Cloud-Markt: Wie Oracle das Triumvirat angreift

CTO Larry Ellison kündigt an der OracleWorld 2016 Amazon den Kampf an.
Amazon, Microsoft und Google dominieren den Cloud-Markt. Die aktuellen Wachstumsraten deuten sogar auf weitere Konsolidierung hin. Trotzdem wollen verschiedene Grossanbieter das Feld nicht kampflos abtreten. Die jüngste Attacke kommt von Oracle, wo man sich vor allem Amazons AWS-Plattform messen will.
 
Das weltweite Interesse der CIOs am Cloud-Computing steigt weiter deutlich an. Die Marktforscher von MarketsandMarkets erwarten ein durchschnittliches Wachstum um 27 Prozent jährlich, womit das Marktvolumen von 25 Milliarden Dollar in 2014 bis 2019 auf 85 Milliarden Dollar anwachsen wird. Doch trotz dieses Wachstums tobt ein erbitterter Konkurrenzkampf, denn die Transparenz und Kompatibilität bei den Angeboten haben zu einem erbitterten Preiskampf geführt. Viele prominente Unternehmen sind bereits wieder ausgestiegen. So verabschiedete sich Hewlett Packard von seinen Public-Cloud-Diensten und auch die grossen Telco-Anbieter ziehen sich derzeit alle auf breiter Front wieder zurück. Dabei hatten sie noch vor wenigen Jahren mit einer Vielzahl an Akquisitionen versucht, hier eine bedeutende Rolle einnehmen zu können.
 
Laut der auf Cloud-Computing spezialisierten Agentur RightScale ist Amazon mit einem Anteil von 57 Prozent unangefochtener Marktführer. Auf den Plätzen zwei und drei folgen dann Microsofts Azure-Plattform (17 Prozent) und Googles Cloud-Services (7 Prozent).
 
Wobei Amazon seine Vormachtstellung kontinuierlich ausbaut. Deren Cloud-Umsatz stieg im jüngsten Geschäftsjahr um stolze 70 Prozent auf 8 Milliarden Dollar an – und das bei gleichzeitig fallenden Preisen. "Wir senken unsere Preise mehrmals im Jahr, zurzeit liegen unsere AWS-Preise bei rund 40 Prozent von dem, womit wir vor zehn Jahren anfingen", sagt Amazons Finanzchef Brian Olsavsky.
 
Oracle als am schnellsten wachsende Cloud-Company?
Trotz dieser Konzentration im Cloud-Markt gibt es weiterhin bedeutende Unternehmen, die dieses Zukunftsgeschäft nicht sang- und klanglos der Konkurrenz überlassen wollen. VMware sprang über den eigenen Schatten und integrierte seine VCloud Air in die Softlayer-Plattform von IBM um sich gemeinsam besser gegen die Übermacht der drei Grossen behaupten zu können.
 
Der jüngste Vorstoss kommt jetzt von Oracle. "Wir sind die am schnellsten wachsende Cloud-Company", sagte deren CTO Larry Ellison auf der jüngsten Kundenveranstaltung. Wobei er aber nicht näher darauf einging, wie er das misst. Umsatzzahlen hat er sicherlich nicht gemeint, denn im jüngsten Geschäfts-Quartal hat Oracle mit seinen Cloud-Diensten einen Umsatz von nur 969 Millionen Dollar erzielt – also rund ein Drittel von Amazons AWS-Umsatz der im gleichen Zeitraum knapp drei Milliarden Dollar betrug. Amazon legte damit im Vergleich zum Vorjahresquartal um 61 Prozent zu, wogegen Oracle mit einem Plus von 59 Prozent nicht ganz so schnell wuchs.
 
Wie die Oracle-Zahlen im Vergleich zu Microsoft und Google stehen, ist nicht ermittelbar, da beide Unternehmen in ihren Quartalsberichten den Cloud-Umsatz nicht ausweisen. Doch es ist zweifelhaft, ob Oracle hier auf Augenhöhe mitspielen kann. "Was immer die Cloud-Umsätze von Microsoft und Google auch sein mögen – sie sind mit Sicherheit deutlich näher an Amazon, als an Oracle. Den Anschein zu erwecken, dass man in der obersten Cloud-Liga mitspielen würde, ist sehr irreführend", sagt IDC-Analyst Al Gillen über den markigen Marketingspruch von Larry Ellison.
 
