Geldmaschine Software (aber nur @home)

Die Schweizer Software-Industrie zeichnet sich durch eine gute Profitabilität und starkes Wachstum aus. Exporterfolge bleiben aber gering. Dies zeigt die erste Ausgabe des Swiss Software Industry Survey der Universität Bern.
 
Der Schweizer Software-Industrie geht es auch nach dem Franken-Euro-Schock beeindrucked gut. Im Schnitt erzielt sie heute eine Umsatzrendite auf EBIT-Stufe von 8,5 Prozent. Und sie rechnet für das laufende Jahr mt einem Umsatzwachstum über 11 Prozent. Dies geht aus dem Swiss Software Industry Survey hervor, den Thomas Huber vom Institut für Wirtschaftsinformatik der Uni Bern gestern an einer Veranstaltung in Bern vorgestellt hat.
 
Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf die oben genannten Zahlen zu werfen. Denn Software-Industrie ist nicht gleich Software-Industrie. So zeigen Standard-Software-Hersteller eine wesentlich geringere Marge als beispielsweise Beratungshäuser (siehe Grafik oben). Der Grund dafür lässt sich leicht herausfinden: Standard-Software-Hersteller müssen wesentlich mehr in Entwicklung investieren als ihre Kollegen Individual-Software-Hersteller, Berater, Integratoren und Service-Provider. Die Angabe von mehr als 25 Umsatzprozenten, die für F&E aufgewendet werden, mag sehr hoch scheinen. Doch dass Standard-Software-Hersteller viel mehr als andere für Entwicklung ausgeben, ist logisch. Denn während ein Cloud-Projekt für einen Individual-Software-Hersteller ein lukrativer Auftrag ist, ist es für einen Hersteller von beispielsweise Buchhaltungssoftware eine teure und doch zwingende Investition.
 
Keine starken Exportierer
Nur etwas über 15 Prozent des Umsatzes der Schweizer Software-Hersteller stammt aus dem Export. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass
an der Umfrage (beeindruckend viele) lokale Software-Hersteller teilgenommen haben. Der Exportanteil würde wohl höher ausfallen, wenn auch Firmen wie Google oder UBS teilnehmen würden.
 
Hauptmärkte der Schweizer Software-Hersteller sind mit grossem Abstand Deutschland und generell Europa. Nach Nordamerika gehen nur etwas acht Prozent der Schweizer Software-Exporte, nach Asien sogar nur sechs Prozent.
 
Der Survey
Der Swiss Software Industry Survey ist ein Nachfolgeprojekt des "Software Industry Index", der 2010 von Sieber & Partner in Zusammenarbeit mit inside-it.ch aufgezogen worden ist. Die Umfrage wird nun vom Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Bern jährlich durchgeführt. Sie ist auf erfreulich viel Echo gestossen. 402 Firmen haben die Umfrage vollständig mitgemacht und auch Datenpunkte zu Umsatz und Ertrag geliefert. Die Resultate der Studie sind entsprechend stringent und glaubwürdig.
 
Die 40-seitige Studie kann bei ICTSwitzerland kostenlos bezogen werden (Klick öffnet PDF). Sie finden darin weitere interessante Informationen zur Zusammensetzung der Schweizer Software-Industrie, zu den angesprochenen Branchen, zu Entwicklung und Funktionen der Mitarbeitenden und Freelancer und vieles mehr.
 
Software-Firmen, die an der letzten Umfrage nicht teilgenommen haben, sollten an der nächsten Umfrage unbedingt teilnehmen. Teilnehmer erhalten die Möglichkeit, Zahlen ihrer eigenen Firma interaktiv mit den Durchschnittszahlen der vergleichbaren Firmen zu vergleichen. Interessierte Firmen können sich hier anmelden. (hc)