Prantl behauptet: Cloud-Geschäfts­modelle sind keine Allerheilsmittel

Angesichts von Veranstaltungen wie "How to Survive in Times of Cloud Computing" oder auch dem kürzlich hier veröffentlichten Interview mit dem Microsoft Channel-Chef Phil Sorgen kommen verständlicherweise viele Unternehmer im IT-Channel massiv ins Grübeln, übrigens völlig zu recht. Ich gehe auch mit Phil Sorgen vollkommen einig, wenn er feststellt, "einige werden es nicht schaffen". Es ist nämlich schon deutlich später als fünf vor zwölf, ich würde sogar sagen, es schlägt spätestens im vor der Tür stehenden Jahr 2016 definitiv Punkt Zwölf Uhr. Kunden wollen Cloud und Kunden kaufen Cloud, und zwar immer öfter. Sich dagegen zu sträuben erinnert an die Musikindustrie, die sich noch vor wenigen Jahren mit allen Mitteln gegen Dienste wie Spotify oder iTunes gewehrt hat. Heute ist sie bloss noch ein Schatten ihrer selbst. An der Cloud führt für IT-Anbieter jeglicher Couleur mit Sicherheit kein Weg mehr vorbei. Es stellen sich im Einzelfall bloss noch Fragen wie "in welchem Umfang macht es für unser Geschäft Sinn" und "wie können wir die Transformation praktisch bewerkstelligen". Hierzu kann die oben erwähnte Veranstaltung sicher spannende Ideen und Impulse liefern.
 
Der Wechsel von klassischen Geschäftsmodellen hin zu cloudbasierten Modellen ist für IT-Anbieter also keine Option, sondern schlichte Notwendigkeit. "Verkauft" wird ihnen dies vor allem von den grossen Herstellern (wie eben zum Beispiel von Microsoft im oben erwähnten Interview), von den Fachmedien und last but not least von der ganzen Beratergemeinde. Diese stellen ihren Partnern und Klienten den ultimativen Profit und die Zukunftssicherung ihres Geschäfts in Aussicht. Das ist natürlich blanker Unsinn.
 
Wieso sollen nun aber Cloud-Geschäftsmodelle kein Allerheilsmittel sein? Einerseits, weil alle oben genannten Akteure dies gebetsmühlenartig wiederholen, andererseits, weil die Transformation zum Cloud Business-Modell für die meisten IT-Unternehmen zwar eine notwendige, aber nicht die ausschlaggebende Voraussetzung für ihre Prosperität darstellt. Wenn nämlich alle IT-Firmen in der Cloud angekommen sind (diejenigen, die es geschafft haben, plus die neuen Marktplayer), sind wir wettbewerbstechnisch wieder am gleichen Punkt wie heute angelangt. Alle bieten plus/minus das Gleiche für die gleichen Kunden. In dieser Überzeugung bestärkt mich auch die Aussage von Phil Sorgen im besagten Interview, Microsoft helfe seinen Partnern mit einem sogenannten "Profitabilitäts-Benchmark-Tool" dabei, ihr Geschäft in die Cloud zu bringen. Machen das nämlich alle Partner, dann orientieren sich auch alle an den gleichen Benchmarks und Best Practices und sind im Endeffekt, wenn sie in der Cloud angekommen sind, wieder
genauso austauschbar wie vorher. Für Microsoft ist das natürlich okay, für den einzelnen IT-Unternehmer hingegen gar nicht. Aufgrund der vollmundigen Versprechungen von allen Seiten dachte er nämlich, nun habe er (endlich) ein Unternehmen mit einer ganz besonderen Stellung.
 
Geschäftsmodelle alleine machen kein Business erfolgreich. Sie zeigen, wie ein Unternehmen Geld verdienen kann, aber nicht im tieferen Sinne warum. Dazu braucht es die Beantwortung zentraler Fragen wie "was macht uns einzigartig?", "können wir unsere Einzigartigkeit nachhaltig verteidigen?" oder "trifft unsere Einzigartigkeit auch auf ein Kundenbedürfnis und damit auch eine konkrete Nachfrage?".
 
In stelle in meinen Beratungsprojekten übrigens immer wieder fest, dass die zentralen Verhinderer einer Cloud-Transformation (oder jeder beliebigen anderen fundamentalen Geschäftsveränderung) nicht fehlendes Wissen, die fehlende Erkenntnis zur Notwendigkeit einer Veränderung oder das eigentliche Transformations-Management sind. Es ist in aller Regel die (teilweise panische) Angst, Altes loszulassen. Und das kriegt der Unternehmer nur dann in den Griff, wenn er erfolgversprechende Alternativen zum Liebgewonnenen entwickelt und mit einem langfristigen Zukunftsbild und einer inspirierenden Vision begleitet. Das Geschäftsmodell dazu ist nur ein Baustein und keinesfalls die singuläre Lösung.
 
Urs Prantl (53) arbeitete über 20 Jahre als Softwareunternehmer. Seit Ende 2011 unterstützt der primär IT- und Softwareunternehmer bei der aktiven und nachhaltigen Zukunftsgestaltung ihrer Unternehmen. Er äussert als Kolumnist für inside-channels.ch seine persönliche Meinung.
 
Veranstaltungshinweis:
Am 28. Januar 2016 findet ab 13 Uhr im Folium (Sihlcity, Zürich) das erste Inside Channels Forum statt. Thema: Der Channel und die Cloud.
 
Aus dem Programm: Emmi-CIO Heinz Hodel sagt, was Kunden künftig vom Channel erwarten. Prominente Schweizer VARs (Bechtle, Leuchter, Steffen Informatik, ITpoint, VonRoll Intec, Bison ITS) diskutieren die Frage "How to Survive in Times of Cloud Computing" und Hersteller (Microsoft, IBM, VMware, EMC, u.v.m.) setzen sich auf den heissen Stuhl
 
Die Zahl der Plätze ist beschränkt. Es lohnt sich, frühzeitig ein Ticket zu kaufen (100 Franken für Mitarbeitende von Resellern, 500 Franken für Mitarbeitende von Herstellern und Distributoren).
 
Tickets können hier bestellt werden.
 
Zum Programm geht es hier.