Was trägt die Schweizer Software-Industrie zur Digitalisierung bei?

Geplant 2017: Studienteilnehmer können Performance vergleichen (Screenshot, Entwurf).
Der Swiss Software Industry Survey ist die grösste Untersuchung über die Software-Branche. Softwareunternehmer und die Studienmacher haben die Eckpunkte der Studie 2017 festgelegt.
 
Der Swiss Software Industry Survey (SSIS) ist die grösste Untersuchung über die heimische Software-Branche. Sie zeigt jährlich die Konjunktur der Branche auf und rückt jeweils ein aktuelles Thema in den Fokus. 20 Software-Unternehmen und die Studien-Verantwortlichen, ICTSwitzerland, Universität Bern und Sieber & Partners, diskutierten in einem zweiteiligen Workshop, was 2017 thematisiert werden soll.
 
Im ersten Teil des SSIS-Workshop wurde das Fokusthema 2016, "Internationalisierung" aus der letztjährigen Studie besprochen. Es wurde klar, es gibt mehr international erfolgreiche Softwareunternehmen in der Schweiz, als gemeinhin angenommen wird.
 
Andreas Kaelin, Geschäftsführer des Dachverbands ICTSwitzerland, erläuterte, dass man deshalb Softwareunternehmen an die CeBIT, ins Silicon Valley und nach Dubai begleitet, wo sie ein internationales Publikum antreffen. Adrian Bachofen, Gründer der bbv, berichtete am Workshop über seine Erfahrung in der Internationalisierung. Was bei der bbv in Vietnam und Deutschland wegen Ressourcenengpässen begann, ist heute die Grundlage für die Marktexpansion ins Ausland. Bachofen legte dar, dass es eines sei, ein Cost Center im Ausland zu betreiben, ein anderes sei der Schritt zum Profit Center. Dieser bedeute mindestens nochmals dieselbe Anstrengung.
 
"Anstrengung" ist wohl das richtige Wort, denn mit Geld allein, einer Investition also, ist es nicht getan. Professor Dr. Jens Dibbern, Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Universität Bern und Studienleiter, bestätigt: Die Internationalisierung mit Software sei etwas Besonderes. Software ist mit der Erstellung nicht fertig, sondern sie wird während der Nutzung immer wieder angepasst, integriert, weiterentwickelt, so dass jeder Export zu einem Dauerengagement wird.
 
Und dieses Dauerengagement will organisiert sein. Der SSIS 2016 zeigte, dass die meisten Softwarefirmen ein Auslandengagement basierend auf ihren Fähigkeiten eingehen. Einige gehen mit ihren Kunden mit und nur wenige wählen die Zielländer strategisch und nach eingehender Marktanalyse aus. Pikant dabei ist die Erkenntnis: Erstere, die am häufigsten gewählte Strategie, ist am seltensten erfolgreich.
Weitere Resultate haben wir zusammengefasst als Bildergalerie.
 
Wo liegt die Wertschöpfung für Software-Firmen?
Im zweiten Teil des Workshops wurde das Fokusthema für 2017 diskutiert. Dr. Thomas Huber und Thomas Hurni, die beiden Studienmacher von der Universität Bern, haben das Thema "Digitalisierung" aufgegriffen. Alle Welt spreche von der Digitalisierung und die Softwarefirmen seien die Motoren hinter diesem Trend. Dabei stellt sich für die Wissenschafter die Frage, welchen Beitrag die Softwarefirmen tatsächlich leisten können und sollen.
 
Die Softwareindustrie ist eine Zulieferbranche. Ihre Chance sei es, die Innovation anzutreiben, die ihre Kunden dann aber verwirklichen.
 
Zur Diskussion stellten die Wissenschaftler ein Modell des Massachusetts Institute of Technology (MIT), das die Digitalisierung in "Customer Experience", "Operational Process" und "Business Model" unterteilt.
 
Die am Workshop teilnehmenden Softwareunternehmer haben ihre Tätigkeiten diesen drei Feldern zugeordnet. Es zeigte sich, dass viel Wert durch das Bereitstellen von Basisdiensten gestiftet wird. "Wir stellen z.B. Cloud-Plattformen zur Verfügung, wofür die Kunden diese auch immer brauchen", meinte ein Teilnehmer.
 
Viele Unternehmen gehen aber einen Schritt weiter und bieten mit ihrer Software eine spezifische Verbesserung der Prozesse und sogar der Geschäftsmodelle. "Wir sind mit einigen unserer Tätigkeiten eigentlich gar keine Softwarefirma mehr, sondern ein Job-Vermittler", meinte ein Teilnehmer. Dabei kam die Frage auf, ob Firmen wie Uber oder jobs.ch nicht eigentlich auch zur Softwarebranche gezählt werden müssten. Schliesslich tragen diese Firmen zur Digitalisierung sehr viel bei und ihre Produktion besteht zu einem wesentlichen Teil aus Softwareentwicklung.
 
Diese und weitere Inputs aus dem Workshop verarbeiten die Studienmacher jetzt, so dass im April die Befragung 2017 gestartet werden kann. Sie läuft bis Ende August. Danach werden die Resultate ausgewertet und der SSIS 2017 als Studie erstellt. Gleichzeitig baut die Universität Bern die Benchmarking-Plattform aus, um den Nutzen der Studie noch zu vergrössern: Alle Softwarefirmen, die beim SSIS 2017 mitmachen, können nämlich ihre Performance und vieles mehr mit ausgewählten ähnlichen Firmen und mit dem Gesamtmarkt vergleichen.
 
Die Resultate des SSIS 2017 werden am 31. Oktober 2017 ab 14 Uhr am CNO Panel No. 17 im Stade de Suisse in Bern erstmals präsentiert. (Pascal Sieber)
 
Pascal Sieber ist Chef des Berner Beratungsunternehmens Sieber & Partners.
 
Interessenbindung: inside-it.ch und inside-channels.ch sind erneut Medienpartner des SSIS 2017.