Lausanner Nexthink denkt gross

Zufrieden: Nexthink-Geschäftsführer Pedro Bados im neuen Büro in Prilly-Malley. Bild: mik
Drei mal mehr Mitarbeiter und ein Börsengang am Nasdaq: Der Software-Hersteller hat grosse Pläne.
 
Seit kurzem residiert das EPFL-Spinoff Nexthink nicht mehr in den Räumlichkeiten der Hochschule. Sie sind zu klein geworden. Auf den Büroetagen eines Shoppingcenters in Prilly-Malley, zwei Bahnminuten von Lausanne, hat CEO Pedro Bados das Unternehmen neu beheimatet. Die unscheinbaren Räumlichkeiten passen nicht zu den Plänen des Spaniers. 40 Millionen Dollar Risikokapital hat er gerade gesammelt. inside-it.ch hat Pedro Bados in den Nexthink-Büros besucht.
 
In drei bis fünf Jahren will Bados an die Börse, den Nasdaq. "100 Millionen Dollar Umsatz braucht es dazu mindestens", sagt er. Von aktuell 220 Mitarbeitern solle Nexthink auf 600 bis 800 wachsen.
 
Pedro Bados, der Geschäftsführer eines der erfolgreichsten Startups der Schweiz landete eher zufällig dort, wo er heute ist. Denn die EPFL sollte für ihn anfangs nur Durchgangsstation sein auf dem Weg ans MIT. An den Genfersee gelockt hatte ihn eine der besten Forschungsabteilungen zu künstlicher Intelligenz. Dann, vor zwölf Jahren, kam Nexthink. Die Firma hat er mit Vincent Bieri und Patrick Hertzog gegründet.
 
Gemeinsam entwickeln sie Reporting Tools, die der IT eines Unternehmens das Leben leichter machen. Visuell ansehnlich aufbereitete Dashboards geben Auskunft über das digitale Leben im Unternehmen. So kann der Support auf Zeitleisten Änderungen im System eines Users nachverfolgen, sich anzeigen lassen, ob noch jemand anderes dasselbe Problem hat oder wie die geografische Ausbreitung eines Fehlers aussieht: Ist nur ein Nutzer betroffen, ein ganzes Büro oder eine komplette geografische Region? Der Support weiss mit einem Klick, wo es mit der Verbindung im Netzwerk hakt oder ob die Systemressourcen eines Clients ausreichend sind. Das Lizenzmanagement kann in die Lösung integriert werden, das Ticketing-System oder das Reporting an die Vorgesetzten.
 
Jean-Yves Le Drian statt Guy Parmelin
Bei den Kunden kommt das an. Allein das französische Verteidigungsministerium hat Nexthink-Lizenzen für eine Viertelmillion Nutzer. Weitere Kunden sind die Commerzbank, der Flughafen Genf, AMAG oder Bunge. Vertrieben wird die Lösung in der Schweiz von aktuell 10 bis 15 Partnern, darunter Bechtle, Swisscom und E-secure.
 
Für die Entwicklung setzt der 36-jährige Bados auch auf flache Hierarchien. Fürs Vorwärtskommen einer Firma seien die Leute und die Prozesse wichtig, nicht Hierarchien. “In dynamischen
Kontext-Daten in Nexthink: Mouse-Over-Einblendungen vereinfachen die Spurensuche.
Unternehmen arbeiten die Leute oft in vielen Projekten gleichzeitig, da macht es keinen Sinn, jedem Mitarbeiter zig verschiedene Chefs vorzusetzen. Dazu kommt, dass ein guter Projektmanager nicht zwangsläufig ein guter HR-Manager ist. Diese Dinge zu trennen macht deshalb Sinn.” Der Projektmanager solle sich auf das Projekt konzentrieren können und nicht über Ferienplänen brüten müssen.
 
Schweizer Arbeitsmarkt zu klein
Damit das funktioniert, versucht Nexthink, in ganz Europa die Besten ihres Fachs zu finden. 220 Mitarbeitende hat das Unternehmen aktuell, 370 sollen es in anderthalb Jahren sein, 600 bis 800 in vier bis sechs Jahren. 250 bis 300 von ihnen sollen dann in der Schweiz arbeiten. “Mit dem Bund haben wir da keine Probleme”, sagt Bados. Er vertraue auch im Hinblick auf die nächste Abstimmung darauf, dass die Schweiz bei der Immigration einen "weiterhin einen pragmatischen Ansatz" pflegt. Im heimischen Markt allein hätte Nexthink keine Chance, dazu ist er viel zu klein: “Unser Arbeitsmarkt ist nicht allein die Schweiz, sondern Europa”, sagt Bados.
 
Ein Teil des frischen Risikokapitals fliesst in die Erschliessung eines neuen Markts: Die USA. 120 Millionen Arbeitnehmer, 6 Millionen Unternehmen, 1 Sprache. "A serious office", will Bados dort aufbauen, mit 30 bis 40 Angestellten, überwiegend Verkäufer und Marketing-Leute. "Ich werde dieses Jahr viel Zeit dort verbringen, um ein starkes Netzwerk aufzubauen", sagt Bados.
 
“Oft werden wir gefragt, wieso wir nicht ins Silicon Valley gezogen sind. Aber das Valley ist vor allem B2C, alles ist von einer gewissen Coolness umgeben. Das sind nicht wir.”
 
Boston hingegen habe eine Technologie-Szene, die die Dinge eher aus einer wissenschaftlichen Perspektive angeht. “Das gefällt mir sehr.” Am MIT studiert hat Bados bis heute nicht. Seinen PhD will er vielleicht trotzdem noch machen. Zur Uni hat er es schon mal geschafft: Die neuen Büros in Boston bieten Aussicht auf den Campus. (mik)