Von Hensch zu Mensch: Marketing ab 1. Juli strafbar

Kolumnist Jean-Marc Hensch sorgt sich um seine Leser in Sales und Marketing.
 
Angesichts dessen, was man zum Teil an Marketingkommunikation vorgesetzt bekommt, wäre es vielleicht nicht schlecht, diese Machwerke würden strafrechtlich verfolgt. Allerdings geht es heute gerade nicht um diesen Teil des Marketings, sondern um Events, Einladungen und Geschenke: Das neue Korruptionsstrafrecht tritt am 1. Juli in Kraft, und dieses verfolgt nun auch die Bestechung von Privaten.
 
Einem Mitarbeitenden eines Unternehmens, mit dem man ein Geschäft abschliessen will, einen Vorteil zukommen zu lassen, ist nun grundsätzlich strafbar. Wer als ICT-Anbieter einen CIO zu einem Tennis-Turnier nach Gstaad einlädt, um einfacher den Zuschlag für die schon lange pendente Offerte zu erhalten, der befindet sich schon mit einem Bein im Kittchen. Bisher war es nur strafbar, wenn es sich um einen Amtsträger handelte, also zum Beispiel den Einkäufer des Bundesamts für Strassenbau. Heute gilt das ganz generell.
 
Es hilft auch nichts, wenn Sie stattdessen nicht ihn, sondern seine Frau einladen, auch dies ist nicht erlaubt. (Wobei das Beispiel etwas verunglückt ist: Ich bin nicht sicher, ob es die beste Idee ist, einen Mann dadurch bestechen zu wollen, dass ich mit seiner Frau ein Wochenende verbringe. Aber das nur am Rande).
 
Weit interpretiert, würde ein solches Gesetz natürlich die ganze Event- und Hospitality-Branche, die Gastronomie bis hin zu den Edelpuffs in den Ruin treiben. Das wäre volkswirtschaftlich unerwünscht, weshalb der Gesetzgeber gewichtige Ausnahmen eingebaut hat: Wenn es mir nicht um ein konkret erwünschtes Handeln einer anderen Person geht, sondern eher um generellen Goodwill, dann geht es in Ordnung. Auch die Annahme von "geringfügigen, sozial akzeptierten" Geschenken ist erlaubt, wobei sich die Frage stellt, wo das aufhört. Und die Antwort könnte auch anders lauten, je nachdem ob wir uns im Grossrechnergeschäft oder im Handel mit USB-Sticks bewegen.
 
So oder so, es stellen sich einige heikle Fragen, was man wirklich noch in diesem Bereich machen darf. Auf der sicheren Seite ist man allerdings, wenn der Arbeitgeber des Beschenkten damit einverstanden ist. Also könnte es bald zum Standardprozedere gehören, vom Gegenüber zuerst eine offizielle Bestätigung seines Arbeitgebers zu verlangen, dass er mit der Einladung oder dem Geschenk einverstanden ist.
 
Auch für Unternehmen sind die neuen Bestimmungen eine Herausforderung: Sie machen sich auch strafbar, und zwar nicht nur, wenn sie sich so mangelhaft organisiert haben, dass man den wahren Täter nicht schnappt (hier eher unwahrscheinlich), sondern wenn sie nicht alle erforderlichen und zumutbaren Vorkehrungen getroffen haben, um aktive Bestechung zu verhindern. Die Compliance-Abteilung kann also weiter aufgestockt werden…
 
Wer nun noch gern eine etwas fundiertere Auseinandersetzung mit der Materie hätte, findet als Swico-Mitglied in Kürze ein neues Merkblatt auf unserer Arbeitgeberplattform im Extranet, wo mittels Grafiken, Tabellen und FAQ genau erklärt wird, was zu tun ist – und vor allem, was zu lassen.
 
Das Ganze ist ja irgendwie schon etwas pervers: Sie dürfen mich nur zu einem Golf-Weekend einladen, wenn Sie nichts Konkretes von mir wollen. Dann macht es ja aber irgendwie keinen Sinn - ökonomisch. Wobei ich dieses Beispiel ganz bewusst gewählt habe (denn bestechen lassen ist ja gleichermassen strafbar!): Ich spiele kein Golf.
 
Jean-Marc Hensch (57) vertritt als Geschäftsführer von Swico die Interessen der Anbieterfirmen aus den Bereichen Hardware, Software, ICT-Dienstleistungen und Unterhaltungselektronik. Er äussert als Kolumnist für inside-it.ch und inside-channels.ch seine persönliche Meinung.