Oracle bittet Java-Nutzer zur Kasse

Java SE ist eigentlich gratis nutzbar, aber das Download-Paket enthält Features, die lizenz- und kostenpflichtig sind. Unternehmen müssen sich auf Audits gefasst machen.
 
Oracle führt einem Bericht zufolge derzeit massiv mehr Lizenzaudits bei Unternehmen, die Java anwenden, durch und bittet diese zur Kasse. Sechs Jahre nachdem Oracle Sun Microsystems übernommen hat, seien nun eine wachsende Zahl von Oracle-Kunden und -Partnern betroffen. Das meist gut informierte britische Branchenmagazin 'The Register' berichtet dies mit Bezug auf Insiderinformationen und betroffene Kunden.
 
Das US-Unternehmen hat demzufolge ein globales, rund 20-köpfiges Team aufgebaut. Der einzige Job dieser Oracle-Mitarbeiter sei es, Unternehmen zu finden, die das Java-Lizenzrecht verletzten, und entsprechende Rechnungen zu schreiben. Dabei gehe es um Beträge um mehrere 10'000 Dollar. 'The Register' berichtet von einem Java-Kunden – ein Handelsunternehmen mit 80'000 PCs im Einsatz – von dem Oracle 100'000 Dollar gefordert hatte.
 
Ein im Bericht zitierter Oracle-Experte warnt zur Vorsicht beim Download von Java SE und rät bestehenden Anwendern, ihre Nutzung zu überprüfen. Anwender sollen sich zudem auf ein Audit gefasst machen, von denen es im nächsten Jahr noch mehr geben werde. Wie 'The Register' weiter schreibt, sind zudem nicht nur Kunden von den Prüfungen der Oracle Licence Management Services (LMS) betroffen, auch Oracle-Partner werden unter die Lupe genommen.
 
Ja, Java SE ist gratis, aber...
Java SE an sich ist gratis nutzbar. Das Problem beginnt mit dem Download, so der Bericht. Oracle weist in den Lizenzbedingungen darauf hin, dass im Java-Download "kommerzielle Features" enthalten sind. Wer Java SE herunterladen möchte, kann dies nur als Paket. Im Paket enthalten sind beispielsweise Java SE Advanced Desktop, Java SE Advanced und die Java SE Suite. Letztere beispielsweise kostet laut 'Register' 300 Dollar pro Nutzer.
 
"Wer Java herunterlädt muss aufpassen, nur jene Komponenten zu installieren, für die man auch bezahlt. Die Teile die nicht genutzt werden, müssen entfernt werden", zitiert the 'Register' eine nicht genannte Quelle. Dies sei vielen Nutzern nicht bewusst.
 
Wolle ein Admin Java SE auf eine grosse Zahl von PCs ausrollen, nutze er dazu den Enterprise JRE Installer. Dieser ist Teil des Download-Pakets, aber ebenfalls nicht Teil des kostenloses Java SE. Eine Tabelle von Oracle (PDF), die wir über 'Heise.de' gefunden haben, gibt Auskunft darüber, welche Features "kommerziell" sind. (kjo)