VMware: Shake-up bei den Partnerschaften

VMware-Chef Pat Gelsinger: "Langfristig sehe ich eine zunehmend engere Kooperation von VMware mit Google"
Die VMworld zeigte erneut, wie schnell sich die IT-Industrie wandelt und wie schnell aus Konfrontationen Kooperationen werden - und umgekehrt.
 
VMware hat auf der jüngsten VMworld ein Feuerwerk an Neuankündigungen abgefackelt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass VMware einen Spagat schlagen will. Einerseits gilt es, das lukrative On-Premise-Geschäft weiter auszubauen, andererseits geht der allgemeine IT-Trend eindeutig Richtung Public-Cloud und hier insbesondere zum Hosting von containerisierten Microservices. Die gemeinsame Basis für beides ist eine leistungsstarke Netzwerk-Struktur – und auch hier will VMware mit NSX vor allem Cisco Konkurrenz machen. Man tanzt also auf mindestens drei Hochzeiten gleichzeitig.
 
Die Balance zwischen Private- und Public-Cloud versucht man durch die neuen Hybrid-Cloud-Management-Tools an sich zu reissen. "Komplexe heterogene Cloud-Strukturen sind der Regelfall, und anders als viele andere Anbieter, unterstützen wir mit unserer Unified-Cloud genau solche Umgebungen", sagt VMwares COO Carl Eschenbach. Doch der Schwerpunkt liegt unübersehbar bei den Angeboten für die Public-Cloud und Container – also alles rund um vCloud Air und Photon.
 
Das ist nachvollziehbar, denn VMwares Kunden haben immer weniger Interesse am Betrieb einer eigenen Infrastruktur. Das bedeutet auch, dass immer weniger hausintern virtualisiert wird, da alle neuen Anwendungen so schnell wie möglich in die Public-Cloud verlagert werden. "Die Entwicklungs-Vorgabe Cloud-First bezieht sich immer seltener auf die Private-Cloud, stattdessen steht die Public-Cloud im Vordergrund des Interesses", sagt VMwares strategischer Kundenberater Matthias Schorer. Das deckt sich mit den Marktzahlen. Laut IDC sind die Public-Cloud-Angebote der am schnellsten wachsende IT-Bereich. Schon in drei Jahren soll der weltweite Umsatz die 120 Milliarden-Dollar-Marke übersteigen.
 
Hauptkonkurrenten sind Amazon und Microsoft
Bislang aber wird der Business-Bereich von Public-Cloud-Diensten von AWS, Microsoft und Google beherrscht – VMware spielt nur eine untergeordnete Rolle. VMware-Chef Pat Gelsinger sieht vor allem Amazon und Microsoft als Hauptkonkurrenten. Dass er Google nicht so einschätzt liegt daran, dass man seit Jahresanfang ein Reseller-Abkommen mit dem Suchmaschinen-Giganten hat und jetzt sogar die Google-Plattform für das Hosting von eigenen Cloud-Diensten nutzt, beispielsweise das Object Storage. "Langfristig sehe ich eine zunehmend engere Kooperation von VMware mit Google", prophezeite Gelsinger über diese neue Partnerschaft.
 
Inwieweit diese Kooperation wirklich auf Dauer Bestand hat, bleibt abzuwarten. Beide Unternehmen sind extrem unterschiedlich entstanden und verfolgen weiterhin divergierende Strategien. VMware kommt aus den Tiefen des Rechenzentrums für Business-Anwendungen und hier sieht man auch die weitere Zukunft. Google entstand – und ist noch immer – ein Consumer-orientierter Service-Anbieter,
NSX-Chef Guido Appenzeller: "NSX macht Router und Switches zu dummen Netzwerk-Komponenten."
der zwar gerne im Business-Umfeld erfolgreicher sein möchte, aber darauf nicht sein Hauptaugenmerk legt. Die vielen Gehversuche auf deisem Gebiet, die häufig mit dem plötzlichen Abschalten von Service-Angeboten endeten, haben sehr am Image eines zuverlässigen Business-Cloud-Providers gezehrt.
 
Das einzige, was VMware und Google wirklich gemeinsam haben, sind die gemeinsamen Erzkonkurrenten Amazon und Microsoft. Das heisst, die Basisphilosophie lautet: "Der Feind meiner Feinde ist mein Freund!" Und das ist normalerweise keine tragfähige Basis für eine langfristige, vertrauensvolle Zusammenarbeit. Zumal der Markt immer wieder Erzkonkurrenten dazu zwingt, zusammenzuarbeiten. So wie es VMware jetzt mit Microsoft im Projekt A² angekündigt hat. Dabei geht es darum, Apps für mobile Windows-10-Geräte besser zu unterstützen. Hierzu werden virtuelle Container mit etablierten Windows-Apps geschaffen, die dann mittels AppVolumes auf jedes W10-Endgerät gestreamt werden können. Die Gründe für diese ungewöhnliche Partnerschaft sind klar. VMware ist mit seinem Slogan "On Any Device" nur dann glaubwürdig, wenn auch alle Windows-10-Geräte dazu gehören. Und Microsoft hat ein grosses Interesse daran, das Ökosystem für Windows 10 so breit wie möglich anzulegen.
 
Problemfall VCE
Neben dem gespannten Vierecks-Verhältnis Amazon, Google, Microsoft und VMware gibt es aber auch noch den strategischen Problemfall VCE. Das ist die von EMC initiierte Partnerschaft von VMware, Cisco, EMC, Pivotal und RSA. Ursprünglich sollte damit das gesamte Cloudspektrum abgedeckt werden. Doch mit der Akquisition von Nicira ging VMware auf direkten Konfrontationskurs mit Cisco. "NSX macht Router und Switches zu dummen Netzwerk-Komponenten", sagt VMwares NSX-Chef Guido Appenzeller und macht damit klar, warum das Verhältnis zu Cisco abgekühlt ist. Appenzeller ist erst seit einem Jahr bei VMware und war zuvor Mitgründer und CEO von Big Switch – einem Pionier von reinrassigem SDN, also der Netzwerktechnologie, die Cisco das Leben schwer macht.
 
Auf der VMworld brodelte die Gerüchteküche über die weiteren Entwicklungen auf heisser Flamme. Am hartnäckigsten hält sich die Annahme, dass EMC, VMware und Pivotal schon bald wieder in einem einzigen Unternehmen vereint sein werden. Einige Analysten erwarten sogar, dass VMware EMC und Pivotal kauft und Gelsinger dann Chef der drei Unternehmen wird. Der EMC-Chefsessel war ja ursprünglich auch Gelsingers Intention, als er im September 2009 von Intel zu EMC wechselte. Dass Tucci ihn 2012 an die Spitze von VMware beorderte, um das ins Trudeln geratenen Virtualisierungs-Unternehmen wieder flott zu machen, stand sicherlich nicht auf seiner Wunsch-Liste. Das alles sind aber nur Gerüchte und Spekulationen. In allen öffentlichen Reden beteuert Gelsinger stets, dass er fest zu VCE steht und dass es keinen Grund für eine Änderung gäbe. (Harald Weiss)