Snowden: "Wir müssen bessere Produkte bauen"

Edward Snowden per Videoschaltung an der CeBIT. Bild: CeBIT
An der CeBIT lobt Edward Snowden HTTPS und kritisiert Alexa und Cloud-Provider: Sie seien nicht vor Regierungsüberwachung sicher.
 
Edward Snowden zieht auch heute noch. Auch an der datenverliebten CeBIT, wo die Tech-Branche Big Data, User Behaviour Analytics und die digitale Totalüberwachung aus Compliance-Gründen feiert. Hunderte verfolgen, was der Whistleblower per Videoschaltung aus dem russischen Exil zu sagen hat, viele müssen stehen.
 
Gleich zu Beginn zieht Snowden, differenziert argumentierend, Bilanz. Aktuell seien wir nach wie vor im goldenen Zeitalter der Überwachung. "Alles, was via Internet übermittelt wird, das wird auch überwacht und gespeichert." Speziell erwähnt er Metadaten sowie Amazons Alexa und Apples Siri, die er als veritables "Datenschutz-Desaster" betrachtet.
 
Gleichzeitig bilanziert Snowden Fortschritte bei den Verschlüsselungstechniken: HTTPS und die Zwei-Faktor-Authentifizierung seien immer weiter verbreitet. "Dies treibt die Internet-Gauner vor sich her", sagte Snowden. Doch echte Sicherheit bedeute dies nicht. Websites, die ohne funktionierende Verschlüsselung genutzt werden "sind wie ein Restaurant, das nicht vom Gesundheitsamt kontrolliert wurde".
 
Zudem würden Regierungen den Markt für Zero-Day-Exploits fördern, indem sie Vulnerabilities und entsprechende Firmen selbst kaufen. Spyware von Hacking Team und FinFisher nennt er als Beispiele.
 
Gesetze genügen nicht
Was tun? Die Datensicherheit wird nicht von Gesetzen geschützt werden, so Snowden, sondern nur durch den Einsatz sicherer Technologien. Er appelliert an die Hersteller. Sie müssten durch die ganze Lieferkette sicherstellen, dass ein beispielsweise in den USA oder Grossbritannien gekauftes Gerät keine GovWare enthalte, wenn es vom Kunden ausgepackt wird. Er forderte eine entsprechende unabhängige Überprüfungsinstanz.
 
Ähnliches gilt für die Cloud. Den Datenspeicherort hält Snowden aktuell für zweitrangig. Sowohl in den USA, Deutschland oder anderen Staaten sieht er ein starkes Interesse der Regierung an Überwachung. "Wenn Ihre Daten so wichtig sind, dass niemand sie sehen darf, dann speichern Sie diese nicht in den USA. Aber das heisst nicht, dass Sie diese in Deutschland speichern sollten."
 
Er wiederholt seinen Appell an die ICT-Branche: "Wir müssen bessere Technologie bauen, so dass wir wichtige Daten auch in Deutschland oder den USA speichern können!"
 
Die einzige Möglichkeit, sich in der digitalen Welt vor Überwachung zu schützen, sei, Technologie zu verstehen. Wer sich als Kind im Hacken übt, der lerne wie Technologie funktioniert, könne sich wehren und selbst kreative Lösungen finden. Edward Snowden argumentiert hier nicht wie die Schweizer ICT-Branche, welche richtige Informatik als Schulfach etablieren will. Aber das Ziel ist dasselbe. Sein Wort in des Lehrkörpers Ohr. (Marcel Gamma)