Cloud ist nicht lustig

Die geplante Fusion von HPE Services mit CSC wird nicht lustig, die Übernahme von EMC durch Dell auch nicht. Schuld ist die Cloud.
 
Erinnern Sie sich, wie Hewlett Packard Enterprise entstanden ist? HPE besteht aus zusammengekauften Grossfirmen: Digital Equipment, EDS, 3Com, Compaq, um nur einige Beispiele zu nennen. Getrieben waren die Übernahmen vom Glauben an die "Economy of Scale". Nur sehr grosse Firmen würden profitabel Hightech herstellen und weltweit vermarkten können. Und man glaubte an den Segen von vertikaler Integration. HP sollte vom Chip über PCs, Server und Software bis hin zum Highend-Consulting alles verkaufen, was die Firmenwelt an Informatik so braucht.
 
Jetzt wird die ganze Sache wieder filetiert. HPE Services wird mit CSC zusammengelegt und das PC- und Drucker-Business ist auch weg. Für HP-Leute, so Fusions- und Split-gestählt sie auch sein mögen, wird das nicht lustig. Der Zusammenschluss von HPE Services und CSC wird ganz viele Manager und Leute mit Querschnittfunktionen auf die Strasse spülen – das ist ja auch der Zweck der Sache. Und die übrigbleibenden Manager von Hewlett Packard Enterprise werden sich plötzlich als Chefs einer kleinen Verkaufsorganisation eines mittelgrossen Hardware-Herstellers wiederfinden.
 
Ebenfalls ein grosses Gerangel um Managerposten wird die Übernahme von EMC durch Dell auslösen. Auch bei Dell Technologies wird es zu wenige Chefsessel für zu viele Chefs geben.
 
HPE, CSC, Dell und EMC sind nicht einfach Ausnahmen. Auch bei anderen multinationalen IT-Firmen baut man Stellen ab, so bei IBM und bei Symantec.
 
Die traditionellen US-Technologiekonzerne befinden sich zwischen Hammer und Amboss. Der Amboss ist Cloud-Computing. Rechenleistung und Speicherkapazität bezieht man immer öfter aus der Cloud. Nur wenige können im internationalen Cloud-Markt mit Amazon mithalten und die nötigen Investitionen sind astronomisch. HP, Dell, EMC und CSC haben alle den richtigen Zeitpunkt für den Einstieg als Cloud-Anbieter verpasst. Für die lokalen Cloud-Märkte haben die US-Firmen zu wenig Glaubwürdigkeit – wer Datenschutz will, wird eher Swisscom, T-Systems oder einem lokalen Outsourcer wie UMB vertrauen.
 
Der Hammer sind "die Chinesen". Hersteller wie Quanta produzieren en masse Server, Speicher und Netzwerkkomponenten für die Cloud. Was kümmert es Google oder Facebook, ob ein Markenname auf den Geräten in den riesigen Rechenzentren steht? Bald wird es auch UBS oder Novartis nicht mehr gross interessieren, was auf ihren Cloud-Servern steht.
 
Andere wie ZTE und Huawei drängen mit Macht ins Highend-Geschäft. Bei den Telekom-Ausrüstern sind sie bereits eine Macht, im Server- und Netzwerk-Business könnten sie eine werden.
 
Cloud ist nicht lustig. Schon gar nicht, wenn man ein etablierter Player im klassischen Hardwaregeschäft ist. Oder bei einem solchen seine Brötchen verdient. (Christoph Hugenschmidt)