Die grossen Ziele des Gustavo Möller-Hergt

Also präsentiert sehr gute Zahlen vom vergangenen Jahr. Doch das soll noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein. Erster Geschäftsbericht der Welt in "Augmented Reality"
 
Seitdem Gustavo Möller-Hergt vor knapp fünf Jahren die Macht beim paneuropäischen Distributor übernommen hat, steigt der Kurs der Aktie erst langsam und seit einem Jahr rasant. Also-Aktien kosten heute mehr als doppelt so viel wie vor drei Jahren.
 
In der Tat gelingt es dem europäischen Disti-Giganten, der kein Distributor, sondern ein "Solution Aggregator" sein will, seit Jahr und Tag den Reingewinn zu steigern: 2013 waren es 46 Millionen Euro, 2014 50, 2015 63 und letztes Jahr nun 83,2 Millionen Euro. Wie gut der Konzern seine Strategie umsetzt, zeigt sich, dass der Gewinn auf EBT-Stufe viel rascher wächst als der Umsatz.
 
Trotz stark gewachsenem Gewinn hegen Möller-Hergt und seine Leute noch ehrgeizigere Ziele. Der Umsatz soll in fünf (oder vier oder sechs) Jahren von heute acht auf neun bis zwölf Milliarden Euro steigen. Das Service-Business soll bis dann zwischen fünf bis zehn Prozent des Umsatzes ausmachen und der Anteil des Geschäftsbereichs "Solutions", in den Also das Highend-B2B-Business packt, zwanzig bis dreissig Prozent des Umsatzes. Schliesslich peilt der Also-CEO eine EBITDA-Marge von zwei bis zweieinhalb Prozent an. Das ist mit reinem Volumen-Business ("Supply" im Also-Lingo) nicht zu machen. Denn hier ist schon eine EBITDA-Marge von einem Prozent im fragmentierten Markt Europa ein guter Wert.
 
Riesige Chancen sieht Möller-Hergt im Geschäft mit dem Internet der Dinge. Es gehe nicht darum, einfach mehr Hardware zu verkaufen. Sondern Also will für seine bestehenden oder künftigen Partner IoT-Lösungen entwickeln.
 
Media Markt Zentrallager geht zu Also, weiterer, grosser Service-Deal angekündigt
In Geschäftsberichten findet man manchmal Zahlen, die anderswo nicht kommuniziert werden. So weiss man nun, was Also für den 70 Prozent Aktienanteil an Bachmann Mobile Kommunikation bezahlt hat: 6,5 Millionen Euro, wovon knapp fünf Millionen in Bar. Also schluckte den Stanser Handy-Dienstleister im August.
 
Also Schweiz setzte letztes Jahr 851 Millionen Euro um, sechs Prozent mehr als 2015. Wieviel vom Wachstum "organisch" und wieviel auf die rasche Ausweitung des Sortiments zurückzuführen ist, wissen wir nicht.
 
Sicher ist aber, dass Alsos Service-Business
"Augmented Reality" mit Also Kennzahlen.
einen massiven Schub erhalten wird. Media Markt wird sein Zentrallager nach Emmen auslagern und Also hat die Ausschreibung eines zweiten Logistik-Grosskunden gewonnen.
 
Also wird "verschweizert", Schmerzen wegen SAP
Möller-Hergt äusserte wie schon vor zwei Jahren im Exklusiv-Interview viel Lob für Also Schweiz. Er will nun bestimmte Prozesse aus der Schweiz konzernweit in anderen Ländern ausrollen. In der Schweiz zahle man zwar die höchsten Löhne, viele Prozesse würden aber trotzdem günstiger abgewickelt.
 
Also Schweiz hat Ende Jahr als letzte Ländergesellschaft des Konzerns SAP eingeführt. Wie bei jeder SAP-Einführung war die Belastung für die Mitarbeitenden gross. Möller-Hergt kommentierte diesen Umstand salopp: "Es ist normal, dass die Leute aus den Operations meckern. Es ist wie, wenn man ein neues Fahrrad hat. Nach den ersten zwei Kilometern tut einem alles weh."
 
Der Gag, der eine Botschaft ist
Zum Schluss präsentierte der erfolgreiche Konzernboss eine Anekdote und eine Weltneuheit. Nach einem Analysten-Meeting in London letzten Sommer sei er richtiggehend depressiv geworden. Denn die Analysten hätten ihn einfach nicht verstanden – nicht in Englisch, nicht in Deutsch und nicht einmal in seiner Muttersprache Spanisch.
 
Deshalb, so Möller-Hergt, zeige er nun eine Weltneuheit: Einen Jahresbericht als Filme für Virtual Reality und Kennzahlen, die als Augmented Reality angezeigt werden. Man mag Möller-Hergts Show vor Journalisten und Bank-Analysten heute Morgen als wenig sinnvolle Spielerei abtun. Doch sehr wahrscheinlich ist sie es nicht: Denn wie will ein Logistik-Konzern und Grosshändler der Welt, respektive den Aktionären erklären, dass er künftig ein Technologie- und Logistik-Dienstleister für Technologie-Dienstleister ist? Oder eben ein "Solution Aggregator"? (hc)