Schweizer E-Commerce-Anbieter unter Druck

Im E-Commerce intensiviert sich der Konkurrenzkampf.
 
Der achte E-Commerce-Report Schweiz, den einmal mehr die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) im Auftrag von Datatrans vorgelegt hat, sieht ausländische Anbieter und Innovationen als die derzeit zentralen Herausforderungen des Online-Marktes. Auch wenn das Volumen des Schweizer Internet-Handels im Jahr 2015 um weitere 10 Prozent zulegte, sei es für manche Anbieter ein schwieriges Jahr gewesen, wie es im FHNW-Report heisst. Die Wachstumsraten der 36 (für den Gesamtmarkt übrigens nicht repräsentativen) Studienteilnehmer seien tiefer als in früheren Jahren gewesen und etwa ein Drittel von ihnen habe einen Umsatzrückgang hinnehmen müssen.

Begründet wird dieser Vorgang mit dem starken Wettbewerb, der insbesondere aus dem Ausland kommt. Hierher gehöre auch, dass die ausländischen E-Commerce-Anbieter 2015 um zwei Prozent auf beachtliche 20 Prozent Marktanteil in der Schweiz zugelegt hätten. Auch wenn man berücksichtige, dass erhebliche Unterschiede zwischen den Branchen bestehen, hätten fast 90 Prozent der Befragten für den hiesigen Online-Handel einen sich weiter verschärfenden Wettbewerb konstatiert. Und 70 Prozent der Befragten hiesigen Händler sind davon überzeugt, dass der Druck aus dem Ausland zunehmen wird. Der Report verweist in diesem Zusammenhang zusätzlich auf die Markenhersteller, die vermehrt eigene Web-Shops aufbauen. Weil der traditionelle, stationäre Handel weiter an Bedeutung verliere, hätten alle bedeutenden Marken in den letzten Jahren weltweit solche Shops eröffnet. Denn ihre Fans verlangten einen solchen direkten Zugang.
 
Pickup-Lösungen im Trend
Hinzukäme, dass die Informations- und Warenflüsse zwischen Herstellern, Händlern und Konsumenten sich weiter verändern. Immer mehr Vertriebsformen würden entstehen und miteinander konkurrieren. Hier sei zu erwarten, dass die Digitalisierung weitere, innovative Geschäftskonzepte hervorbringen wird. So würden, wo möglich, Multichannel-Konzepte vorangetrieben. Kundenähe würde über stationäre Kontaktpunkte auch im Kontext des E-Commerce als Vorteil ausgespielt, was sich an mehr lokalen Services wie Abholstellen oder Service Points ablesen lasse. Konkret genannt werden die 290 Abholstationen der Migros. So verwundert es nicht, dass inzwischen 80 Prozent der Studienteilnehmer meinen, Pick-up-Lösungen würden sich im Markt etablieren. Zudem seien erste Anbieter zu verzeichnen, die ihr beschränktes Filialen-Sortiment durch ein Online-Sortiment erweitern.
 
Investitionen in Logistik und Services
Weiteres technisches Entwicklungspotential sieht der Report denn auch in der Logistik. Hier könnten sich die Schweizer Anbieter gerade deshalb von ausländischen Angeboten differenzieren, weil sie auf ihre physische Nähe zum Kunden setzen können. So zeige die Befragung denn auch, dass viele Anbieter hier erheblich investieren, um nach der Verkürzung der Lieferzeit nun die Möglichkeiten zur Bestimmung von Lieferzeit und –ort durch den Kunden zu schaffen. Die Einbindung verschiedener, bausteinartiger Serviceleistungen und Servicepartner unter anderem für Montage, Inbetriebnahme oder Entsorgung individualisierten die Kundenansprache weiter. Von den Online-Händlern mit eigener Logistik würde etwa ein Drittel grosse Anstrengungen zur Leistungssteigerung unternehmen. Im Vordergrund stünden dabei laut Studie nicht mehr wie früher vor allem die Verkürzung der Auslieferungszeiten, sondern vermehrt bessere Services und effizientere Prozesse.
 
Schreckgespenst Amazon
Dass sich der hiesige Online-Handel die Steigerung seiner Leistungsfähigkeit auf die Fahnen geschrieben hat, hat aber noch einen anderen Grund. Denn der diesjährige Report betont, die Bedeutung des Internetriesen Amazon als Taktgeber des Online-Handels. Auch wenn sein Marktanteil hierzulande erst auf etwa acht Prozent geschätzt wird, zeigte Amazon mit neuen und besseren Services derzeit vor allem (noch) im Ausland, wohin die Reise gehe. Würde der Schweizer Markt stärker bearbeitet, nennen die Studienverfasser als grössten Angriffspunkt die hierzulande zu hohen Preise. Begegnen könne der hiesige Online-Handel dieser Entwicklung insbesondere mit seinen besseren Leistungen.
 
Schliesslich wird noch darauf verwiesen, dass der Bezahlvorgang keine Barriere mehr im E-Commerce sein darf. Einfache Zahlungslösungen, die auch auf dem Smartphone laufen, und niedrigeren Kommissionen für die Anbieter seien hier künftig gefragt. Erfolge etwa im öffentlichen Verkehr, wo mit zwei Klicks auf dem Smartphone ein Billett zu kaufen ist, müssten die Vorbilder für den Online-Handel sein, heisst es von den Machern des Reports. (vri/sda)