Aufklarendes Wetter für Microsoft-Partner

Ein Bericht von der GV des Schweizer Chapters von der IAMCP.
 
Lag es an dem schönen Wetter am Wochenende der GV der Microsoft Channel Partner Schweiz oder hat sich die Stimmung im Microsoft Channel tatsächlich so verbessert, wie es den Anschein bei den Teilnehmern machte? Rund 40 Mitglieder der Microsoft-Community IAMCP (International Association of Microsoft Certified Partners) trafen sich in der wunderschönen Barockstadt Solothurn zu spannenden Vorträgen, zum Business-Austausch, Netzwerken und auch etwas zur Generalversammlung.
 
Uber CEO Schweiz Rasoul Jalali erklärte den Anwesenden das disruptive Geschäftsmodell "per Se", welches eigentlich auf einem wirklich einfachen Kreislauf basiert: Tiefe Preise generieren hohe Nachfrage, was Uber für zusätzliche Fahrer attraktiv macht und zu einer besseren geografischen Abdeckung führt. Das hat weniger Downtime für die Fahrer zur Folge und führt somit auch zu kürzeren Wartezeiten für die Gäste. Das wiederum erlaubt es, die Preise attraktiver zu machen.
 
Insight aus dem CSP Programm von Microsoft
Mit Insights aus dem CSP (Cloud Service Program), Programm Tier 1 und 2, von Microsoft und vor allem von intelligenten Schweizer Cloud-Providern wurde aufgezeigt, wohin der Weg führen wird.
 
Microsoft sieht die Zukunft der Schweizer Cloud-Anbieter nicht im geschlossenen Datenbunker des Schweizer Reduits. Zukunft haben diejenigen, die eine intelligente, hochskalierbare, stretchbare Cloud-Plattform mit Diensten on premise beim Kunden, in der Schweizer Privat-Cloud und in der Microsoft Public-Cloud zur Verfügung stellen. Das Werkzeuge dazu ist das Cloud Operation System Network (COSN) mit dem Azure-Stack.
 
Wie fühlt sich der Schweizer Channel?
Nach den Botschaften die Realität. Systemintegratoren und Hoster unterliegen einem starken Veränderungsdruck und die Ideen und Programme, die von Microsoft in die Schweiz getragen werden, werden durchwegs positiv wahrgenommen.
 
Aber leider steht die US-amerikanische Denkweise nicht immer ganz in Einklang mit den schweizerischen Gegebenheiten. So ist zwar als Cloud System Provider (CSP) endlich Shared Computer Activation möglich, aber nur für Tier 1 CSP-Partner. Es ist unerklärlich, wieso dies nicht auch für Partner erlaubt sein soll, welche über die Distribution, also im Tier 2 einkaufen. Auch das Cloud Operating System Network Programm geht absolut in die richtige Richtung. Aber 16 Hosts nur schon als Bedingung für den Start? Entspricht dies der Schweizer Realität? Die Programme und Möglichkeiten in diesem Bereich gehen allerdings in die richtige Richtung und Microsoft Schweiz macht erkennbar wirklich alles, um die Partner zu unterstützen und die Komplexität und Veramerikanisierung aus den Geschäftsmodellen zu nehmen. Als Beispiel sollen in Zukunft Azure-Leistungen nicht nur nach Verbrauch abgerechnet werden: Welcher CFO kann schon mit Rechnungen umgehen, welche er nicht voraussagen kann? Sollen Rechenleistung einfach nicht mehr bezogen oder Daten einfach gelöscht werden, wenn die Monatsrechnung zu teuer ist? Parallelen im Handymarkt mit Flatrates sind ja auch vorhanden. In Zukunft soll das Flaggschiffprodukt Office 365 sogar mit Datenhaltung bei einem Schweizer Provider ermöglich werden. All das sind sehr gute Ansätze. Zuweilen wünscht sich der Schweizer Partner hier einfach etwas mehr Flexibilität und Dynamik.
 
Lokale Software-Hersteller profitieren
Der ISV (Independent Software Vendor) profitiert bei Microsoft in mehrfacher Hinsicht: Einerseits dadurch, dass im ISV-Umfeld über technische Neuerungen und die Roadmap sehr früh informiert wird und man deshalb genügend Zeit hat, sein Produkt darauf auszurichten. Es hilft andererseits auch, dass Microsoft in vielen Gebieten der klare Marktführer ist. Das gibt eine recht grosse Sicherheit, aufs richtige Pferd zu setzen, und es erleichtert auch den Zugang zu neuen Kunden, da man oft nicht noch grundsätzliche Diskussionen über die Plattform führen muss.
 
