Wortmann Schweiz 2015 trotz Frankenkrise gut unterwegs

Wortmann-Schweiz-Gründer Andy Beck
Die Schweizer Ländergesellschaft des deutschen PC-Herstellers Wortmann ist in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gewachsen und trägt heute rund acht Prozent zum Gesamtumsatz des Konzerns bei.
 
An einer Roadshow in Zürich hat der deutsche PC-Hersteller und Distributor Wortmann für das seit geraumer Zeit verfügbare Cloud-Angebot die Werbetrommel gerührt. Dafür ist die Tier-3-Rechenzentrumsfläche am zentralen Standort in Deutschland um 20'000 Quadratmeter verdoppelt worden. Wobei allerdings weit in die Zukunft geplant wurde, da derzeit noch ein Grossteil des Neubaus als Lager genutzt wird, wie es in der Präsentation hiess.
 
Und natürlich gab es an der Roadshow neue Geräte zu sehen. Unter anderem wurde auf Anfang 2016 ein lüfterloser PC der Eigenmarke Terra angekündigt und der "Marathon" genannte Terra-PC für den Dauerbetrieb präsentiert. Der PC wird in branchenspezifischen Designs ausgeliefert. Ausserdem wurden den rund 60 anwesenden Partnern in einer kleinen Ausstellung diverse Terra-Novitäten im Bereich Mobility mit Notebooks und Tablets gezeigt. Zentral war an der Veranstaltung aber ohnehin das Networking mit und unter den Fachhändlern.
 
Fokus Fachhandel
Und diese sind recht zufrieden mit dem deutschen Partner. Man habe direkte Ansprechpartner in der Schweiz, im Support würden die Fachhändler als Techniker mit Technikern beim Hersteller reden und die Reaktionszeiten bei Reparaturen seien extrem kurz, lobt man. Es gibt keine langwierige Callcenter-Administration, keine unnötige Fragen nach Basisinformationen ("sind die Geräte angeschlossen") und keine zeitlichen Verzögerungen, weil die meisten Produkte ab Lager verfügbar sind, sagten die Fachhändler, mit denen inside-channels.ch sprach. Dazu komme die unkomplizierte Abwicklung von Reparaturen. Für Gründer, Mitbesitzer und Geschäftsführer von Wortmann Schweiz, Andy Beck, ist denn auch der klare Fokus auf den Fachhandel, das wichtigste Kennzeichen des deutschen Assemblierers. Man entziehe sich damit unter anderem dem Preiskampf, der zwischen Gross- und Fachhandel bei anderen Marken herrscht und verschaffe dem Fachhandel Margen zwischen 20 und 30 Prozent, wie der Schweizer Vertriebschef Tobias Steiger anfügt. Zwar unterliege man deshalb gelegentlich bei Projekten, in denen allein der Preis ausschlaggebend ist, erspare es sich und seinen Partnern aber, nur Waren "herumschieben" zu müssen.

Position im Markt
Laut Beck liegt in der Nähe zum Fachhandel die Bedeutung von Wortmann in der Schweiz. Als PC-Hersteller mit der Eigenmarke Terra war Wortmann zuletzt auf Platz sieben des hiesigen Rankings der PC-Hersteller gelistet, wie die Analysten von IDC herausgefunden haben wollen. Doch der PC-Hersteller warnt vor solchen Zahlen, da sie weitgehend auf Schätzungen beruhten. Wortmann sei jedenfalls nicht angefragt worden. Beck nennt stattdessen konkrete Zahlen: 2014 habe man einen Umsatz von 39 Millionen Euro oder umgerechnet etwa 42 Millionen Franken erwirtschaftet. Damit sei die Schweiz mit etwas mehr als acht Prozent des Gesamtumsatzes von Wortmann inzwischen zu einer wichtigen Ländergesellschaft geworden.
 
2014 sei ein gutes Jahr gewesen, was stark der Ablösung von Windows-XP zu verdanken gewesen sei, so Beck weiter. In der Schweiz betrage der Anteil von Distributionsware rund 60 Prozent, während mit der Eigenmarke Terra etwa 40 Prozent des Umsatzes gemacht werde, so Beck. Er betont, dass Wortmann in der Schweiz mit seinen Fachhändlern zu 90 Prozent im Unternehmensumfeld tätig ist. So würden etwa Software-Hersteller wie Vitodata für Ärzte, Propharma für Apotheken und Drogerien oder Bica für Tankstellen, ihre Produkte mit Terra-Hardware ausliefern. Insgesamt arbeite man mit rund 350 Händlern zusammen, von denen 50 von besonderen Partnerkonditionen profitieren würden und je nach Status Mindestumsätze von 40'000 bis 250'000 Franken pro Jahr mit Wortmann erzielen würden.
 
Der Markt hat sich seit Sommer wieder erholt, nachdem im ersten Halbjahr noch ein Umsatzverlust von "mindestens 20 Prozent" zu verbuchen war. Er wäre zufrieden, wenn der Vorjahresumsatz gehalten oder leicht verbessert werden könnte. Wachstumsraten beim Umsatz zwischen zehn und 15 Prozent wie in den Vorjahren seien dieses Jahr nicht möglich. Denn einerseits ist der Nachfrageschub durch die Ablösung von Windows XP vorbei, andererseits schwächte die Aufhebung des Euro-Mindestkurses den Markt.
 
Allerdings habe sich die Situation wieder erholt, nachdem im ersten Halbjahr noch Umsatzverluste von "mindestens 20 Prozent" zu verbuchen waren. Die Industrie habe den Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) inzwischen nachvollzogen und sich angepasst, so dass für das Gesamtjahr in der Schweiz der Breakeven durchaus realistisch sei, so Beck.
 
Cloud ist noch kaum Thema
Für 2016 ist er denn auch wieder optimistisch und erwartet die zuvor übliche Wachstumsquote. Dass sei möglich, weil mobile Endgeräte stärker als bisher nachgefragt würden, so Beck. Auch wenn schon länger darüber geschrieben werde und etwa Notebooks schon vielfach in Privathaushalten angekommen seien, hielten mobile Endgeräte jetzt erst verstärkt in den Unternehmen Einzug. Terra sei mit seiner Produktepalette gut auf diese Entwicklung vorbereitet.
 
Ähnlich realistisch müsse man die Entwicklungen in Sachen Cloud einschätzen, sei der Trend doch im Fachhandel noch nicht auf breiter Ebene angekommen. So würde die Terra-Cloud in der Schweiz erst von drei oder vier Fachhändlern genutzt. Da das Wortmann-RZ in Deutschland stehe, sei es unter anderem wegen der regulatorischen Vorgaben für die hiesigen Partner vielfach keine Option. Deshalb diskutiere man, in der Schweiz ein eigenes RZ-Angebot aufzubauen. Allerdings sei hier noch alles offen und nichts entschieden, hält Beck fest. (Volker Richert)