IBM mit nur noch einem Disti in der Schweiz – ein Problem?

Seit der Übernahme des VAD Avnet Technology Solutions durch Techdata hat IBM in der Schweiz nur noch einen Distributor. Das bestätigt auf Anfrage auch Marc Lenzin von der One Channel Organisation bei IBM Schweiz. Hierzulande habe man nur noch einen Disti für Soft- und Hardware. Der Disti Also war zwar zuletzt noch Hardware-Partner für IBM in der Schweiz, hat den Vertrag aber auf Ende 2016 gekündigt. Der Hardware-Umsatz mit IBM sei zu gering gewesen, so Also auf Anfrage. IBM-Systeme ohne Software zu verkaufen, sei kaum mehr möglich, zumal sich IBM ohnehin aus dem reinen Hardware-Geschäft immer mehr verabschiede. Ablesen lässt sich dieser Trend auch an den Quartalszahlen.
 
Bei den IBM-Partnern im Channel nimmt man die Entwicklung erstaunlich gelassen, wobei viele gleichwohl erwarten, ihre Namen nicht in der Presse zu lesen. Es sei zwar bedauerlich, keine Auswahl mehr zu haben und sicher besser auf mindestens zwei Distis zurückzugreifen. Doch sowohl von TechData wie von Avnet sei man bisher schon sehr fair behandelt worden und hoffe, dass das auch in Zukunft so bleiben wird, heisst es auf Anfrage bei einem der grossen hiesigen IBM-Partner. Diese gute Zusammenarbeit mit TechData respektive Avnet unterstreicht auch Mathias Keller, CEO von UMB, dem grössten IBM-Partner, und betont, wie wichtig eine gut funktionierende Distribution ist. Andere Stimmen im Channel sind hingegen der Meinung, weil die Hard- und Software bei IBM generell an Bedeutung verliere, relativiere sich auch die Bedeutung der Distis.
 
Unterstützt wird diese These auch von den Resellern, die verstärkt auf Cloud-Bezugsmodelle setzen. Hier spielten die Distributoren kaum mehr eine Rolle und der allenfalls mit mehreren Distis mögliche Wettbewerb im Pricing könne vernachlässigt werden, so andere IBM Reseller.
 
Lenzin geht auf konkrete Fragen zur Wettbewerbssituation zwar nicht ein, teilt aber mit, der "Channel spielt heute schon eine sehr wichtige und immer grössere Rolle für unser Geschäft und damit natürlich auch die Distribution". Da zunehmend integrierte Lösungen gefragt sind, sei die Distribution zentrale Schnittstelle. "Sowohl was technische Angebots- und Pricing-Unterstützung für die Reseller angeht, als besonders auch für die Vernetzung zwischen den Partnern und die Ausbildung und Skillentwicklung". Konkreter auf den nun fehlenden Wettbewerb will man bei IBM jedoch nicht eingehen. Immerhin schiebt Lenzin nach, man sei offen für "neue Geschäftspartner für das Ecosystem". Weitere Details diskutiere man nicht öffentlich, so IBMs Pressestelle. (vri)