MWC: Wenn das Mietauto den Parkplatz bezahlt

In Barcelona zeigt SAP mit Partnern den Connected-Car-Prototyp.
SAP, Concur, Nokia und der Autovermieter Hertz stellen einen Prototypen des SAP Vehicles Network vor. Mit der App lassen sich Mietautos buchen und "personalisieren" sowie Parkplätze suchen, reservieren und bezahlen.
 
Mit viel Begeisterung spricht SAP-Manager Gil Perez über leere Parkplätze. Perez ist beim deutschen Softwareriesen für den Bereich Connected Vehicles & IoT Security und damit für das Leonardo-Portfolio verantwortlich. "Die Parkplatzsuche ist das am meisten unterschätzte und das am wenigsten beachtete Problem in einer Stadt", glaubt Perez und zeigt im Gespräch mit inside-channels.ch am Mobile World Congress in Barcelona eine App, die Geschäftsreisenden das Leben - oder wenigstens die Parkplatzsuche - etwas erleichtern soll. Über die App können Nutzer nicht nur ein Mietauto auswählen, sondern auch ihre Lieblingsmusik und Kontakte von der Cloud auf den Bordcomputer des Autos laden und schliesslich auch einen Parkplatz suchen, buchen und bezahlen.
 
SAP hat das Connected Vehicles Network vergangenes Jahr in Barcelona vorgestellt. Nun zeigt der Softwarehersteller den "Connected-Car-Prototyp", der in einer Kooperation von SAP und Concur, dem Spezialist für Spesenabrechnugen, Nokia und dem Autovermieter Hertz entstanden ist. SAP teilt ausserdem mit, dass Mojio nun ebenfalls Teil des SAP-Vehicles-Netzwerkes ist. Mojio ist eine Plattform für vernetzte Fahrzeuge und Partner der Deutschen Telekom und T-Mobile USA. Damit können Autofahrer in den USA und in Europa künftig Parkgebühren über ihre App begleichen.
 
SAP-Plattform als Marktplatz für weitere Partner
Für den Connected-Car-Prototyp liefert Nokia die IoT-Plattform "Intelligent Management Plattform for All Connected Things" (Impact). Diese ist mit dem Zahlungssystem von SAP Vehicles Network verknüpft. Reserviert der Fahrer einen Parkplatz, wird er dorthin navigiert. Ist der Parkplatz mit einer Schranke verschlossen, öffnet sich diese automatisch, wenn sich das Auto nähert und auch die Bezahlung wird automatisch abgewickelt. Die Integration in Concur ermöglicht es ausserdem, weitere Spesen zu erfassen und automatisch abzurechnen.
 
Über die Plattform stellt Nokia ausserdem eine "Personalisierung" des Autos zur Verfügung. Die Lieblingsmusik oder Kontakte werden von der Cloud automatisch auf den Bordcomputer geladen und auch die Sitzeinstellungen können gespeichert werden. Gibt der Fahrer das Mietauto zurück, werden diese Daten vom Auto gelöscht, verspricht Nokia.
 
SAP versteht sich hier als Marktplatz oder Plattform-Anbieter. SAP selbst bietet keine Mobile-Payment-Apps oder Parkplätze an, will aber unterschiedlichen Partnern eine Möglichkeit zur Vernetzung bieten. Denkbar sei auch eine Integration von Restaurants, die Bestellungen von Smartphones aus zulassen. Bevor der Nutzer zu einem Meeting fährt, kann er sich noch einen Kaffee bestellen und auch gleich bezahlen.
 
Mit den zusätzlichen Services, wie im Mietauto die Lieblingsmusik zur Verfügung zu stellen, wird noch kein Zusatzumsatz generiert, so Perez im Gespräch. Aber wenn für Parkplätze oder an der Tankstelle für Benzin bezahlt wird, dann generiert dies Umsatz. "Unser Fokus ist nicht der Inhalt, sondern Business-Transaktionen", erklärt der SAP-Manager. Und darauf basiert auch das Geschäftsmodell von SAP: Die Partner einigen sich über die Konditionen und SAP ist in einer Art Pay-as-You-Go-Modell an jeder Transaktion beteiligt. (Katharina Jochum, Barcelona)
 
Interessenbindung: SAP hat die Autorin an den Mobile World Congress eingeladen und Flug und Unterkunft bezahlt.