel selber machen wollen und könne so auch schneller reagieren.
 
In einer Beta-Version getestet wird nun der neue brack.ch-Shop. Hinter dem IT-Team liegt laut Roland Brack ein Jahr Entwicklungszeit und gelauncht wird der Shop, sobald alles dafür bereit ist. Ein fixes Launch-Datum gebe es nicht, antwortete er auf die Frage von inside-channels.ch, Ende 2017 wäre sehr gut.
 
Netzsperren gegen Aliexpress?
Brack antwortet auch auf Fragen zur Strategie. "Nein", sagte er, Pläne für den Auslandgang gebe es keine, solange man in der Schweiz wachsen könne. "Ich bin lieber stark in der Schweiz, als schwach in Europa".
 
Die Konkurrenz aus dem Ausland aber tue weh, sagte er. Die Ellen seien ungleich. Speziell chinesische Versandhäuser wie Aliexpress mit ihren Privilegien machen ihm zu schaffen. Ist er deshalb für Netzsperren für diese Anbieter? "Nein", so Brack auf die Frage. "Wir stellen uns gern dem Wettbewerb, aber ich will, dass alle mit denselben Ellen kämpfen."
 
Der Markt wächst, der Markt ist dynamisch, es gibt Innovationen in der Logistik, man will und kann mehr Produkte lagern und ausliefern. Es gibt, so Brack, gar einen Zwang zu wachsen: "Wer im hart umkämpfen Onlinehandel am Ball bleiben will, muss wachsen."
 
Aber manchen geht dies zu schnell und ist dies zu hoch: So haben Anwohner gegen Pläne einer nächsten Betriebserweiterung Beschwerde erhoben. Der geplante 50-Millionen-E-Commerce-Bau würde, falls gebaut, ihnen vor der idyllischen Luzerner Fernsicht stehen.
 
Seit einem Jahr warten beide Parteien auf das Gerichtsurteil, inzwischen sucht Brack Zwischenlager. Und seine Competec hat sich Ende April das Kaufrecht für weitere 20'000 Quadratmeter Bauland von der Korporation Stadt Willisau gesichert. Für einen weiteren Ausbauschritt. (Marcel Gamma)
 
Interessenbindung: Alltron und brack.ch sind Werbekunden.