Oracles Produktchef Thomas Kurian bestätigte dann auch, dass man das Cloud-Wachstum überhaupt nicht am Umsatz messe. "Unsere Wachstumsrate bezieht sich auf die Zahl der Kunden, die Zahl der Arbeitsplätze und die Zahl der Transaktionen", sagte er in seiner Keynote und damit war endgültig klar, dass man diese Aussage nicht nachprüfen kann.
 
IaaS noch nicht Standard-gerecht
Oracles Cloud-Angebot soll in Zukunft alle drei Ebenen umfassen, also SaaS, PaaS und IaaS. Bei SaaS hat man bereits umfangreiche Software für die Bereiche ERP, CRM und Personalmanagement. Bei PaaS verweist Oracle vor allem auf die Nutzung der Oracle-Datenbank. IaaS wird in zwei Varianten angeboten. Zunächst gibt es die Infrastruktur-Plattform nur als reines "Bare Metal", also ohne Virtualisierung, was Performancevorteile bringt. Nur IBMs Softlayer bietet derzeit ebenfalls eine solche Infrastruktur an.
 
Später will Oracle auch eine elastische Infrastruktur mit Hypervisor und entsprechenden VMs auf den Markt bringen, also genau das, was bei AWS der Standard ist. Beide Oracle-Plattformen wird es mit Linux, Windows, Solaris und einer Unterstützung der Docker-Container geben. Speichermässig gibt es Block-, Object- und Archiv-Storage sowie NetBackup von Veritas.
 
Unstimmige Vergleiche
Insgesamt positioniert sich Oracle vor allem gegen Amazon und veröffentlichte hierzu eine Reihe an Vergleichen. So bietet Oracles Cloud-Dense IO Shape im Vergleich zu Amazons Cloud I2 8X Large mehr als doppelt so viele Prozessorkerne, doppelt so viel D-RAM und fast fünf Mal so viel SSD Storage.
 
Doch mit diesem Vergleich werden zwei völlig unterschiedliche Konzepte gegenüber gestellt. Oracle zielt nach eigenen Angaben auf High-Performance-Computing, wo die hyperconverged Exadata-Maschinen gute Arbeit leisten. Der Markt dafür ist aber sehr klein, deshalb setzt man bei Amazon auf einfache Systeme, von denen dann bei Bedarf einfach die Anzahl erhöht wird. Es gibt AWS-Anwender, die Gen-Analysen durchführen und dafür kurzfristig ein paar Tausend Server nutzen, die sie dann nach der Analyse wieder freigeben.
 
Ein weiterer Vergleich betrifft die Geschwindigkeit der Oracle-Datenbank. Diese läuft in der Oracle-Cloud schneller ab, als auf einer AWS-Hardware. Das ist auch kein Wunder, denn bei Oracle läuft sie auf einer extra dafür abgestimmten Oracle-Hardware und bei AWS auf einer der verschiedenen Standard-Plattformen. Auch hier werden also verschiedene Konzepte verglichen. Wer als AWS-Kunde Oracles Datenbank nutzt, will eine möglichst identische Konfiguration von On-Premise und Cloud. Nur so lassen sich Anwendungen am einfachsten hin-und-her verschieben, und nur so lassen sich Entwicklungen auf der AWS-Plattform schnellstmöglich auch intern nutzen.
 
Das heisst, entscheidend ist nicht die theoretisch schnellstmögliche Cloud-Konfiguration, sondern eine weitestgehend identische Plattform und Middleware zwischen On-Premise und Cloud. Das weiss man natürlich auch bei Oracle und so lautet deren Antwort auf diesen Einwand: "Wer On-Premise unsere converged Systeme nutzt, benötigt diese Power-Performance auch in der Cloud – und nur Oracle kann das bieten." (Harald Weiss, San Francisco)