Schweizer Softwareprojekte (erst) jetzt mehrheitlich agil

Wenn es um Softwareentwicklung geht, wird an Konferenzen, Kongressen usw. schon seit Jahren fast nur von agilen Methoden gesprochen (Wenn es nicht gerade eine Hermes-Anwenderkonferenz ist). Da erstaunt es, dass laut der aktuellen Studie Software Development 2017 von SwissQ die Anzahl der Projekte in der Schweiz, bei denen vorwiegend agil vorgegangen wird, erst in den letzten Monaten die Zahl der "Wasserfall"- beziehungsweise iterativen Projekte übertroffen hat. Von den Projekten, an denen die rund 400 Teilnehmer an der aktuellen Umfrage beteiligt sind, werden 58,3 Prozent vorwiegend agil durchgeführt, 31,7 Prozent nach der Wasserfall- oder einer anderen iterativen Methode. In der Ausgabe 2016 waren erst 43,8 Prozent der Projekte vorwiegend agil.

 
Die Studie von SwissQ nimmt keine Repräsentativität in Anspruch. Angesichts der Teilnehmerzahl und der vielen vertretenen Branchen sollte sie aber solide Hinweise auf Trends vor allem bei grösseren Projekten geben. Fast 70 Prozent der von den Teilnehmern geführten Projekte hat ein Volumen von einer Million Franken oder mehr. (hjm)
 
(Anmerkung: Dies ist eine Bildstrecke. Mit einem Klick auf den Pfeil nach rechts gelangen sie zu weiteren Ergebnissen.)

Die Grenzen zwischen klassischen iterativen und agilen Projekten verschwimmen allerdings immer mehr. Auch wenn ein Projekt überwiegend als Wasserfall bezeichnet wird, stecken 2017 bei über der Hälfte auch Scrum, Kanban und andere neumodische "Fremdkörper" darin. Vor einem Jahr waren es noch rund ein Drittel. Auch in vorwiegend agilen Projekten hat knapp ein Drittel auch Wasserfall- und Hermes-5-Aspekte. Auffallend ist hier aber auch die Zunahme der Anwendung von Kanban.

Obwohl agile Methoden immer stärker adaptiert werden, hält sich die Begeisterung anscheinend bei vielen Anwendern in Grenzen. Insgesamt 42 Prozent, ein Prozent mehr als vor einem Jahr, finden zwar, dass ihre Erwartungen durch die Einführung von Agilität erfüllt worden sei oder sogar, dass alles super laufe. Dem steht allerdings eine Mehrheit gegenüber, denen alles etwas zu lange dauert, zu komplex ist oder die Erwartungen nicht erfüllt.

Agilität findet immer noch mehrheitlich in der Entwicklung statt. In anderen Bereichen ist sie noch deutlich weniger verbreitet, am ehesten noch im Projekt-, Produkt- und Releasemanagement. Entsprechend tun sich viele IT-Organisationen in der übergreifenden Zusammenarbeit schwer.

 
Die komplette Studie mit vielen weiteren Ergebnissen kann bei SwissQ kostenlos bestellt werden. (hjm)