Google buhlt um Grossunternehmen

Diane Greene, SVP Google Cloud.
Der Internetkonzern will Grosskunden mit AI- und Machine-Learning-Tools auf seine Cloud-Plattform locken.
 
Vergangene Woche ging in San Francisco die Google Cloud Next Konferenz über die Bühne. Dabei zeigte der Konzern auch, was im Cloud-Business alles geplant ist. Vor rund einem Jahr kündigt Google an, die Cloud-Plattform in weiteren Regionen verfügbar zu machen. Bis Ende 2017 soll das Angebot um zehn weitere Regionen ausgebaut werden.
 
Während der Konferenz habe sich Google sehr aktiv bemüht, Unternehmen die Vorteile der Google-Cloud näher zu bringen, berichten verschiedene Medien. Auch standen laut 'InfoWorld' diverse, grosse Unternehmenskunden auf der Bühne. Dazu zählen Colgate, Disney, HSBC, Schlumberger und Verizon. In der Schweiz gehört Tamedia zu den grossen Google-Kunden.
 
Daneben gab der Konzern ein überarbeitetes Partnerprogramm bekannt. Neu gibt es die vier Spezialisierungen App-Entwicklung, Data Analytics, Machine Learning und Infrastruktur. Google-Partner sollen ausserdem finanzielle Unterstützung in Form von Kofinanzierung oder Darlehen sowie mit erweiterten Rabattprogrammen erhalten.
 
Machine Learning und künstliche Intelligenz
Als Merkmale der Google-Cloud werden Analytics, AI und Machine Learning herausgehoben. "Die Cloud ist nicht mehr nur noch der Ort, wo Daten gespeichert werden", zitiert 'Indianexpress' Cloud-Chefin Diane Greene. Datenanalyse und Machine Learning seien die Stärken von Google. Dies solle auch den Enterprise-Cloud-Kunden zu Nutze kommen, führte Greene weiter aus. CEO Sundar Pichai ergänzt: "15 Jahre lang haben wir stark in Machine Learning und AI investiert. Nun sollen auch Unternehmen von den von uns entwickelten Tools profitieren können."
 
Kürzlich hat das Unternehmen Fei-Fei Li, eine Spezialistin im Bereich der künstlichen Intelligenz, eingestellt. Li gehört zu den Entwicklerinnen von ImageNet. Dabei handelt es sich um eine Bilderdatenbank, die für die Entwicklung von Bilderkennungssoftware verwendet werden kann. Li kündigte im Rahmen der Google-Konferenz eine Video-Intelligence-Schnittstelle an. Ein Medienunternehmen beispielsweise könne diese verwenden, um in kurzer Zeit eine grosse Menge von Video-Daten nach einem bestimmten Inhalt oder Objekt zu durchsuchen. Der Service mache das Extrahieren von Informationen aus Videos so einfach wie aus Bildern, sagte sie laut 'Tech Crunch'.
 
Um die Fähigkeiten im Bereich Machine Learning auszubauen, übernimmt Google die Data-Science Plattform Kaggle. Der Kaggle-Community gehören rund 800'000 Data-Scientists an. Kaggle bietet Datensets, die öffentlich verfügbar sind und für Machine Learning eingesetzt werden können. "Die Demokratisierung von künstlicher Intelligenz ist wichtig. Wir möchten diese Tools der grösstmöglichen Community aus Entwicklern und Unternehmen zur Verfügung stellen", wird Li von 'Indianexpress' weiter zitiert.
 
Kann Google aufholen?
Der Public-Cloud-Markt wird von AWS dominiert und Google liegt hinter Microsoft Azure auf einem abgeschlagenen Rang drei. Analysten bleiben trotz der Ankündigungen skeptisch, ob Goolge diese Lücke schliessen kann. "Das Unternehmen hat noch einen weiten Weg vor sich. Ein paar neue, grosse Kunden ändern dies so schnell auch nicht", zitiert 'Reuters' einen Analysten von Jackdaw Research. Greene betonte an der Konferenz jedoch, dass man eine Reihe von Deals abgeschlossen habe. Weitere Ankündigungen von neuen Grosskunden könnten also bald folgen. (kjo)