UBS, CS und Swisscom arbeiten an Konkurrenz zu SuisseID

UBS, Credit Suisse und Swisscom arbeiten gemeinsam an einem elektronischen Identitätsnachweis, berichtet der 'Sonntagsblick'. Das Ziel des Projekts sei ein Passpartout für das Internet. Derzeit laufe ein Pilotprojekt mit dem lettischen Startup Notakey.
 
In der laufenden Proof-of-Concept-Phase soll der Funktionsnachweis des Systems von Notakey erbracht werden, schreibt Swisscom in einem Statement. Der Fokus liege aber nicht auf der Identifikation, sondern auf dem Sharing von digitalen Identitäten. So könne beispielsweise ein bereits registrierter Bankkunde künftig ohne zusätzliche Identifikation einen Handy-Vertrag abschliessen und umgekehrt. Man soll sich künftig mit dem Bank-Login bei Online-Shops, Ämtern oder für die Steuererklärung anmelden können, erklärte Andres Kubli, Chef Multichannel Management & Digitalization der UBS gegenüber dem 'Sonntagsblick'. Es handelt sich also nicht um ein exaktes Pendant zu SuisseID, aber die Lösung würde eine wichtige Funktion derselben überflüssig machen.
 
Ein Konkurrent mit Gewicht
Damit tritt ein grosser Konkurrent für die vom Bund unterstützte und unter anderem von der Post und Swisscom angebotene SuisseID auf den Plan. Diese fristet laut einer Umfrage von 2015 seit ihrer Lancierung vor sechs Jahren ein Schattendasein. Auf telefonische Anfrage erklärte der Trägerverein, dass man zu den User-Zahlen keine Angaben machen würde aber mit mehreren 100'000 Nutzern rechne.
 
Anfang Jahr hatte der Bundesrat bekannt gegeben, dass der Bund eine Online-ID nicht selber herausgeben, sondern lediglich die Rahmenbedingungen dafür definieren will. Damit gab der Bund das Feld für private Anbieter frei.
 
Ein Vorteil der Zusammenarbeit der neuen Koalition ist ihr Kundenstamm. Der 'Tagesanzeiger' schreibt, dass rund eine Million UBS-Kunden regelmässig E-Banking verwenden würden. Die CS zählt 800'000 E-Banking-Nutzer. Auch bei der Swisscom dürfte es sich um eine siebenstellige Zahl handeln, mutmasst der 'Tagi'. Wieviele Online-User er hat, sagt der Telco nicht. Eine entsprechende Anfrage von inside-it.ch beantwortete das Unternehmen mit dem Hinweis, dass man in der Proof-of-Concept-Phase nicht mit Kundendaten operiere.
 
Kooperation statt Konkurrenz?
Die Lage erinnert ein wenig an die Situation bei mobilen Bezahlsystemen, wo sich einige grosse Player um den Kuchen balgten. Schliesslich, einige Jahre und Milliönchen später, einigte man sich auf Twint. Eventuell will man hier vorsichtiger vorgehen: Gegenüber dem 'Sonntagsblick' versicherte Kubli, dass man offen sei für eine Zusammenarbeit mit verschiedenen Unternehmen. Auf telefonische Anfrage sagte auch Reto Zwyssig von SwissID, man könne sich eine Zusammenarbeit mit den neuen Playern gut vorstellen.
 
Swisscom ist einer der vier Gründungsmitglieder von SwissID und nun auch in der neuen Kooperation vertreten. Die Frage ob man die beiden Projekte zusammenfliessen lassen will, bei SwissID aussteigt oder es parallel laufen lässt, beantwortete uns der Telco nicht. "Wenn sich auf Basis des Proof of Concepts das Vorgehen und die Technologie bewähren, können weitere Partner ins Konsortium aufgenommen werden," schreibt uns das Unternehmen lediglich auf eine entsprechende Anfrage.
 
Die elektronische Identifikation kostet Geld und müsste finanziert werden. Was das neue Produkt kosten soll und wer es finanziert, ist zur Zeit noch nicht bekannt. Die SuisseID kann man etwa bei der Post für drei Jahre für 147 Franken im Privatmodell und für 197 Franken im Businessmodell erstehen. Für 2017 plant man aber die Lancierung einer neuen einfacheren Version, die für User kostenlos sein soll und von den Online-Diensten nach einem Pay-per-Use-Modell zu bezahlen wären.
 
Dass eine populäre und einheitliche Lösung an den Start kommt, wäre wünschenswert. Die Schweiz liegt gegenüber vielen Ländern zurück. Wie gestern berichtet, besitzen etwa in Estland fast alle Einwohner einen E-Ausweis. (ts)