Exklusiv! Swisscom schiesst erneut KMU-Projekt ab

Swisscom ist aus Admino, ein Joint-Venture mit Axon Active, ausgestiegen. Diese arbeitet nun mit anderen Partnern und lanciert die KMU-SaaS-Lösung im November.
 
Als die 'NZZ am Sonntag' diesen März berichtete, Swisscom wolle gemeinsam mit Axon Active eine Online-Software namens "Admino" lancieren, gab sich die Pressestelle des Telekomkonzerns seltsam bedeckt. Unsere Fragen zum Projekt Admino wurden nicht beantwortet. Nun wissen wir warum: Swisscom ist aus dem Joint-Venture wieder ausgestiegen. Swisscom-Sprecher Armin Schädeli bestätigte Recherchen von inside-it.ch: "Swisscom hat sich entschieden, aus dem Joint Venture mit Axon Active auszusteigen."
 
Admino hätte eine Online-Software für KMU und Einzelpersonen werden sollen, mit der man die komplizierten Prozesse rund um Löhne und Anstellungen einfach und automatisiert abwickeln kann. Warum Swisscom das interessante Projekt fallen liess, sagt Schädeli nicht. Seine Antwort hilft nicht weiter: "Ziel dieses Joint Ventures mit Axon war eine erfolgreiche Markteinführung von Admino. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit haben wir festgestellt, dass eine solche Kooperation ein übermässig hohes Investment für Swisscom bedeutet hätte".
 
Axon hat andere Partner geangelt
Axon hält allerdings an dem Projekt fest, so CEO Peter Delfosse zu inside-it.ch. Noch diesen November will Axon Active zusammen mit anderen Partnern als Swisscom eine Online-Plattform für die automatiserte Erledigung von Administrationsaufgaben und den Verkehr mit Behörden und Sozialversicherung lancieren, sagt Delfosse. Axon habe für das Projekt neue, sehr valable Investoren gefunden, so Delfosse. Wer die neuen Partner sind und wie die Plattform heissen wird, sagt er aber nicht.
 
Axons Hintergrund als ehemaliger Hersteller von HR-Software
Dass ausgerechnet Axon Active an einem solchen Projekt arbeitet, erstaunt nicht. Denn zur Axon-Gruppe gehörte früher die Software-Firma Soreco, die unter anderem eine Lösung für HR-Abteilungen entwickelt hat. Diese hat man vor eineinhalb Jahren verkauft. Zu den Kunden von Axon gehörte Gastro Suisse. Der Verband bietet seinen Mitgliedern an, HR-Prozesse online zu erledigen. Das Know-How über Prozesse im Personalwesen ist bei Axon Active also vorhanden. Zudem besitzt man mit Axon Ivy eine BPM-Lösung. BPM steht für Business Process Management. Damit kann man Prozesse und Regeln definieren, User-Interfaces bauen und vereinfacht Schnittstellen zwischen verschiedenen Applikationen generieren.
 
Swisscoms Mühe mit Online-Services für KMU
Für Axon Active ist der Ausstieg von Swisscom aus dem Projekt zweifellos ein Rückschlag, denn nur wenige Konzerne erreichen so viele KMU und Privatpersonen wie der Ex-Monopolist. Man darf gespannt darauf sein, welche andere Partner Axon Active für das Projekt gefunden hat. Nur die Post, Postfinance und vielleicht noch Raiffeisen haben eine ähnlich grosse Reichweite wie Swisscom.
 
Der Ausstieg ist auch für Swisscom eine Niederlage. Der Konzern experimentiert seit Jahren mit Online-Software für KMU. So bot man in der "KMU Business World" die Online-Software Amanda an. Diese war kein Erfolg und der Hersteller Solvaxis stellte den Betrieb von Amanda im April still und leise ein. (Christoph Hugenschmidt)