Microsoft hat in den letzten beiden Jahren auch im Marketingbereich ihr Angebot für ISVs spürbar verbessert und bietet nun klar definierte Go-to-market-Möglichkeiten.
Mit der Cloud sehen sich ISVs allerdings mit grossen Investitionen konfrontiert, müssen doch ihre Produkte auf eine neue architektonische Grundlage gestellt werden. Dies kommt oft einer Neuentwicklung gleich, die neben der bestehenden Produktpflege gestemmt werden soll. Ein besonderer Challenge dabei ist, dass die ganze Cloud noch in den Kinderschuhen steckt. Grundlegende Fragen sind im Moment unbeantwortet – etwa ob man als ISV auch in der Cloud eine Chance hat, Produktneuerungen im Voraus zu testen. Der klassische Setup mit Entwicklungs-, Test- und Produktivumgebung funktioniert in der Cloud nicht mehr und ein Ersatz ist noch nicht in Sicht. Wir dürfen also gespannt sein, was sich Microsoft einfallen lässt, damit Kunden auch in Zukunft eine kontrollierbare, jederzeit stabile Umgebung zur Verfügung steht, die sich aus einer Vielzahl von Cloud-Services zusammensetzen wird, die alle mit einander harmonieren sollen.
 
"Halbfabrikate" in der Dynamics-Welt
Die Partner für Dynamics-Lösungen glauben schon seit Jahren an die Microsoft-Plattform-Story, die Microsoft nun auch Grosskunden schmackhaft machen will. Die Story ist eigentlich sehr einfach: Viele Kunden müssen mit weniger Mitteleinsatz mehr erreichen und da eignen sich die "Halbfabrikate" von Microsoft, welche durch einen lokalen Partner zu einer Lösung veredelt werden, geradezu ideal.
 
Die Investitionen von Microsoft in die bekannten Produkte (z.B. Dynamics CRM) sind signifikant und gleichzeitig werden diese seitens Redmond neuerdings auch ganz spezifisch auf hybrid Szenarien ausgelegt. Microsoft wird dadurch zu einem immer stärkeren Plattform-Anbieter. Partner müssen es schaffen, aus den immensen Plattformmöglichkeiten den maximalen Kundennutzen zu generieren. Diese "lokale Übersetzungsarbeit" wird auch mit der Cloud eher zu- statt abnehmen.
 
Dabei wäre es wünschenswert, wenn auch Microsoft nicht mehr in einzelnen Produkte-Lizenz-Silos denkt, sondern als Organisation die Stärken einer integrierten Produkte übergreifenden Microsoft-Lösung im Sinne von begeisternden Kundenreferenzen zu vermarkten beginnt. Erste Anzeichen durften wir in PSE-übergreifenden (Partner Sales Executive) Meetings erleben. Weiter so.
 
Collaboration: On Premise (gar) nicht mehr im Fokus von Microsoft
Die Partner für Collaboration-Lösungen unterliegen zur Zeit ebenfalls einem grossen Wandel. Microsoft fokussiert sehr stark auf Cloud-Lösungen (SharePoint Online, Exchange Online, Skype for Business, Yammer etc.) und pusht diese mit grossem Erfolg. Das spüren auch die Collaboration-Partner. Konkret heisst das, dass Partner, welche weiterhin On-Premise-Projekte haben, nicht mehr im Fokus von Microsoft stehen. Ganz im Gegensatz zu den Partnern die vornehmlich auf die Cloud-Lösungen im Collaboration-Umfeld setzen.
 
Das betrifft auch die Entwicklung dieser Lösungen. Getreu der Vision "cloud first – mobile first" werden die Lösungen von Microsoft zuerst oder sogar ausschliesslich für die Cloud entwickelt. Viele Partner gehen diesen neuen Weg auch in der Umsetzung für den Kunden. Andere sehen das differenzierter und leben "customer first". Das ist kein falscher Weg. Man kann auch für die nächsten Jahre davon ausgehen, dass das hybride Szenario weiterhin seine Berechtigung hat.
 
Mit der offiziellen Generalversammlung und anschliessender Stadtführung zum Thema "Heilige, Hexen, Henker und Halunken" – ein Schelm, wer da eine Analogie vermutet - und einem sehr feinen Nachtessen mit differenzierter Weinauswahl schloss das Partnertreffen.
 
Die Vorträge zu den Themen finden sich wie immer auf der geschlossenen Yammer-Plattform von der IAMCP. Werden auch Sie Mitglied und profitieren Sie von den vielfäligen Vorteilen.
 
Für Nichtmitglieder – werden auch Sie Mitglied bei IAMCP und profitieren Sie von den vielfältigen Vorteilen. (Daniel Jäggli)