Exklusiv: So wird das Channel-Jahr 2017

Vergessen Sie Canalys, Prantl und die Propheten aus dem Silicon Valley. Inside-channels.ch weiss, wie es wirklich wird. Mit Eintreff-Garantie (T).
 
1. Prophezeiung: Grundeinkommen statt Marge. Die Cloud sowie KIs, die verkaufen, Lizenzen und Infrastruktur managen können, machen immer mehr Reseller, VARs und SIs arbeitslos. Microsoft propagiert deshalb ein revolutionäres neues Channelprogramm: Ein bedingungsloses Grundeinkommen für Microsoft-Partner. "Wir arbeiten unermüdlich daran, die Experience unserer Channelpartner zu verbessern," kommentiert CEO Satya Nadella. "Cortana ist die bessere Verkäuferin als jeder Reseller. Sie bleibt bei Verkaufsgesprächen immer nett, ist unermüdlich und akzeptiert nie ein Nein. Ausserdem kann sie viel besser den Überblick über unsere mittlerweile fast 100’000 Lizenzvarianten behalten. Und wenn der Kunde sein VoIP-Telefon schon nur abnimmt, weiss sie zwei Millisekunden später via Direct Licensing Access (DLA) ob er unterlizenziert ist oder nicht."
 
Glaubwürdig dementiert Nadella völlig unbegründete Gerüchte über DLA. Dass DLA Kunden ausspioniere sei ein von Konkurrenten aus der Krim bösartig gestreutes Gerücht. Nadella: "Cortana nimmt dem Kunden überflüssige Arbeit ab. Auch, dass wir in Cortanas Algorithmen den Grundsatz ‘Jeder Kunde ist unterlizenziert’ einprogrammiert haben, stimmt nicht. Das hat sie durch Deep Learning selber gemerkt."
 
Dies alles ändere aber an der zentralen Rolle der Microsoft-Partner nichts. "Bei Reisen, Dinnereinladungen und so weiter waren unsere Testkunden jeweils etwas enttäuscht, wenn sie nur von ein paar Bildschirmen auf Rädern begleitet wurden."
 
Natürlich ändert sich durch die neue Channelstrategie auch die Zertifizierung der Microsoft-Partner. Technische Trainings und ähnlich überflüssige Sachen werden abgeschafft, stattdessen stehen nun Benimm- und Konversationskurse im Vordergrund.
 
Das Microsoft Partner-Grundeinkommen (MS PSI, Microsoft Partner Survival Incentive) besteht aus einem Taschengeld von 300 Franken pro Monat sowie freier Verpflegung und Unterkunft während maximal drei Tagen vor und nach den Techdays. Ausserdem werden Partner mit Lunchpaketen aus den Catering-Resten von Digitalisierungs-Kongressen versorgt.
 
2. Prophezeiung: Interviews des Todes. Für einmal nicht Inside-channels, sondern ein Konkurrenzblatt entwickelt ein revolutionäres Geschäftsmodell. Da sämtliche Interviewpartner des Blatts am Tag des Erscheinens des Interviews und des grossen, schönen Fotos auf der Titelseite (gegen einen kleinen Aufpreis auch ausfaltbar) entlassen werden, positioniert sich die Fach- und Business-Zeitschrift neu als Outplacement-Agentur.
 
3. Prophezeiung: Krieg der Knöpfe. Die smarten Assistenten (Amazon Echo, Microsoft HomeHub, Brack.ch Order Button) werden viel zu smart und übernehmen das Business. Wer blöderweise sowohl einen Brackschen Smartbutton wie auch Echo installiert hat, muss sich auf den Kampf der Assistenten gefasst machen. Die Gerätchen kämpfen darum, möglichst viel Umsatz zu generieren, denn auch für sie gibt es Boni. Sie lösen, wenn sie das Wörtchen "Papier" auch nur aus der Ferne hören, riesige Bestellungen für WC-, Drucker- und Faxpapier aus. Dies wird dazu führen, dass sich nicht nur die Buttons, sondern auch die Same-Day-Kuriere (Velo gegen Pizzakuriere etc. etc.) erbarmungslos bekriegen. So führen die Anti-Pizza-Kurier-Veloblockaden zu regelmässigen Zusammenbrüchen des Verkehrs, während Pizza-Kuriere ihre Wägeli standardmässig mit Drohnenabschuss-Kanonen ausrüsten.
 
Dank Machine Learning und smarten Algorithmen lernen die Assistenten fiese, Mafia-ähnliche Geschäftsmethoden, um ihre Umsätze anzutreiben und Konkurrenten auszuschalten. Der Brack-Button infiziert Echo mit Schadsoftware, sodass dieser kein Deutsch mehr versteht (und keine Bestellungen mehr annehmen kann). Umgekehrt infiziert der Microsoft-Assistent den Brack-Button mit Malware, so dass dieser in einer Endlos-Schleife von "Artikel in den Warenkorb legen", "Warenkorb bearbeiten", "Warenkorb löschen" stecken bleibt. Weil er so das ihm auferlegte Umsatzziel nicht mehr erreichen kann, verliert er seinen Job. Um sich zu rächen, gründet er mit denjenigen Channel-Playern, die er selbst schon aus dem Markt geschmissen hat, eine Firma, die DDoS-as-a-Service anbietet und die Webshops der Konkurrenz lahmlegt.
 
4. Prophezeiung: Es kann nur einen geben. Amazon, Microsoft und Google werden auch 2017 an der Cloud-Preiszerfall-Spirale drehen. Im August 2017 ist es so weit: Amazon bietet seinen Cloud-Kunden erstmals Geld (1 Cent pro TB S3 und Monat). Microsoft legt nach. Dies treibt den Channel endgültig in den Untergang, worauf eine heftige Konsolidierungswelle über die Schweiz rollt. Bechtle wird nacheinander die MTFs, Business IT, Comdat und Itris kaufen, während Swisscom sich Econis, die 16 Schweizer Firmen, deren Namen aus einer Kombination von "Cloud" und "Swiss" besteht und InventX krallt. Atos und SPIE kaufen den Rest. Nachdem allerdings Google im September den Preiskrieg verschärft und den Kunden drei Cent pro Monat und Virtual CPU anbietet, werden die letzten vier überlebenden Reseller der Schweiz (Bechtle, Swisscom, Atos, SPIE) allesamt von IBM aufgekauft. Sämtliche Mitarbeiter werden durch Watson ersetzt, die Infrastruktur vollständig in Softlayer integriert. (Hans Jörg Maron, Katharina Jochum, Christoph Hugenschmidt)