Avaloq zu einem Drittel verkauft

Warburg Pincus übernimmt 35 Prozent von Avaloq und wird Hauptaktionär. Der Deal bewertet den Schweizer Softwarehersteller mit über einer Milliarde Franken.
 
Das global tätige Private-Equity-Unternehmen Warburg Pincus hat via ein Tochterunternehmen 35 Prozent der Anteile der Zürcher Avaloq Gruppe aufgekauft. Der Deal bemesse den Unternehmenswert von Avaloq auf über eine Milliarde Franken, teilt der Bankensoftwarehersteller heute Morgen mit. Warburg Pincus glaube an global steigende Nachfrage nach Digital-Banking-, Outsourcing- und Software-as-a-Service-Lösungen.
 
Die von Warburg Pincus übernommenen Aktien stammen von Gründern, dem Management und Mitarbeitenden des Unternehmens, also bestehenden Aktionären. Direkt wird also kein Geld ins Unternehmen selbst fliessen. Trotzdem dürfte der Eintritt des neuen Hauptaktionärs Kunden und Partnern von Avaloq neue Stabilität signalisieren. Avaloq hatte vor knapp zwei Jahren die hiesige IT-Szene mit Entlassungen aufgeschreckt. Obwohl kurz darauf Raiffeisen zehn Prozent der Aktien übernahm, gab es seither einige Gerüchte, dass Avaloq mit Liquiditätsschwierigkeiten kämpfe.
 
Trotz des Einstiegs von Warburg Pincus behalte der Unternehmsgründer und CEO Francisco Fernandez 28 Prozent der Anteile, so die Mitteilung. Weitere 27 Prozent würden beim Management und den Mitarbeitenden bleiben. Daraus schliessen wir, dass Raiffeisen wohl seine zehn Prozent vorerst ebenfalls behält.
 
Francisco Fernandez wird neu auch die Rolle des Verwaltungsratspräsidenten übernehmen. Der bisherige Deputy-CEO Jürg Hunziker bleibt stellvertretender CEO und wird Group Chief Markets Officer (CMO).
 
Gleichzeitig wird ein mit Bankenmanagern besetztes "European Advsory Board" geschaffen. Zum neuen Gremium gehören Jacques Aigrain, früherer Chief Executive Officer von Swiss Re und Verwaltungsratspräsident von LCH.Clearnet, Stefano Boccadoro, früherer General Manager der Cassa Lombarda und Chief Executive Officer von Santander Italien, Stefan Krause, früherer Chief Financial Officer der Deutschen Bank und von BMW sowie Javier Marin, früherer Chief Executive Officer von Banco Santander.
 
Endziel Börsengang
Warburg Pincus werde die internationale Wachstums- und Wertschöpfungsstrategie von Avaloq beschleunigen, so die Mitteilung von heute. Dazu solle unter anderem das grosse Netzwerk des Investmentunternehmens unter Banken und Vermögensverwaltern beitragen. Details dazu, wie das Finanzunternehmen bei der Expansion helfen soll, sind der Mitteilung aber nicht zu entnehmen.
 
Am konkretesten dürfte der Einfluss von Warburg Pincus beim Ziel sein, Avaloq in einigen Jahren an die Börse zu bringen. Man werde von "Warburg Pincus' Expertise auf unserem weiteren Weg hin zur Kapitalmarktfähigkeit profitieren", so Francisco Fernandez.
 
Bis zum Börsengang wird es aber noch einige Zeit dauern. Der Investitionshorizont von Warburg Pincus, so Avaloq, betrage sieben Jahren. (Hans Jörg Maron)